Team Wallraff undercover in der Sicherheitsbranche: Hoher Druck im Flüchtlingsheim Hamburg

14. Oktober 2014 - 13:54 Uhr

Team Wallraff: Schikane im Flüchtlingsheim Hamburg

Private Sicherheitsdienste sind täglich Stress, Druck und Anfeindungen ausgesetzt und dazu auch noch unterbezahlt. Das Team Wallraff hat zwei Reporter in solche Sicherheitsdienste eingeschleust und dort hinter die Kulissen geschaut. Das hohe Frustrationslevel bei den Mitarbeitern lässt hier teils äußerst fragwürdige Arbeitsmethoden entstehen. Besonders schlimm ist es unter anderem in einem Flüchtlingsheim in Hamburg.

Team Wallraff undercover im Sicherheitsdienst: Security-Mitarbeiter sind Opfer und Täter zugleich
Team Wallraff deckt Schikane im Flüchtlingsheim Hamburg auf

RTL-Reporter Torsten Misler arbeitet undercover im Waschraum des Flüchtlingsheims in Hamburg als Wachmann. Er verdient wenig, hat dafür aber umso mehr ausländerfeindliche Kollegen. Politisch Verfolgten oder Kriegsflüchtlingen begegnen viele Wachleute mit Vorurteilen und Abscheu. Sie glauben, Asylsuchende seien Sozialschmarotzer und müssten dementsprechend schikaniert werden. Ein Mitarbeiter im Waschraum will die Kleidung der Flüchtlinge nicht einmal anfassen: "Das können die schön selber machen (...). Das sollte man sowieso eigentlich nur mit Atemschutz oder so machen. (...) Wer weiß, was die alles drin haben in ihren Klamotten". Eine Asylsuchende wird trotz eines Termins im Waschmaschinenraum minutenlang von einem Security-Mitarbeiter ignoriert. Als sie nachfragt, fährt der Mitarbeiter ihr sofort über den Mund.

Doch die Täter sind gleichzeitig Opfer: Manchen Securitymitarbeiter bekommen für eine 40-Stunden-Woche nur etwa 1.000 Euro netto - davon können sie nicht leben. Informantin Yvonne M. berichtet im Interview mit Günter Wallraff, die schlechte Bezahlung und das Leben am Existenzminimum seien ein branchenübergreifendes Problem. Der Einzelne habe kein geregeltes Familienleben mehr zu haben, viele sehen ihre Kinder nicht aufwachsen und bekommen gesundheitliche Probleme.

Leben am Existenzminimum - doch wer aufmuckt, wird entlassen. Reporter Torsten Misler hat bei seinem Undercover-Einsatz von einer Abschussliste mit Namen von Mitarbeitern erfahren, die die Chefs angefertigt haben. Der Reporter ist erschrocken über den großen Frust, der dort herrscht. Viele Mitarbeiter haben Angst vor ihren Chefs - und mit dieser Angst wird bewusst gespielt.

Team Wallraff: Mitarbeiter sind Willkür ausgesetzt

In der Sicherheitsbranche ist es üblich, dass die Mitarbeiter kein festes Monatsgehalt bekommen, sondern nach den geleisteten Stunden bezahlt werden. Mit dieser Möglichkeit der Willkür haben die Chefs ihre Mitarbeiter in der Hand: Wer sich gegen sie auflehnt, muss mit einer Kürzung der Arbeitsstunden rechnen, erzählt Torsten Misler im RTL-Interview. Die Mitarbeiter stehen unter einem hohen Druck und sind wegen der Existenzangst frustriert.

Über Monate hinweg haben sich Günter Wallraff und seine Reporter in die Securitybranche eingeschleust. Sie wurden für den teils gefährlichen Job mies behandelt und bezahlt und zudem gemerkt, wie ihr eigenes Verhalten immer härter wurde. Es zeigt sich ganz deutlich: Securitymitarbeiter ist wirklich kein Traumjob.