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Suche nach Vermissten im Amazonas: Verdächtiger gesteht Mord - "menschliche Überreste" entdeckt

Dom Phillips und Bruno Pereira offenbar tot

Suche nach Vermissten im Amazonas: Verdächtiger gesteht Mord - "menschliche Überreste" entdeckt

Dom Phillips und des ebenfalls verschollenen Indigenen-Experten Bruno Pereira
Experten der Bundespolizei erreichen mit Leichensäcken ausgestattet den Ort, an dem mutmaßlich die "sterblichen Überreste" der beiden im Amazonas verschollenen Männer Dom Phillips und Bruno Pereira gefunden worden sein sollen.
RM, REUTERS, BRUNO KELLY

Elf Tage waren ein britischer Journalist und ein Indigenen-Experte im Amazonasgebiet verschollen – nun wurden offenbar ihre Leichen gefunden. Zwei Brüder sitzen in Haft, einer hat offenbar gestanden, an dem Mord beteiligt gewesen zu sein. Er habe die Ermittler zu „menschlichen Überresten“ geführt.

Amarildo C. soll den Mord gestanden haben

Demonstranten halten Banner mit Fotos der beiden Vermissten  Dom Phillips und Bruno Pereira.
Demonstranten halten Banner mit Fotos der beiden Vermissten Dom Phillips und Bruno Pereira.
RM, REUTERS, STRINGER

Die Hinweise auf ein Verbrechen im Fall des im brasilianischen Amazonasgebiet vermissten britischen Journalisten Dom Phillips und des ebenfalls verschollenen Indigenen-Experten Bruno Pereira verdichten sich. Einer der festgenommenen Verdächtigen hat gestanden, die beiden Männer erschossen zu haben, wie die Bundespolizei bei einer Pressekonferenz in der Amazonasmetropole Manaus mitteilte. Amarildo O. (41), der von den Leuten im Ort nur "Pelado" (der Nackte) genannt wird, habe die Polizei zu „menschlichen Überresten“ geführt, die er im Wald vergraben habe. Diese sollten untersucht werden. Das Boot habe der Tatverdächtige demnach versenkt, es sei noch verschwunden. "Sie haben Säcke mit Erde auf das Boot gelegt, damit es sinkt", sagte der Ermittler Guilherme Torres. Der Motor des Bootes wurde nach Angaben der Ermittler entfernt.

"Wir haben die Leichen drei Kilometer tief im Wald gefunden", sagte Eduardo Alexandre Torres, Ermittler der Bundespolizei. Die Rettungsteams seien etwa eine Stunde und vierzig Minuten auf dem Fluss und weitere 25 Kilometer im Wald unterwegs gewesen, um die Stelle zu finden. "Von nun an treten wir in die nächste Phase ein: die Phase der Identifizierung dieser Leichen, die wir in Würde bergen und versuchen werden, Spuren zu bewahren. Das ist sehr wichtig“, sagte Torres. „Die menschlichen Überreste werden morgen an unser Nationales Institut für Kriminalistik geschickt."

Dom Phillips' Ehefrau: "Jetzt können wir sie nach Hause bringen"

Der Tatverdächtige Oseney O. bei seiner Festnahme am Dienstag. Er ist der Bruder des Hauptverdächtigen Amarildo O. und bestreitet, etwas mit dem Tod von Dom Phillips und Bruno Pereira zu tun zu haben.
Der Tatverdächtige Oseney O. bei seiner Festnahme am Dienstag. Er ist der Bruder des Hauptverdächtigen Amarildo O. und bestreitet, etwas mit dem Tod von Dom Phillips und Bruno Pereira zu tun zu haben.
RM, REUTERS, BRUNO KELLY

Am Dienstag wurde ein zweiter Verdächtiger festgenommen. Bei dem Mann soll es sich um Oseney O. handeln, einen Fischer und den Bruder von Pelado. Er habe trotz belastender Beweise jede Beteiligung an einem Mord abgestritten, so Kommissar Eduardo Fontes. O. behauptet unterdessen, sein Bruder sei unschuldig und im Gefängnis gefoltert worden, um ein Geständnis zu erzwingen.

Indigene, die mit Pereira und Phillips zusammen waren, sagten, Pelado habe am Tag vor dem Verschwinden der beiden Männer ein Gewehr auf sie gerichtet. Nach Angaben der Polizei habe man in Pelados Boot Blutspuren gefunden. Im Fluss hätten die Ermittler zudem organisches Material sichergestellt, das offensichtlich menschlichen Ursprungs sei und derzeit analysiert werde. Die Polizei untersucht zudem die Beteiligung einer dritten Person, weitere Festnahmen seien möglich, so Fontes. Der britische „Guardian“ hatte zuvor berichtet, dass die Familie darüber informiert worden sei, dass zwei an Bäume gebundene Leichen im Amazonas-Regenwald entdeckt worden seien.

Nach der Nachricht von der Entdeckung der Leichen sagte Phillips' Ehefrau Alessandra Sampaio laut „APTN“ in einer Erklärung, dass der Fund "der Qual ein Ende setzt, nicht zu wissen, wo Dom und Bruno sich aufhalten“. Und weiter: "Jetzt können wir sie nach Hause bringen und uns mit Liebe verabschieden. Heute beginnen wir auch unsere Suche nach Gerechtigkeit."

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Hinterhalt von Drogenhändlern oder illegalen Fischern?

Der Fundort lag der Polizei zufolge gut drei Kilometer von dort entfernt, wo am Sonntag persönliche Gegenstände von Phillips und Pereira gefunden worden waren. Darunter eine Krankenversicherungskarte, ein Rucksack und ein Laptop. Das Motiv für das mutmaßliche Verbrechen war zunächst noch unklar.

Die beiden Männer waren nach Angaben einer regionalen Ureinwohner-Organisation nicht wie geplant am 5. Juni mit dem Boot in der Stadt Atalaia do Norte angekommen. Zuvor hatte Pereira, der unter anderem für den „Guardian“ und die „Washington Post“ gearbeitete hat, der Polizei gemeldet, mehrmals von Fischern bedroht worden zu sein. Er hatte illegale Machenschaften im Vale do Javari für die Behörden aufgezeichnet.

Regionale Medien spekulierten, Phillips und Pereira könnten Opfer eines Hinterhalts im Auftrag von Drogenhändlern geworden sein. Ein weiterer Ermittlungsstrang nimmt illegale Fischzucht und Jagd in den Blick. Den Behörden zufolge, fokussiere sich die polizeiliche Untersuchung derzeit vor allem auf ein internationales Netzwerk, das arme Fischer dafür bezahlt, illegal im Reservat des Javari-Tals zu fischen. "Das Motiv des Verbrechens ist eine persönliche Fehde um die Fischereikontrolle", vermutete der Bürgermeister von Atalaia do Norte, Denis Paiva, im Gespräch mit Reportern, ohne nähere Angaben zu machen. Torres hielt sich bei der Pressekonferenz hingegen bedeckt. Er könne nicht über Einzelheiten der Ermittlungen sprechen. "Wir arbeiten mit mehreren Ermittlungssträngen.“

Das Javari-Tal ist mit einer Fläche, die etwas größer als Österreich ist, eines der größten indigenen Gebiete Brasiliens. Viele Indigene leben dort isoliert. Das Grenzgebiet zu Peru und Kolumbien ist durch illegale Goldsuche, Abholzung, Jagd und illegalen Fischfang sowie Drogenschmuggel zudem besonders konfliktreich und gefährlich.