„Das sind echte Faustschläge gegen die toten Kinder“

Vater von ermordeter Christina entsetzt: Kommt Kindermörder Ronny Rieken vorzeitig frei?

Wegen Vergewaltigung und zweifachen Mordes an der 11-jährigen Christina und der 13-jährigen Ulrike im Raum Cloppenburg wurde Ronny Rieken 1998 zu lebenslanger Haft verurteilt.
Wegen Vergewaltigung und zweifachen Mordes an der 11-jährigen Christina und der 13-jährigen Ulrike im Raum Cloppenburg wurde Ronny Rieken 1998 zu lebenslanger Haft verurteilt.
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01. Februar 2021 - 13:13 Uhr

Strafvollstreckungskammer entscheidet

Wegen Vergewaltigung und zweifachen Mordes an der 11-jährigen Christina und der 13-jährigen Ulrike im Raum Cloppenburg wurde Ronny Rieken 1998 zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellte damals auch die besondere Schwere der Schuld fest. Jetzt muss die Strafvollstreckungskammer Lüneburg über seine vorzeitige Haftentlassung entscheiden.

Ronny Rieken wird 1998 mit einem der ersten DNA-Massentests als Seriensexualstraftäter und Mehrfachmörder überführt. 23 Jahre später könnte der heute 52-Jährige, der in der Haft den Namen seiner Frau angenommen hat, vorzeitig aus der Haft entlassen werden.

Im März 1998 wurde die 11-jährige Christina umgebracht

Manfred Nytsch im RTL-Interview
Manfred Nytsch (74) verlor 1998 seine 11-Jährige Tochter Christina. Ronny Rieken brachte sie um, nachdem er sie vorher brutal vergewaltigt hatte.
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Manfred Nytsch macht das wütend. Rieken brachte am 16. März 1998 seine erst elf Jahre alte Tochter Christina um, nachdem er sie vorher brutal vergewaltigt hatte. "Es ist für mich unvorstellbar, dass er angesichts der Dinge, die er den Kindern angetan hat, überhaupt in ein normales Leben zurückkehren dürfte", kommentiert er die Prüfung. "Das sind echte Faustschläge gegen die toten Kinder."

Psychisches Gutachten soll Gefährlichkeit prüfen

Bereits 2012 stellte die Strafvollstreckungskammer am Landgericht Lüneburg fest, dass Ronny Rieken sich nicht mit seinen Taten und "Persönlichkeitsdefiziten" auseinandergesetzt habe. Als frühestmöglicher Entlassungstermin terminierten die Richter damals das Frühjahr 2021. Deshalb wurde nun ein psychisches Gutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, ob Rieken noch gefährlich ist. Auf dessen Basis wollen die Richter nun entscheiden.

"Entscheidend wird dabei sein ob der Inhaftierte sich bei seiner Therapie im Vollzug offen mit seinen Taten auseinandergesetzt hat, dabei Einsicht gezeigt hat und für wie wirksam der Gutachter und die Therapeuten die Behandlung halten", erzählt Matthias Doehring aus Hannover, der sich als Strafverteidiger mit vorzeitigen Haftentlassungen auskennt.

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„Das hat nichts Menschliches mehr“

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Dass der Mörder seiner Tochter in 23 Jahren Haftstrafe sich mit seinen Taten auseinandergesetzt und seine Triebe hinterfragt hat, glaubt Manfred Nytsch angesichts der Brutalität des Mordes an seiner Tochter aber nicht. "Christina wurde damals in einem kleinen Waldstückchen gefunden, ihr Körper war voller Hämatome, sie hatte Messerstiche im gesamten Körper, Spermaspuren in Mund, Scheide und After. Brutaler geht es nicht! Das ist Sadismus pur! Das hat nichts Menschliches mehr."

Auflagen bei Haftentlassung möglich

Sollte Ronny Rieken vorzeitig aus der Haft entlassen werden, hält Strafverteidiger Matthias Doehring Auflagen für wahrscheinlich. "Es könnte zum Schutz der Bevölkerung eine Führungsaufsicht angeordnet werden. Er dürfte sich dann bestimmten Orten wie z.B. Kinderspielplätzen oder Schulen nicht nähern. Außerdem könnte eine Fußfessel angeordnet werden."

„Er ist ein guter Schauspieler“

Den Richtern der Strafvollstreckungskammer Lüneburg, die nun über Riekens vorzeitige Haftentlassung entscheiden müssen, rät Opfer-Vater Manfred Nytsch zur Vorsicht. "Er ist ein guter Schauspieler, das hat er schon vor dem Mord an meiner Tochter bewiesen, sonst wäre er damals schon hinter Gittern geblieben." Nytsch spielt auf eine Verurteilung von Ronny Rieken aus dem Jahr 1989 an. Damals wurde er wegen der Vergewaltigung seiner Schwester zu zehn Jahren Haft verurteilt. Doch wegen guter Führung kam er bereits nach drei Jahren wieder frei.

Manfred Nytsch sieht deshalb bis heute eine Mitschuld der damaligen Richter am Tod seiner Tochter. "Christina würde noch leben, wenn er damals nicht freigekommen wäre", meint Nytsch. Die gleiche Schuld würden seiner Meinung nach auch die Richter der Strafvollstreckungskammer tragen, wenn Rieken jetzt vorzeitig aus der Haft entlassen werden sollte. "Er wird wieder zuschlagen, und das wäre dann deren Schuld", meint Nytsch.

„Lebenslänglich bedeutet lebenslänglich“

Eine vorzeitige Haftentlassung kommt für Manfred Nytsch nicht in Frage. "Lebenslänglich bedeutet für mich in diesem brutalen Fall tatsächlich lebenslänglich. Dieser Verbrecher hat nachgewiesener Maßen zwei Kinder ermordet! Im Verhältnis zur Schwere der Taten sind das letztendlich noch immer ungesühnte Verbrechen aus meiner Sicht." Er und seine Frau hätten ja schließlich auch lebenslänglich, ergänzt Manfred Nytsch noch. "Unsere Tochter wäre jetzt 32, wir denken häufig darüber nach, was sie wohl heute machen würde, ob wir vielleicht schon Enkel hätten. Das alles hat dieser Mann uns genommen, er hat unser Leben zerstört."

Wann genau die Strafvollstreckungskammer eine Entscheidung tritt, konnte das Landgericht Lüneburg auf RTL-Anfrage noch nicht sagen.

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