Wie seriös sind Tierschutz-Organisationen?

Spenden für Tiere in Not: Wo Ihr Geld in guten Händen ist – und wo nicht

Wenn Tiere leiden, trifft das viele ins Herz. Aber kommen Spenden wirklich bei ihnen an?
Wenn Tiere leiden, trifft das viele ins Herz. Aber kommen Spenden wirklich bei ihnen an?
© iStockphoto, Manuel faba

07. Dezember 2021 - 17:26 Uhr

Finanztest-Prüfung: Was genau passiert mit den Spenden?

Das Wohl von Tieren liegt sehr vielen Menschen in Deutschland am Herzen. Gerade zur Weihnachtszeit sind deshalb viele bereit, einen Teil ihres eigenen Geldes an Tierschutzorganisationen zu spenden. Aus diesem Grund hat Finanztest jetzt mehreren davon genau auf den Zahn gefühlt – und festgestellt: Viele wollen sich nicht allzu genau in die Karten schauen lassen und erklären, was mit dem Geld passiert. Bei anderen kommt zu wenig von den Spenden tatsächlich bei den Tieren an.

Diese Organisationen gaben keine Auskunft

Die Untersuchung führte Finanztest gemeinsam mit dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) durch. Angefragt wurden 38 Tierschutzorganisationen. Acht meldeten sich gar nicht erst zurück – etwa der "Deutsche Tierhilfe Verband", "Charity für Tiere" oder "Retriever in Not". Sieben weitere sagten einen Test ab, teilweise ohne Begründung – wie "Peta Deutschland" oder "Einfach Tierschutz".

Wichtige Kriterien für seriöse Tierschutzorganisationen

Die übrigen 23 Organisationen stellten sich der Prüfung. Finanztest wollte zum einen wissen, wie wirtschaftlich mit den Spendengeldern umgegangen wird. Die Messlatte hierfür ist die Verwaltungs- und Werbekostenquote des DZI – demnach müssen mindestens 70 Cent von jedem gespendeten Euro dem Spendenzweck zugutekommen. Der Rest, also 30 Prozent, darf in notwendige Ausgaben wie Mitarbeitergehälter oder Marketing fließen.

Zum anderen untersuchte das Magazin, wie transparent darüber Auskunft gegeben wird, was mit dem Geld passiert – eine "moralische Pflicht" gegenüber Spenderinnen und Spendern, wie Finanztest betont. Dazu gehören etwa Tätigkeitsberichte auf der jeweiligen Website, Informationen über die steuerliche Abzugsfähigkeit von Spenden und über die Struktur der Organisation.

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Zwei Organisationen können sowohl eine hohe Transparenz als auch einen sehr wirtschaftlichen Umgang mit Spenden vorweisen: "Tierärzte ohne Grenzen" (3 % Verwaltungs- und Werbekostenquote) und "bmt Bund gegen Missbrauch der Tiere" (8 %). Hier fließt also der größte Teil der Spenden in die tatsächlichen Hilfsprojekte und man bekommt ausführliche Infos darüber, was genau mit ihnen geschieht.

Mit acht Prozent Ausgaben für Verwaltung und Werbekosten arbeitet das "Deutsche Tierschutzbüro" ebenfalls sehr wirtschaftlich, seine Transparenz fand Finanztest allerdings nur "mittel", so wie bei zwölf weiteren Organisationen. "Provieh" wiederum kann eine hohe Transparenz vorweisen, hier beträgt die Verwaltungs- und Werbekostenquote allerdings 32 Prozent – also etwas zu viel, um nach DZI-Kriterien als wirtschaftlich zu gelten.

Bei diesen Tierschutzorganisationen gibt es Kritik

Die Transparenz des "Allgemeine Tierhilfsdiensts" ist nur unzureichend, außerdem gehen von jedem gespendeten Euro nur 47 Cent an die Tiere. Ebenso niedrig ist der Betrag beim "IFAW Internationaler Tierschutzfonds".

Der Bund Deutscher Tierfreunde gab trotz Nachfrage keine detaillierten Daten ab. Er unterliegt in Rheinland-Pfalz einem Sammlungsverbot, was laut Finanztest "ein starkes Indiz für nicht zweckgerechte Mittelverwendung" ist.

Die detaillierte Tabelle mit allen 23 getesteten Tierschutzorganisationen finden Sie auf test.de. (rka)