Team Wallraff: Jobcenter-Reportage schlägt Wellen bis in den Bundestag

17. Juni 2015 - 11:13 Uhr

Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales soll sich mit Jobcenter-Problemen befassen

Seit Ausstrahlung der Jobcenter-Reportage haben mehr als tausend Zuschriften die Redaktion von Team Wallraff erreicht. Die meisten Reaktionen bestätigen die Recherchen der Undercover-Reporter: In den Jobcentern muss sich dringend etwas ändern, damit Betroffene und Mitarbeiter wieder menschlich miteinander umgehen.

Das Team Wallraff und RTL haben mit dem Lagebericht Jobcenter eine Lawine losgetreten. Die verdeckten Recherchen haben gezeigt, wie es in Jobcentern teilweise zugeht. Es haben sich auch Betroffene wie Andrea Höhn gemeldet, deren Erfahrungen nachdenklich machen. Die alleinerziehende Mutter ist arbeitslos. Ende März hat sie den nächsten Jobcenter-Termin, bei einem neuen Sachbearbeiter – es ist der 17. in fünf Jahren.

Die Wege zum Amt sind für die Mutter unvermeidbar. Auch dass Sohn Dean hautnah miterleben muss, wie seine Mama hier behandelt wird. Das Chaos, die schroffen Worte - den Jungen belastet das. Anträge fürs Amt schickt Frau Höhn nicht mehr mit der Post. Denn schon mehrfach gingen Unterlagen verloren und ihr Mietzuschuss wurde dann nicht mehr überwiesen. "Wenn ich nicht so eine verständnisvolle Vermieterin hätte, hätte ich mit meinem Kind auf der Straße gesessen. Die Bearbeiter sagen nur, sie könnten da auch nix machen", sagt sie.

Die Reportage des Teams Wallraff schlägt hohe Wellen. In Berlin befasst sich deshalb der Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales mit den aufgedeckten Problemen. Die Opposition fordert Aufklärung in Sachen Jobcenter. "Wir wollen von der Bundesregierung, dass sie sich zur Sendung erklärt und auch erklärt, was sie nun ändern möchte", sagt Brigitte Pothmer von der Partei 'Bündnis 90/Die Grünen'. Sabine Zimmermann von der Partei 'Die Linke' wird etwas direkter: "Jobcenter sind nur noch Arbeitslosenverwahranstalten."

Doch Andreas Höhn möchte - wie so viele Arbeitslose - nicht nur verwaltet werden. Die Mutter wünscht sich sehnlichst eine Arbeit und eigenes Einkommen. Um für sich und ihren Sohn mit Würde selber sorgen zu können.