Alte Gaskammer wird wieder in Betrieb genommen

Arizona will Häftlinge mit Nazi-Gas "Zyklon B" hinrichten

In dieser Gaskammer im US-Bundesstaat Arizona soll das Gas zum Einsatz kommen.
In dieser Gaskammer im US-Bundesstaat Arizona soll das Gas zum Einsatz kommen.
© dpa

01. Juni 2021 - 9:18 Uhr

Bundeststaat reaktiviert Gaskammer

Der US-Bundesstaat Arizona reaktiviert laut eines Berichts von "The Guardian" seine Gaskammer, um zum Tode verurteilte Häftlinge hinzurichten. Dafür wolle man ausgerechnet das von den Nationalsozialisten eingesetzte Gas "Zyklon B" nutzen.

US-Bundesstaat bestellt Gift-Zutaten

Für rund 2000 US-Dollar soll Arizona die Bestandteile des Gifts "Zyklon B" bestellt haben. Durch Zyklon B starben zwischen 1942 und 1945 Millionen Juden in den Konzentrationslagern der Nazis. Ausgerechnet dieses Gas soll nun eingesetzt werden, um verurteilte Häftlinge in Arizona hinzurichten. Dafür hat der Bundesstaat seine Gaskammer, die 1949 gebaut und zuletzt vor 22 Jahren genutzt wurde, wieder in Betrieb genommen.

In den vergangenen Monaten habe der republikanische Bundesstaat mit Entschiedenheit die Ausführungen der Todesstrafen überarbeitet. Die Bestellungen der Gift-Zutaten sind nur ein Teil der Überarbeitung.

Wieso sollen Verurteilte vergast werden?

Joseph Wood starb bei seiner Hinrichtung erst nach zweistündigem Todeskampf.
Joseph Wood starb bei seiner Hinrichtung erst nach zweistündigem Todeskampf.

Zuletzt hatte es Probleme mit der Giftspritze gegeben. 2014 sollte Joseph Wood hingerichtet werden, doch statt 10 Minuten Todeskampf, dauerte es 117 Minuten, bis der Verurteilte starb. Erst nach 15 Dosen des tödlichen Mittels starb Wood schließlich. Beobachter berichteten, dass er lange versuchte zu atmen und aufschnaubte.

Für die Hinrichtung mit Gas wird der Verurteilte in eine luftdichte Kammer gesetzt und auf einem Stuhl gefesselt. Nachdem alle anderen Menschen die Kammer verlassen haben,strömt das tödliche Gas ein und tötet den Menschen.

Zuletzt wurde in Arizona der deutsche Walter LaGrand mit Gas vor 22 Jahren hingerichtet. Verurteilt wurde er wegen bewaffnetem Raubüberfall. Sein Todeskampf soll 18 Minuten gedauert haben.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Vergasung als Hinrichtung in anderen Bundesstaaten verfassungswidrig

In einem Statement von 1994 erklärte eine Richterin US-Bezirksgericht in San Francisco den Tod durch Zyanid-Gas als "grausame und außergewöhnliche Bestrafung" und für verfassungswidrig. Menschen würden minutenlang leiden, bevor der Tod einsetze. Das hatte das Gericht auf Aussagen von Überlebenden des Holocausts in Auschwitz gestützt. Die Überlebenden hatten berichtet, dass Hingerichtete in den Gaskammern der Nazis minutenlang geschrieen hatten.

Nicht alle US-Bundesstaaten verurteilen zur Todesstrafe. In Arizona könnten Häftlinge künftig zwischen der Todesspritze und dem Tod durch Vergasung wählen. (lra)