Wann ist es erlaubt, wann nicht?

Wann dürfen Chefs private Chatverläufe via Teams oder Slack mitlesen?

Viele arbeiten aktuell im Home-Office und nutzen die Tools Slack oder Teams
Viele arbeiten aktuell im Home-Office und nutzen die Tools Slack oder Teams
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03. Juni 2021 - 20:07 Uhr

Slack und Teams ersetzen aktuell persönliche Kollegen-Gespräche

Seit dem Ausbruch des Corona-Virus im vergangen Jahr, arbeiten viele Menschen von Zuhause aus. Die Kommunikation verläuft dabei meistens virtuell über Messenger-Dienste wie Slack oder Microsoft Teams. Mitarbeiter können sich dort aber auch private Nachrichten schicken, denn ein kleiner Plausch an der Kaffeemaschine mit den Kollegen, ist im Home-Office nicht möglich. Hin und wieder geht es bei diesen Nachrichten aber um private Angelegenheiten oder Ärger mit den Vorgesetzten. Nachrichten, die weitere Personen lieber nicht lesen sollten. Kann der Arbeitgeber diese Mitteilungen im Nachgang lesen? Und ist das erlaubt?

Technisch gesehen ist es möglich

Slack
Slack wird häufig zur internen Kommunikation genutzt
© deutsche presse agentur

Diese Frage beantworten die beiden Anwälte Pascal Croset und Inno Merkel von der Berliner Kanzlei Croset dem Online-Magazin Business Insider.

Programme wie Slack oder Teams ermöglichen dem Arbeitgeber nicht einfach so, Direktnachrichten oder Unterhaltungen in privaten Chats zu lesen. Allerdings können Chats exportiert und im Nachgang gelesen werden und das ohne das der Mitarbeitende davon Wind bekommt. Doch es kommt auf die Version des Tools an. Bei der kostenlosen Version von Slack muss das Exportieren privater Chats erst anfragt werden und wird nur erlaubt, wenn der Arbeitgeber einen ausschlaggebenden Grund nennt.

Wenn der Arbeitgeber Privat-Nachrichten vertraglich verboten hat, gilt:

Tools wie Slack oder Teams werden vom Arbeitgeber gestellt. Deshalb darf dieser auch bestimmen, ob es den Mitarbeiter erlaubt ist, dort privat zu kommunizieren. Will er private Unterhaltungen unterbinden, sollte er das in einer Klausel in den Arbeitsverträgen oder einer Regelung in der Betriebsverordnung erwähnen. Ist die private Nutzung verboten, dann darf der Arbeitgeber auf die Chats seiner Mitarbeiter grundsätzlich zugreifen. Denn dann kann davon ausgegangen werden, dass es in den Nachrichten auch nur um Dienstliches geht. Doch auch hier spielen Persönlichkeitsrechte selbstverständlich eine Rolle und Arbeitgeber sollten rein private Inhalte grundsätzlich nicht zu Ende lesen, erklären Pascal Croset und Inno Merkel auf Business Insider.de.

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Wenn der Arbeitgeber Privat-Nachrichten erlaubt hat, gilt:

Wenn der Arbeitgeber es den Mitarbeitern erlaubt, über ein Arbeitstool auch privat zu chatten, dann darf er die Chats nicht lesen. Ausgenommen sind Kontrollen, bei denen die Erlaubnis der Mitarbeiter vorliegt. Der Arbeitgeber darf Privat-Chats nur lesen, wenn es einen Grund dafür gibt. Das kann zum Beispiel bei Mobbing der Fall sein oder Straftaten, wie zum Beispiel der Verrat von Geschäftsgeheimnissen, so die Anwälte Pascal Croset und Inno Merkel gegenüber Business Insider. Ein permanentes Mitlesen von privaten Nachrichten ist nicht erlaubt.

Was ist, wenn der Arbeitgeber private Nachrichten nicht erlaubt, aber auch nicht ausdrücklich verbietet?

Gibt es keine explizite Regelung, ist im Zweifelsfall davon auszugehen, dass man Teams oder Slack sehr wohl auch zur privaten Kommunikation nutzen kann.