Spekulationen über Tod von Abdul Ghani Baradar

Taliban-Führer wieder aufgetaucht: "Ich bin nicht tot"

Tagelang war Abdul Ghani Baradar von der Bildfläche verschwunden.
Tagelang war Abdul Ghani Baradar von der Bildfläche verschwunden.
© VIA REUTERS TV, RTA KANDAHAR VIA TALIBAN, /DH

16. September 2021 - 22:24 Uhr

Taliban-Anführer Baradar von Bildfläche verschwunden

Tagelang war Abdul Ghani Baradar von der Bildfläche verschwunden, obwohl er zuvor zum Vizechef der militanten Islamisten gewählt wurde. Das sorgte für wilde Gerüchte. Doch nun meldet sich der Taliban-Anführer in einem Interview zu Wort. "Ich bin nicht tot", sagte Baradar.

Spekulationen über Machtkämpfe

Baradar hat am Mittwochabend Berichte über seinen eigenen Tod oder eine schwere Verletzung dementiert. "Gott sei Dank geht es mir gut und ich bin gesund", sagte der Islamist in einem Interview mit dem afghanischen Staatssender RTA, das am Mittwochabend auch auf Twitter veröffentlicht wurde.

Spekulationen über Machtkämpfe innerhalb der Riege der neuen Machthaber in Kabul wies er ebenfalls zurück.

Medien berichteten über Ermordung Baradars

Medien hatten vergangene Woche spekuliert, dass Baradar, der in der neuen Taliban-Regierung auch stellvertretender Regierungschef ist, bei einem internen Streit von Taliban-Hardlinern getötet worden sei. Die Information verbreitete sich schnell über die sozialen Medien.

Die Gerüchte wurden dadurch befeuert, dass Baradar mehrere Tage nicht öffentlich zu sehen war. Der Taliban-Anführer gilt unter westlichen Beobachtern als eher gemäßigt.

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Angeblich keine internen Machtkämpfe bei den Taliban

Baradar sagte weiter, er sei außerhalb Kabuls auf einer Reise gewesen und habe deswegen keinen Zugang zu Medien gehabt. Er wolle nun alle Taliban in hohen und niedrigen Positionen darüber informieren, dass es keinen Grund zu Sorgen gebe. "Wir sind eng wie eine Familie", so Baradar.

Zu angeblichen Machtkämpfen innerhalb der Taliban-Ränge sagte er, man habe über Jahre Leid und Schwierigkeiten ertragen, um die US-Besatzung zu beenden. All dies sei nicht für Macht oder Positionen gewesen.

Einen großen Teil seiner Antworten las Mullah Baradar jedoch von einem Blatt ab. Das wirft nach Einschätzung der "BBC" weitere Fragen auf. Außerdem blickt er beim Interview kaum in die Kamera.