Verzugszinsenpauschale: Das können Sie tun, wenn Ihr Chef plötzlich nicht mehr zahlt

Wenn das Gehalt ausbleibt, stehen gerade Geringverdiener schnell vor einer existenziellen Krise.
Wenn das Gehalt ausbleibt, stehen gerade Geringverdiener schnell vor einer existenziellen Krise.
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18. Juli 2018 - 12:18 Uhr

Kein Lohn, aber laufende Kosten

Miete, Strom, Lebensmittel – für viele Arbeitnehmer ist das monatliche Gehalt exakt verplant. Zahlt der Arbeitgeber den Lohn aber nicht pünktlich, wird es finanziell schnell eng. Doch was können Sie tun, wenn Ihr Chef einfach nicht zahlt?

Gehalt vor Gericht einklagen

Immer wieder kommt es vor, dass Arbeitgeber ihre Mitarbeiter nicht pünktlich bezahlen. Rechtlich können Arbeitnehmer dagegen vorgehen und ihren ausstehenden Lohn vor Gericht einklagen. Das kann unter Umständen aber dauern. Miete, Strom und Gas werden hingegen weiter vom Konto abgebucht. Ist das nicht gedeckt, kann es schnell zu Problemen kommen.

Hatten Arbeitnehmer vor Gericht Erfolg und erhalten ihr Gehalt zurück, wird die Tatsache, dass der Arbeitgeber zu spät gezahlt hat, kaum berücksichtigt. Die Verzugszinsen von fünf Prozentpunkten bei dem Basissatz sind bezogen auf Zahlungshöhe und den Verzugszeitraum meist eher gering. Mahngebühren und Rückbuchung können laut "DGB Rechtsschutz" nur erstattet werden, wenn diese konkret benannt werden können.

40 Euro für jede versäumte Zahlung

Damit der Schaden nicht allzu groß ist und der Arbeitgeber dazu angehalten wird, pünktlich zu zahlen, haben Arbeitnehmer zusätzlich die Möglichkeit, eine sogenannte Verzugszinsenpauschale einzufordern. Diese Gesetzesergänzung wurde 2014 eingeführt und ist seit 2016 für alle Arbeitnehmer gültig.

Laut Paragraf 288 des Bundesgesetzbuches (BGB) haben Betroffene bei Verzug des Schuldners "einen Anspruch auf Zahlung einer Pauschale in Höhe von 40 Euro". "Das Gesetz wirkt sofort am nächsten Tag. Wenn ich mein Geld heute nicht bekomme, kann ich für morgen schon eine Verzugszinsenpauschale geltend machen", erklärt der Jurist Thorsten Zierdt. Er ist Sekretär der Gewerkschaft für Nahrungs-Genuss-Gaststätten (NGG).

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So fordern Sie die Verzugszinsenpauschale ein

Geltend machen können Arbeitnehmer die Verzugszinsenpauschale einfach selbst durch ein formloses Schreiben, das genau auflistet, seit wann der Arbeitgeber den Lohn nicht mehr gezahlt hat. Berufen Sie sich dabei auf den Paragrafen 288 des BGB. Manche Gewerkschaften bieten hierzu auch einen Vordruck an.

Die 40 Euro Verzugszinsenpauschale wird für den Arbeitgeber bei jeder verspäteten Zahlung fällig. Hat der Arbeitgeber Schulden bei mehreren seiner Mitarbeiter kommt dabei eine nicht unerhebliche Summe zusammen – der Druck wächst dementsprechend.