Wann ist Trinkgeld angebracht - wann nicht?

25. Juli 2015 - 14:58 Uhr

Deutsche sind verkappte Schotten: Geizig und kleinkariert!

Das allerdings könnte auch an der Unwissenheit liegen, wie viel Trinkgeld überhaupt angebracht ist. Hier ein kleiner Trinkgeld-Guide.

Italien: Für das Gedeck und das zur Vorspeise gereichte Brot wird in italienischen Restaurants ein 'Coperto' erhoben. Diese Grundgebühr entbindet den Italien-Urlauber davon, dem Cameriere (Kellner) ein Trinkgeld geben zu müssen. Doch steht es jedem zufriedenen Gast frei, dies dennoch zu tun, dann wird es einfach auf dem Tisch liegen gelassen.

Gleiches gilt für Spanien und Portugal. In den südeuropäischen Ländern gibt es keine verbindliche Trinkgeldtradition. Über einen Obolus auf dem Rechnungsteller freut sich das Personal aber trotzdem. Allerdings sollte nicht versucht werden, sich auf diese Weise seines Kleingelds zu entledigen. Ein zu geringer Betrag gilt als sehr unhöflich - dann lieber gar nichts.

Ungewolltes Kränken des Personals sollte auch in Frankreich vermieden werden. Dem Garçon das Trinkgeld direkt in die Hand zu drücken, ist ein absoluter Fauxpas. Die Franzosen lassen 'Le pourboire' einfach dezent auf dem Tisch liegen. Es sei denn, die Etikette verbietet das Geben von Trinkgeld an die Servicekräfte, was durch den Hinweis 'Pourboire interdit' (kein Trinkgeld) gekennzeichnet ist.

Wann ist Trinkgeld angebracht - wann nicht?

In Ägypten ist 'Bakschisch' (Trinkgeld) eines der gebräuchlichsten Wörter zwischen Einheimischen und Touristen. Trinkgeld wird am Nil einfach immer und überall erwartet, das reicht vom Gepäckträger bis zum hilfsbereiten Passanten, der einem den Weg zum Zielort weist. ABER: Die Menschen dort haben nicht viel Geld. Die Miete für ein Haus kostet rund 100 Euro. Dementsprechend klein können Sie das Trinkgeld halten. 20 Cent sind in der ägyptische Währung (Pfund und Piaster) richtig viel Geld.

Dagegen ist der Urlaub in Skandinavien reisekassenfreundlich. In Schweden ist das Trinkgeld sowohl in Hotels und Restaurants als auch im Taxi bereits im Preis enthalten. Auch in Dänemark ist Trinkgeld nicht üblich.

Eher hoch angesiedelt ist das Trinkgeld in den USA. Das liegt daran, dass die Angestellen davon mitunter leben müssen. Das Gehalt fällt dementsprechend klein aus. 15 bis 20 Prozent ist die Regel. Gebräuchlich ist auch das sogenannte 'Tipping in advance' (Trinkgeld im voraus), mit dem sich der Gast gleichzeitig den besten Platz im Restaurant sichert.

Irland und Großbritannien-Reisende richten sich in Restaurants für die Höhe des Trinkgelds nach der Zehn-Prozent-Regel. In Bars und Pubs ist Trinkgeld nur üblich, wenn eine Bedienung die Getränke bringt.

Hier hat Trinkgeld keine Tradition: In Costa Rica, Malaysia, Südkorea, Japan, China, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder auf den Fidji-Inseln gehören Trinkgelder nicht zur Tradition. Sind die Restaurants oder Hotels aber besonders westlich orientiert, wäre auch hier ein Trinkgeld angebracht – sonst aber nicht und kann im Zweifel sogar als Beleidigung gelten.

Nicht jeder möchte Trinkgeld

Wann ist Trinkgeld angebracht - wann nicht?

Flugpersonal

Flugbegleiter der Airlines bekommen üblicherweise kein Trinkgeld, da sie sich selbst als Gastgeber sehen. Bei zahlreichen Airlines ist es dem Personal sogar verboten Trinkgelder anzunehmen. Wenn ein besonders aufdringlicher Passagier auf Trinkgeld besteht, nehmen Sie es nur an, um Aufsehen zu vermeiden und spenden es später gemeinnützigen Organisationen.

Schiffsreisen

Anders bei Schiffsreisen - hier ist es den Stewardessen und Stewards durchaus erlaubt, Trinkgelder anzunehmen. Oftmals sind die erwarteten Trinkgelder mit 10 bis 20 Prozent (Basis ist der Kauf- bzw. Servicepreis) sogar um einiges höher als bei gleichwertigen Diensten an Land.

Zimmermädchen

Legen Sie dem Zimmermädchen bereits am ersten Tag ein Trinkgeld hin. Das ist nicht nur eine nette Geste, sondern beflügelt auch die Reinigungskraft. Sie gelten dann als besonderer Gast, das merkt man dem Service oft an.

Kreditkarte

Wer mit Kreditkarte zahlt, kann das Trinkgeld entweder auf den Rechnungsbetrag aufschlagen, der Kellner nimmt sich den Differenzbetrag aus seinem Portemonnaie oder es wird ihm aus der Kasse ausgehändigt. Grundsätzlich muss man sich keine Sorgen machen, dass das Restaurant den Betrag behält.

Das Trinkgeld einfach bar zu zahlen, wäre eine andere Alternative.

Das geht gar nicht

Wann ist Trinkgeld angebracht - wann nicht?

Was kann ich beim Trinkgeldgeben alles falsch machen?

● Zu knauserig sein, beispielsweise die Rechnung nur um einen kleinen Betrag (von 64,30 auf 65 Euro) aufrunden.

● Trinkgeld per Rechnung quittieren lassen.

● Falls Sie mit einem Service unzufrieden sind, lieber kein Trinkgeld - als nur ein paar Cent geben.

● Chefs bekommen grundsätzlich kein Trinkgeld – überreichen Sie lieber ein kleines Präsent.

● In den Staaten wird den Kellnern das Trinkgeld nicht in die Hand gedrückt. Legen Sie das Geld einfach auf den Tisch oder auf den Teller mit der Rechnung.