Vertrag kündigen: So kommen Sie aus Verträgen raus!

31. Mai 2016 - 10:54 Uhr

Verträge zu kündigen ist schwerer, als sie abzuschließen

Verträge sind schnell unterschrieben – oft schneller als einem lieb ist. Und oft kommt man nur noch schwer wieder heraus. Jeder Kauf im Supermarkt oder beim Discounter ist zum Beispiel ein Vertrag, auch wenn nichts unterschrieben wird. Das Rückgaberecht dort ist reine Kulanz: Sie müssten eigentlich nichts zurück nehmen.

Vertrag kündigen: So kommen Sie aus Verträgen raus!

Anders sieht es im Reisebüro, beim Vermieter oder im Fitnessstudio aus: Wer aus einem Vertrag aussteigen will, braucht triftige Gründe. Grundsätzlich sollten Sie deshalb Verträge komplett durchlesen und in allen Punkten verstanden haben, bevor Sie unterschreiben. Scheuen Sie sich nicht, so lange nachzufragen, bis Ihnen wirklich alles klar ist. Im Zweifel sollten Sie einfach nicht unterschreiben!

Das Widerrufsrecht macht es möglich, dass Sie einen Vertrag innerhalb von 14 Tagen kündigen können! Prüfen Sie zunächst, ob Sie sich noch innerhalb der Frist befinden.

Ein wichtiger Grund für eine Kündigung eines Fitnessstudio-Vertrages kann eine ernsthafte, längerfristige Erkrankung sein. Das Studio darf zum Nachweis der Krankheit ein ärztliches Attest verlangen. Allerdings berechtigen Krankheiten und Beschwerden, die bereits beim Abschluss des Vertrages bekannt waren, nicht zur außerordentlichen Kündigung, es sei denn, sie hätten sich unvorhersehbar verschlimmert.

Bequem kündigen per App

Mietvertrag

Der Rücktritt vom Mietvertrag ist nicht möglich: Ohne finanziellen Schaden kommt der Mieter aus dem Vertrag nur wieder raus, wenn ihn der Vermieter lässt. Ist der Vermieter nicht dazu bereit, muss die Wohnung mit der gesetzlichen Frist gekündigt werden.

Handwerker

Wer Handwerker beschäftigt, sollte sich vorher genau überlegen, wie groß der Gesamtauftrag sein soll. Wird der Auftrag nur teilweise ausgeführt, kann der Handwerksbetrieb eine Entschädigung verlangen. Kann er das bestellte Material nicht auf einer anderen Baustelle verwenden, muss der Kunde zahlen. Für entgangene Vergütung kann der Handwerker laut Bürgerlichem Gesetzbuch fünf Prozent des noch ausstehenden Auftragswertes in Rechnung stellen.

Autokauf

Wenn Sie den bestellten Neuwagen nicht abnehmen, muss nicht der gesamte Preis an den Händler überwiesen werden. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Händler sehen meist Schadenersatz in Höhe von 15 Prozent vor.

Beim Gebrauchtwagen-Kauf ist das anders: Der Verkäufer muss seinen tatsächlichen Schaden belegen. Wollten Sie den Gebrauchten von Privat kaufen und Sie überlegen es sich vor dem Kauf anders, haben Sie in aller Regel nichts zu fürchten.

Hausarzt und Masseur

Wer zum Termin beim Hausarzt nicht erscheint, muss in der Regel nicht mit finanziellen Folgen rechnen. Das liegt aber an der Kulanz der Ärzte, die einen Patienten nur ungern verlieren. Meist kann der Termin auch mit akuten Fällen belegt werden. Anders kann es da schon bei Terminen für Massagen oder Physiotherapie aussehen. Diese Fachleute haben einen genauen Zeitplan. Verpassen Sie den Termin, entsteht ein ungewollter Leerlauf. Deshalb steht den Praxis-Betreibern Schadenersatz oder eine Ausfallgebühr zu. Davon machen aber viele Praxen wegen der Kundenbindung keinen Gebrauch.

Internetprovider- und Mobilfunkverträge

Einen großen Unterschied macht es, ob man den DSL- oder Mobilfunkvertrag im Laden vor Ort oder im Internet abschließt. Wer im Laden unterschreibt, muss den Vertrag einhalten, wer über das Internet bestellt, hat ein 14-tägiges Widerrufsrecht.

Reisebüro

Wenn Sie eine Reise buchen und sie danach wieder absagen, müssen Sie mit Stornogebühren rechnen. Dabei ist es völlig unwichtig, ob die Buchung im Reisebüro erfolgt ist oder im Internet. Der Reiseveranstalter darf jedoch nicht 100 Prozent des Reisepreises als Stornogebühr festlegen.

Restaurant

Wurde im Restaurant nur ein Tisch für zwei Personen bestellt, den der Wirt auch mit anderen Gästen besetzen kann, kommt kein Schadenersatz infrage. Aber bei größeren Veranstaltungen mit separaten Räumen, wie etwa Hochzeiten, wird üblicherweise eine Stornogebühr vereinbart.

Verträge, in denen Sie langfristige Verpflichtungen eingehen, sollten Sie grundsätzlich überschlafen. Nehmen Sie die Papiere mit nach Hause und besprechen Sie sie Vertrauten. Sprechen Sie beim Vertragspartner die Punkte an, mit denen Sie nicht einverstanden sind. So lange Sie nicht unterschrieben haben, können Sie einen Vertrag leicht zu Ihren Gunsten ändern. Nach Ihrer Unterschrift wird es schwer bis unmöglich.

Online kündigen mit App

Viele Verträge lassen sich online mit wenigen Klicks abschließen. Kündigen ist dann nicht mehr ganz so einfach, denn Anbieter legen dem Kunden gerne Steine in den Weg. Kündigungen müssen dann plötzlich schriftlich per Fax erfolgen und per Telefonanruf nach quälend langen Warteschleifen bestätigt werden. Im Video zeigen wir Ihnen, wie eine App den Kündigungsprozess deutlich vereinfachen möchte.