Großzügige Geste?

Warum "zu verschenken"-Boxen von Privatpersonen nicht immer eine gute Idee sind

Würden Sie hier zugreifen? Vermutlich eher nicht.
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12. September 2021 - 9:33 Uhr

Gut gemeint, aber schlecht umgesetzt?

In Großstädten sind sie keine Seltenheit: "Zu verschenken"-Boxen, die von Privatpersonen vor der Haustür an die Straße gestellt werden. In ihnen findet man in der Regel allerlei Krempel, wie alte Bücher, Kinderschuhe, Küchenutensilien oder manchmal leider auch Abfall, den augenscheinlich niemand mehr brauchen wird. Leider geht die Großzügigkeit der Schenker oft in eine falsche Richtung, nämlich dann, wenn die noble Geste zur illegalen Abfallentsorgung verkommt – gerade Entsorgungsbetriebe sehen die Verschenk-Kisten mit gemischten Gefühlen. Und Achtung: Solche Boxen auf die Straße zu stellen, könnte richtig teuer werden.

Häufig landet unbeabsichtigt Müll auf der Straße

Generell sei der Gedanke, alte Gegenstände so einem neuen Besitzer zukommen zu lassen, nobel und auch nachhaltig. Laut Stefan Röttele von den Frankfurter Entsorgungsbetrieben, sei es allerdings sinnvoller, solche Gegenstände direkt online zu inserieren: "Manchmal werden gedankenlos Objekte rausgestellt, die schon unmittelbar danach – nach dem ersten Regenguss - unbrauchbar geworden sind", sagt er. Elektrogeräte – wie beispielsweise Toaster oder Kaffeemaschinen – setzen direkt nach dem ersten Regenguss Rost an und werden dann unbrauchbar.

Dadurch sei die Abgabe an einen Second Hand-Laden oft zielführender, da das Personal vor Ort die gebrauchten Gegenstände besser einschätzen kann. Wichtig sei allerdings in jedem Falle, dass die Gegenstände in gutem Zustand und funktionstüchtig sind.

"Zu verschenken"-Boxen auf dem Gehweg: Ist das erlaubt?

Was viele nicht wissen: Tatsächlich ist das abstellen solcher Geschenkboxen auf öffentlichem Grund genau genommen illegal und kann im Extremfall sogar mit einem Bußgeld geahndet werden. Wer die Gegenstände sich selbst überlässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Bei der "Entledigungsabsicht" handelt es sich streng genommen um eine "wilde Müllablagerung". Darauf weist der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hin. "Erbarmt sich niemand zügig der abgestellten Sachen, handelt es sich um eine illegale Ablagerung und es drohen für die Entsorgung Bußgelder", sagt eine VKU-Sprecherin. Wie hoch diese ausfallen, lasse sich pauschal nicht sagen. "Die Geldbuße hängt beispielsweise davon ab, um welche Gegenstände es sich handelt, wie viele es sind und welcher Aufwand mit der Entsorgung verbunden ist."

Teurer wird es zum Beispiel, wenn Sperrmüll wild abgelagert wird, also Gegenstände, die so sperrig sind, dass sie nicht in die gängigen Mülltonnen passen. Auch für Unbeteiligte kann es teurer werden. Denn die Entsorgungskosten würden letztlich über die Abfallgebühren auf jeden einzelnen Gebührenzahler umgeschlagen, so der VKU.

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Geschenkboxen werden aber meist geduldet

"Wenn die zu verschenkenden Artikel keinen behindern, werden solche Geschenkkisten am Straßenrand allerdings geduldet", sagt Annika Huller vom Wiesbadener Ordnungsamt. Auch ein Mitarbeiter des Ordnungsamts Frankfurt erklärt, dass alte Kleidung und Kuscheltiere in Geschenkboxen nicht als illegale Müllablagerung gesehen werden könnten, solange sie nicht deutlich als Abfall erkennbar seien. Das sei der Fall, wenn etwa zerrissene Bücher und andere kaputte Gegenstände in solchen Kisten landen würden, erläutert er.

"Wenn Dinge tatsächlich erkennbar nur Abfall sind und/oder die Passage auf Gehwegen beeinträchtigen, auch wenn hygienische Probleme entstehen, dann wird die Stadtreinigung reagieren und den Müll entsorgen", sagt Röttele vom Frankfurter Entsorgungsbetrieb. Wer also auf Nummer sicher gehen möchte, der lässt seine "zu verschenken"-Box nicht tagelang auf dem Gehweg verwahrlosen oder gibt seine gebrauchten Gegenstände direkt an Trödel-Profis ab. (dpa/kmü)