"Wir haben überhaupt kein Interesse, das Klima zu schädigen."

Warum es heute so schwer ist, Landwirt zu sein

07. Juli 2021 - 17:55 Uhr

von Maximilian Storr

55 Kühe und Kälber bewirtschaftet die Familie Klein auf ihrem Hof in Wildsteig. Die Alpenwand erhebt sich über den Hof von Martin, Emma und Sohn Michael. Arbeiten in einer Kulisse, die wie geschaffen ist für das Motiv einer Postkarte: Urlaub im Grünen. Der Hof der Kleins ist ein Familienbetrieb. Eigentlich sind sie zufrieden, aber auch in Oberbayern ist nicht zu überhören, dass die Bauern mit ihrem Imageproblem zu kämpfen haben. Und auch der Klimawandel macht vielen Landwirten zu schaffen…

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Landwirt wünscht sich mehr Wertschätzung

"Die Wertschätzung für uns Landwirte lässt schwer zu wünschen übrig. Wenn irgendwo ein Skandal ist, dann wird das immer auf alle Landwirte runtergebrochen", beklagt sich Martin Klein. Ihm liege das Tierwohl und auch das Klima sehr am Herzen. Gemeinsam mit Sohn Michael will er seinen Hof für die Zukunft rüsten. Aber wie kann eine grüne und nachhaltige Landwirtschaft aussehen?

Landwirt Martin Klein im RTL-Interview.
Landwirt Martin Klein sieht im RTL-Interview optimistisch in die Zukunft, beklagt aber das Imageproblem seines Berufsstandes.
© RTL

Expertenkommission fordert Umdenken

Kanzlerin Merkel nahm Dienstag Empfehlungen einer Expertenkommission entgegen. Man ist sich einig: Es braucht einen Weg zu mehr Umwelt- und Tierschutz. Die Kommission empfiehlt einen weitreichenden Umbau des Agrar- und Ernährungssystems als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das Agrarsystem soll "nachhaltiger" werden: Also zum Beispiel mehr Ökolandbau und einen teilweisen Verzicht auf Pflanzenschutzmittel. Das wird aber Milliarden kosten.

"Unser Agrar- und Ernährungssystem verursacht jedes Jahr einen zweistelligen Milliardenbetrag an externen Kosten. Von daher – das ist die Kernaussage der Zukunftskommission – wird es in jedem Fall billiger sein, wenn wir diese Schäden verhindern", sagt Wirtschaftswissenschaftler Achim Spiller im RTL-Interview. Externe Kosten sind Kosten, die durch landwirtschaftliche Produktion entstehen, wie zum Beispiel der Treibhauseffekt durch höhere Co2-Emissionen oder der Verlust der Artenvielfalt. Sie müssen von der Gesellschaft getragen werden. Für Landwirt Martin Klein ist das ein großes Thema.

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Wirtschaftswissenschaftler Achim Spiller äußert sich zur Perspektive in der Landwirtschaft
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"Kein Interesse, das Klima zu schädigen"

Er sagt: "Wir haben überhaupt kein Interesse, das Klima zu schädigen. Wir Landwirte machen viele Dinge, die bisher überhaupt nicht berücksichtigt werden. Mein Grünland speichert ja zum Beispiel auch Co2." Dass der Klimawandel in der Landwirtschaft zu Problemen führt, belegt auch die Ernteprognose, die am Mittwoch veröffentlicht worden ist.

Der Bauernverband rechnet mit einer Getreideernte von 45,4 Millionen Tonnen in diesem Jahr. Das ist zwar nur knapp unter dem Schnitt der Jahre 2015-2019 (45,6 Millionen Tonnen), im Vorjahr lag die Ausbeute aber nur bei 43,2 Millionen Tonnen. Und schuld daran waren auch die zahlreichen Unwetter.

Für Bayern rechnet Martin Klein wegen der vielen Unwetter sogar mit steigenden Preisen für das Kraftfutter, dass er für seine Tiere kaufen muss. Für Klein bedeutet das höhere Produktionskosten, aber was heißt das für den Verbraucher?

Agrarexperte Prof. Peter Feindt rechnet nicht damit, dass die Verbraucherpreise in Zukunft sinken werden.
Agrarexperte Prof. Peter Feindt rechnet nicht damit, dass die Verbraucherpreise in Zukunft sinken werden.
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Verbraucherpreise werden nicht sinken

Agrarwissenschaftler Prof. Peter Feindt von der HU Berlin rechnet nicht damit, dass die Preise für den Verbraucher in Zukunft sinken wird. Grund seien die wachsende Energie- und Getreidepreise. Das könne dann auch auf die Fleisch- und Milchpreise durchschlagen.

Ausnahmen könnten regionale Produkte sein. "Das ist aber auch immer von der Ernte in der Region abhängig", erzählt Feindt im RTL-Interview. Trotz der Herausforderungen blickt Landwirt Martin Klein optimistisch in die Zukunft. "Ich sehe das positiv, wir brauchen nach wie vor Nahrungsmittel und wir erzeugen gesunde Nahrungsmittel."