Hotspot Sachsen

Warum sind die Infektionszahlen ausgerechnet im Freistaat so hoch?

02. Dezember 2021 - 11:28 Uhr

Inzidenz von 1.180

von Björn Heckmann und Max Storr

Sachsen ist das bisher am härtesten betroffene Bundesland in der Corona-Pandemie. Im Freistaat jagt ein Inzidenz-Rekord den nächsten. Am 29. November lag die Inzidenz bei 1284! Aktuell gehen die Zahlen leicht zurück, mit einer Inzidenz von 1.180 ist Sachsen aber immer noch einsame Spitze. Aber warum ist das so? Die Antwort auf diese Frage hängt auch mit dem Misstrauen der Bürger gegenüber dem Staat zusammen, wie unser Video zeigt.

+++ Alle aktuellen Infos rund um das Corona-Virus jederzeit im Liveticker +++

Proteste gegen Corona-Maßnahmen in Freiberg

In Freiberg in Sachsen gehen sie "spazieren", um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Organisiert wurde der Protest von den Veranstaltern "Freie Sachsen", der vom Verfassungsschutz als "rechtsextrem" eingestuft worden ist. Die Teilnehmer des Spazierganges halten sich bedeckt, wollen unserem RTL-Reporter nicht erzählen, warum sie am Spaziergang teilnehmen. Eines ist aber klar: In Sachsen sind extrem viele Menschen den Corona-Maßnahmen gegenüber sehr kritisch eingestellt.

Lese-Tipp: Das will der Corona-Gipfel beschließen!

Misstrauen und das Gefühl nicht dazuzugehören

Mit 58,2 Prozent hat der Freistaat die niedrigste Impfquote bundesweit. Wenig überraschend also, dass die 7-Tage-Inzidenz mit 1.180 extrem hoch ist, die Hospitalisierungsrate liegt bei 5,32. Die Intensivstationen sind voll. Von denen, die unsere RTL-Reporter tagsüber in Freiberg fragen, sind manche geimpft, die meisten aber nicht. Warum aber lehnen gerade in Ostdeutschland so viele Menschen eine Impfung ab?

Warum treffen staatlich verordnete Corona-Maßnahmen gerade da auf so viel Widerstand, wo gleichzeitig die AFD bei Wahlen besonders viele Stimmen bekommt. Forscherinnen und Forscher der Universität Dresden haben das untersucht. "Ablehnung von Maßnahmen der Regierung. Misstrauen gegenüber der Regierung und immer das Gefühl, dass sie eigentlich nicht dazu gehören zu dem, was die Regierung plant. Und das wird sozusagen kommunikativ eingefangen und mobilisiert von der AfD", sagt Hans Vorländer vom Zentrum für Demokratieforschung in Dresden.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Die Lage spitzt sich zu

Es gibt also viel Nachholbedarf. Und für die, die es wollen, öffnet an diesem Mittwoch in Dresden das neue Impfzentrum. Reichlich spät, während die vierte Welle in vollem Gange ist. Aber immerhin. "Ob das schon die Trendwende ist, auch für Sachsen, dass sich jetzt sozusagen auch mehr Menschen ihre erste Impfung abholen, das mag ich noch nicht prognostizieren", berichtet Kai Kranich vom Deutschen Roten Kreuz in Sachsen. Die Lage spitzt sich derweil zu.

"An der Grenze zur Belastungssituation"

Nicht nur, aber besonders in den neuen Bundesländern. Sogar die Bundeswehr muss Covid-Erkrankte aus Sachsen ausfliegen. Eine Spezial-Maschine bringt sechs beatmete Intensiv-Patienten von Dresden nach Köln: "Wir haben derzeit eine Situation in Sachsen, wo über 500 Patienten auf Intensivstation mit Covid19 behandelt werden. Die Patienten sind alle schwer krank. Die Betten werden knapp. Es ist so, dass wir an der Grenze zur Belastungssituation sind", stellt Prof. Sebastian Stehr, Koordinator für Patientenverlegungen, klar. Man kann gegen vieles demonstrieren. Und das darf man zum Glück auch in einer Demokratie. Eine hochansteckende und lebensgefährliche Krankheit aber lässt sich davon bekanntlich nicht beeindrucken. Ganz gleich, wie laut manche dagegen anschreien.

Noch mehr Videos rund um Corona in unserer Playlist