Bis zu 15 Wochen Wartezeit

Kunden müssen immer länger auf Handwerker warten

04. August 2021 - 11:43 Uhr

Betriebe nehmen keine Neukunden mehr auf

Wer für den Winter eine neue Heizungsanlage braucht, sollte sich jetzt noch schnell um einen Fachbetrieb kümmern. Denn in einzelnen Bereichen liegen die Wartezeiten bei bis zu 15 Wochen. Und viele Betriebe nehmen erst gar keine Neukunden auf, weil sie die Aufträge gar nicht mehr abarbeiten können. Im Video erklärt Innungsmeister Marc Schmitz, welche Lösungen er für seine Kunden anbieten kann und was derzeit nicht möglich ist.

Lieferengpässe und Preisexplosion bei Rohstoffen

"Nicht nur Holz ist derzeit knapp und teurer, sondern alles, was man braucht, um ein Haus zu bauen oder zu renovieren und vieles mehr. Auch elektronische Teile für unsere Elektroniker und Kabel und all das fehlt. Das macht unseren Betrieben in diesen Bereichen im Moment ganz schwer zu schaffen", erklärt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Er warnt auch vor einem Einbruch des privaten Wohnungsbaus.

"Kunden müssen inzwischen wegen der Lieferengpässe noch länger auf einen Handwerker warten, auch wenn das natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich ist", so Wollseifer weiter. "Unsere Betriebe tun da gerade ihr Bestes, damit sich das nicht oder nur in Maßen auf Kundenseite auswirkt. Im Gesamthandwerk liegt die durchschnittliche Auftragsreichweite derzeit bei 8,8 Wochen." Die Auftragsreichweite gibt an, wie lange der Auftragsbestand noch ausreicht. "Im Bau- und Ausbaubereich jedoch ist es so, dass man aktuell mit mindestens zehn und manchmal sogar bis zu 15 Wochen rechnen muss, bis ein Auftrag begonnen und abgearbeitet wird", ergänzte Wollseifer.

Hans Peter Wollseifer
Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Handwerk.
© deutsche presse agentur

Vor allem der Bau- und Ausbaubereich drohe durch die Materialknappheit und Preisexplosion in eine Krise zu schlittern. "Erhebliche Engpässe sehen wir nach wie vor bei bestimmten Metallen und Kunststoffen, zudem melden die Betriebe uns, dass auch Vorprodukte wie Schrauben langsam knapp werden." Auch in den nächsten Monaten werde die Versorgung mit den für die Elektrohandwerke wichtigen Halbleiterprodukten weiter problematisch bleiben.

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Bauen wird teuer - und für einige Bauherrn unbezahlbar

"Bauen wird teurer werden", sagte Wollseifer. Er könne keine genaue Größenordnung nennen. "Aber wir haben bei den verschiedenen Materialien in den letzten drei bis fünf Monaten Materialteuerungen von 20 bis 30 Prozent gehabt - bis hin zur Verdreifachung des Materialpreises bei einzelnen Gütern."

Im privaten Wohnungsbau drohe die aktuelle Entwicklung eine Bremse für die Konjunkturerholung zu werden. "Durch die Preiserhöhungen verteuern sich Bauten so stark, dass es auf die Kredite von Bauherrinnen und Bauherren ausstrahlt, und es zunehmend Finanzierungsengpässe gibt." Zudem führten die höheren Baupreise dazu, dass Förderprogramme zum Erwerb von Wohneigentum und für Sanierungen nur zu einem geringeren Anteil zur Finanzierung der Baukosten beitragen. "Deswegen sollte die Politik hier dringend mit einer Erhöhung der Förderbeträge nachsteuern. Andernfalls droht ein Einbruch des privaten Wohnungsbaus und auch der klimapolitisch erforderlichen Sanierungsdynamik."

Bei bereits bestehenden Verträgen mit privaten Auftraggebern ließen sich Preissteigerungen nicht komplett an die Kunden weitergeben, sagte Wollseifer. "Aber bei Neuverträgen muss das bei der Kalkulation berücksichtigt werden, wenn die Betriebe nicht von vorneherein ein Minusgeschäft machen wollen. Da unsere Betriebe die Materialien nur so teuer beschaffen können, wie sie angeboten werden, hat das zur Folge, dass die dann produzierten Waren und Leistungen für die Kunden künftig deutlich teurer werden."

Wollseifer bezeichnete die momentane Situation als absurd. "Unsere Betriebe haben volle Auftragsbücher, aber es lohnt sich in vielen Bereichen angesichts der derzeitigen Einkaufspreise für Material gar nicht, die Aufträge auszuführen. Denn die Betriebe wissen, dass sie dann ein Minus machen." (dpa/aze)

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