28. Mai 2019 - 14:45 Uhr

von Valerie Dörner

Warum musste eine unschuldige Mutter von drei Kindern sterben? Unvermittelt brach die Frau aus Schönberg bei Kiel in der Silvesternacht direkt vor ihrer Haustür zusammen. Später erlag sie im Krankenhaus ihrer schweren Kopfverletzung. Die Obduktion ergab, dass die Frau nicht von Böllern, sondern von einem Projektil getötet wurde. Die Gerichtsmediziner fanden mehrere Metallsplitter in ihrem Körper, allerdings nur eine einzige Eintrittswunde - und nicht mehrere. Die Verletzungen könnten darauf hindeuten, dass sie von einem sogenannten Zerlegungsgeschoss getroffen wurde – einer Art von Munition, die auch von Jägern genutzt wird.

Munition wird von Jägern verwendet

Einige Projektile verformen sich beim Aufprall, andere bleiben gänzlich in Form und die sogenannten Zerlegungsgeschosse zerfallen beim Auftreffen auf das Ziel in mehrere Teile. Während der hintere Teil eines solchen Geschosses ganz bleibt, spalten sich vom vorderen einige Splitter ab und verteilen sich im Körper des Ziels.

"Bei der Jagd werden diese Geschosse benutzt, um größtmöglichen Schaden anzurichten. Es soll ein großer, zentraler Treffer erreicht werden. Man möchte ja, dass das getroffene Tier schnell und möglichst ohne Leid stirbt", erklärt Markus Stifter, Pressesprecher des Landesjagdverbandes Hessen, im Interview mit RTL.de. "30 bis 40 Prozent der in der Jagd verwendeten Munition sind Zerlegungsgeschosse."

Für jeden Jagdscheinbesitzer sei es laut Stifter völlig legal, an solche Munition zu kommen. Er könne sich allerdings nicht vorstellen, dass ein Jäger bewusst auf jemanden geschossen habe. Die Projektile werden schließlich auch in vielen anderen Bereichen eingesetzt: Beispielsweise bei der Polizei oder dem Militär. Sportschützen verwenden solche Projektile gar nicht.

Polizei hat noch keine heiße Spur

Die Polizei Kiel, die den Fall der getöteten Frau untersucht, wollte auf Nachfrage nicht bestätigen, dass es sich bei der Tatmunition um ein Zerlegungsgeschoss handelt. Auch auf ein Jagdgewehr als Tatwaffe lege man sich nicht fest. Es sei nämlich auch möglich, dass eine Waffe so umgebaut wurde, dass verschiedene Projektile abgefeuert werden können. Die Untersuchungen zum Fall laufen noch. Am Wochenende sei eine Vielzahl von Hinweisen eingegangen, sagte Sprecher Matthias Felsch. Diesen werde jetzt nachgegangen: "Momentan sind es noch ganz viele einzelne Puzzlestückchen."

Der Fall aus Schönberg ist nicht der erste dieser Art. In der Silvesternacht 2015/2016 starb die 11-jährige Janina in Unterschleichach in Unterfranken, weil ein Mann aus Frust über den Böllerlärm mit scharfer Munition um sich schoss.