Vor allem aus Dankbarkeit

Systemrelevante Berufsgruppen bekommen während der Corona-Krise einige Vergünstigungen

29. April 2020 - 18:04 Uhr

Ohne ihre Arbeit wäre das System bedroht

Zahlreiche Menschen können auch während der Corona-Krise nicht von zu Hause arbeiten. Sie gehören meist den sogenannten systemrelevanten Berufsgruppen an. Egal ob Kassiererinnen im Supermarkt, Lkw-Fahrer oder Pflegepersonal: Ohne sie wären beispielweise das Gesundheitswesen, die Lieferketten oder die Lebensmittelversorgung bedroht. Um ihnen für ihren Einsatz in Zeiten Corona zu danken, aber sie gleichzeitig auch zu schützen, bekommen die systemrelevanten Berufsgruppen nun von einigen Unternehmen und der Regierung Vergünstigungen in Form von Gutscheinen, Rabatten oder sogar Geschenken. In München darf medizinisches Personal sogar gerade umsonst mit dem Taxi zur Arbeit fahren. Warum die Taxifahrer das freiwillig in ihrer Freizeit machen und wieso sich Krankenhausmitarbeiter durch das Angebot sicherer fühlen, erfahren Sie im Video.

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Kleine Geschenke als Zeichen der Dankbarkeit

Die Aktionen für systemrelevanten Berufe reichen vom kleinen Dankeschön bis hin zur großen Entlastung im Corona-Alltag. Bei Shell-Tankstellen gibt es für die meisten mit systemrelevantem Job einen Gratis-Kaffee. Mobilfunkanbieter Vodafone spendiert gerade seinen systemrelevanten Kunden 100 Gigabyte zusätzliches Datenvolumen. Beide Unternehmen wollen sich mit diesen Geschenken bei Menschen bedanken, die das System gerade aufrechterhalten. Zu beachten ist aber auch, dass Unternehmen solche Aktionen auch zu Image- und Werbezwecken nutzen.

Kostenlose Mietwagen für den Arbeitsweg

Deutschlandweit können systemrelevante Berufsgruppen sich gerade für einen Monat umsonst ein Auto mieten, um zur Arbeit zu kommen
Deutschlandweit können systemrelevante Berufsgruppen sich gerade für einen Monat umsonst ein Auto mieten, um zur Arbeit zu kommen
© iStockphoto

Einige Vergünstigungen sollen aber nicht nur ein Zeichen der Dankbarkeit sein. Teilweise sollen sie sogar gewährleisten, dass die systemrelevanten Berufsgruppen überhaupt ihrer Arbeit nachgehen können. Der Fahrplan von öffentlichen Verkehrsmitteln ist derzeit nämlich ausgedünnt vor allem zu Randzeiten. Personal von Kliniken, Pflegestationen und Corona-Testlaboren dürfen deswegen seit vergangenem Montag einen Monat lang kostenlos einen Mietwagen buchen, um zur Arbeit zu kommen.

Verkehrsminister Andreas Scheuer will mit dieser Maßnahme gleichzeitig die Wirtschaft ankurbeln. Mietwagenverleiher machen in der Corona-Krise kaum Geschäft: "Damit nutzen und unterstützen wir die Mietwagenunternehmen, die derzeit einen massiven Einbruch erleben. Sie können nun günstige Angebote machen. Eine echte Win-Win-Situation für medizinisches Personal und Wirtschaft."

Der Bundesverband Deutscher Autovermieter sieht hierin auch einen gesundheitlichen Schutz: Mit den kostenlosen Mietwagen könne das medizinische Personal auch ohne Ansteckungsgefahr zur Arbeit kommen.

Auch für andere Systemrelevante gibt es vergünstigte Angebote bei Mietwagen. So hat das Vergleichsportal check24 nach eigenen Angaben mit zahlreichen Anbietern Sonderkonditionen verhandelt, damit systemrelevante Berufsgruppen auf dem Weg zur Arbeit öffentliche Verkehrsmittel meiden können.

Bessere Bezahlung statt Rabatte

Die Vergünstigungen zeigen, dass das Bewusstsein für die Wichtigkeit der systemrelevanten Berufe in der Corona-Krise steigt. Jedoch gibt es auch Diskussionen darüber, ob solche Maßnahmen als Wertschätzung und Anerkennung ausreichend sind. Das liegt vor allem daran, dass die meisten systemrelevanten Berufe nur mäßig bezahlt werden.

In der Politik wird deswegen auch schon seit Wochen unter anderem über Corona-Prämien für Pflegepersonal diskutiert. Auch Steuererleichterungen für systemrelevante Berufsgruppen sind im Gespräch. Ob diese Maßnahmen wirklich kommen und wie sie finanziert werden sollen, ist allerdings noch nicht klar.

Im Video-Player: Alles, was Sie jetzt über Corona wissen müssen

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