Vor den Augen der Kleinen

Süchtige konsumieren Drogen direkt vor Hamburger Kita

Warnschild vor Hamburger-Kita "Regenbogenkinder"
Warnschild vor Hamburger-Kita "Regenbogenkinder"
© RTL Nord

23. Juni 2021 - 15:41 Uhr

Gebrauchte Spritzen und Süchtige auf dem Weg zur Kita

Drogenabhängige spritzen sich Heroin, rauchen Crack oder liegen völlig apathisch auf dem Kirchenvorplatz – seit einiger Zeit gehören solche Szenen zur Realität rund um den S-Bahnhof Holstenstraße in Hamburg-Altona. Ein Bild, das nicht nur Anwohner bedrückt, sondern auch die Eltern, die ihre Kinder täglich in die nahegelegene Kita Regenbogenkinder bringen. Ein Problem, das schon länger bekannt ist und das sich während der Coronapandemie verschlimmerte. Die Eltern haben Angst um ihre Kinder.

Mutter: "Menschen liegen zugedröhnt auf dem Boden"

Viele Abhängige sind in der Coronapandemie von der Innenstadt zum Holstenplatz gezogen. Hier treffen sie sich, um Drogen zu konsumieren. Mittlerweile halten sich täglich rund 60 Drogenabhängige im Stadtteil auf. "Die Menschen liegen zum Teil zugedröhnt auf dem Boden oder schreien um Hilfe", erzählt Lucia, Mutter einer 6-jährigen Tochter, im RTL Nord-Interview. Es sei schwierig einen Umgang mit der Situation zu finden. "Es gab schon sehr schwierige Situationen, in denen meine Tochter gar nicht verstanden hat, dass da jemand panisch um Hilfe ruft und ich nicht geholfen habe, weil ich das nicht konnte."

Anwohner: Süchtige werden "aggressiv und greifen uns an“

Auch die Anwohner sind verzweifelt: "Die Süchtigen rauchen Crack mitten auf den Straßen, koten überall hin, belästigen die Anwohner oder brechen sogar in die Läden ein," erzählt Ugur Düzagac, Bäckerei-Besitzer in Altona. Seit 20 Jahren führt der Hamburger seinen Laden und beobachtet die Entwicklungen mit Sorge. Die Stimmung werde zunehmend aggressiver, auch Übergriffe auf die Anwohner häufen sich.

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Pastor: Die Süchtigen zu verdrängen, ist keine Lösung

Die Zahl der Süchtigen und Wohnungslosen sei in der Coronapandemie gestiegen, sagt auch der Pastor, der nahegelegenen Christuskirche in Altona, Carsten Hokema. Die süchtigen Menschen zu verdrängen, könne aber nicht die Lösung sein – dann verlagere man das Problem nur in einen anderen Stadtteil. "Wir wünschen uns eine Sensibilisierung der Nachbarinnen und Nachbarn für die Situation von Wohnungslosen und drogenkonsumierenden Menschen. Einfach dass wir auch mal wahrnehmen, dass sind ja auch einfach nur Menschen. Das waren ja auch mal Kinder."

Anwohner sehen Stadt in Verantwortung

Die Polizei Hamburg weiß über die Zustände Bescheid, rückt mehrmals am Tag an, doch das scheint die Junkies nicht abzuschrecken. Sie kehren immer wieder zurück. Die Anwohner in Altona fordern ein härteres Durchgreifen der Stadt und haben eine Petition beim Bezirksamt eingereicht. Das Amt weist auf Beratungsstellen hin, die bereits 2016 und 2020 eröffnet wurden. Zudem seien Straßensozialarbeiter im Stadtteil unterwegs. Im August wollen verschiedenen Fraktionen Antworten auf die Wünsche und Sorgen der Anwohner geben. (srö)