Tag der gewaltfreien Erziehung

Viel Liebe, keine Gewalt - und Ihrem Kind geht es gut!

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30. April 2019 - 17:07 Uhr

Expertin über gewaltfreie Erziehung: Das sollten Sie nie tun!

Ein Klaps auf den Po oder eine leichte Ohrfeige schadet dem Kind schon nicht?! Das war früher bittere Realität. Schläge in der Erziehung wurden lange Zeit in der Gesellschaft toleriert. Doch damit ist seit dem Jahr 2000 Schluss - es ist gesetzlich verboten. Der "Tag der gewaltfreien Erziehung" soll daran erinnern. Doch welche Maßnahmen sind in der Kindererziehung richtig? Wir haben mit der Systematischen Familienberaterin Ruth Marquardt gesprochen.

Verbot steht im Gesetzbuch

Kinder brauchen Liebe, Zuneigung und Wärme. Doch manchmal können sie ihre Eltern in den Wahnsinn treiben. Eine Tracht Prügel ist dann die schlimmste Lösung: "Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig", heißt es seit 2000 im Bürgerlichen Gesetzbuch. Der Deutsche Kinderschutzbund ruft seit 2004 zum "Tag der gewaltfreien Erziehung" auf. Der Tag soll Eltern stärken, ihr Ideal einer Erziehung ohne Handgreiflichkeiten Wirklichkeit werden zu lassen. Doch wo fängt eine gewalttätige Erziehung an und was löst es in dem Kind aus?

Was löst eine gewalttätige Erziehung bei einem Kind aus?

Laut Familienberaterin Marquardt beginnt die gewalttätige Erziehung nicht nur bei einer körperlichen Bestrafung, sondern bereits dann, wenn die Seele des Kindes verletzt wird: "Ein Kind kann auch mit verletzenden, abwertenden Worten 'geschlagen' werden. Sie entwickeln dadurch ein Gefühl von Minderwertigkeit, fühlen sich nicht gewertschätzt und geliebt."

Ignoranz gehört ihrer Meinung nach zu einer der schlimmsten Formen einer Bestrafung: "Damit ein Kind sich geliebt fühlen kann, braucht es das Gefühl der Zugehörigkeit. Bekommt es gar keine Zuwendung und wird Ignoranz als Strafe eingesetzt, hat das schlimme Folgen für die Entwicklung des Kindes", so Marquardt.

Wie effektiv sind Erziehungsmaßnahmen wie Hausarrest oder Handyverbot?

Wenn das Kind dann aber doch etwas falsch macht, greifen viele Eltern zu Maßnahmen wie Hausarrest oder Handyverbot. Davon rät Marquardt allerdings ab: "Ich halte von solchen Bestrafungen überhaupt nichts. Hausarrest zeigt oftmals nur die Hilflosigkeit der Eltern, indem sie alte Verhaltensmuster aus ihrer Kindheit wieder spiegeln. Und auch das Handyverbot führt wiederum nur zu einer sozialen Isolierung des Kindes. Stattdessen sollten Eltern mit ihren Kindern sprechen und erklären, was sie falsch gemacht haben, damit das Kind das Gefühl hat, den Fehler selbst einzuschätzen und nicht zu wiederholen." Ganz nach dem Motto: Aus Fehlern lernt man.

Aber sollte man die Kinder nun gar nicht bestrafen? Hier ist es laut Marquardt wichtig, zwischen Bestrafung und Grenzen ziehen zu unterscheiden: "Bestrafen bedeutet auch Macht ausüben und das Kind kleinzumachen. Stattdessen sollten klare Grenzen definiert werden."

Sehen Sie im Video: So bekommen Sie ein Trotzkind in den Griff

Was mache ich, wenn mir die Hand doch mal ausrutscht?

Das Kind schreit pausenlos, man selbst ist unter Strom und dann passiert es: Die Hand rutscht aus. Für Eltern und Kind ist das erstmal ein Schock und das Vertrauen ist in diesem Moment gestört. Wichtig ist es dann, sich bei dem Kind zu entschuldigen und darauf zu achten, dass das nicht nochmal passiert.

Eltern, die mit der Erziehung überfordert sind, empfiehlt Marquardt, sich Wissen über Erziehungsmaßnahmen anzueignen, Kurse zu besuchen oder eine Familienberatung aufzusuchen.