Neue Studie aus Australien

Was es beim Hund auslöst, wenn Herrchen "fremdstreichelt"

Sind Hunde eifersüchtig, wenn Herrchen einen anderen Hund streichelt?
Sind Hunde eifersüchtig, wenn Herrchen einen anderen Hund streichelt?
© Ondrej Hrciak

30. April 2021 - 15:43 Uhr

Eifersucht im Hundepark

Die meisten Hundebesitzer werden es vermutlich kennen. Da streichelt man kurz einen fremden Hund und der eigene Liebling schaut einen total schräg an – scheint beleidigt oder sogar eifersüchtig. Aber kann das sein? Genau dieser Frage haben sich Wissenschaftler aus Australien in einer Studie gewidmet. In verschiedenen Situationen stellten sie 18 Hunde dafür auf die Probe, wie das Fachmagazin "Psychological Science" berichtet.

Mentaler Stress schon vor dem Streicheln

Allein die Vorstellung, dass ihr Lieblingsmensch einen Rivalen streichelt, löste bei den Tieren eifersüchtiges Verhalten aus. In einer Variante wurde ein täuschend echt aussehender unechter Hund gestreichelt, in einer anderen ein flauschiges, zylinderförmiges Kissen, das als Kontrollinstanz diente. Der unechte Hund blieb aber bei allen Testsituationen im Raum, um auszuschließen, dass die pure Anwesenheit des Konkurrenten, das Verhalten des Hundes beeinflusst. Sowohl mit Zylinder als auch mit dem Hundemodell, hatte der Hund erst volle Sicht auf das Geschehen – danach wurde ihm aber mit einer Blockade die Sicht auf den Rivalen blockiert. Selbst als der getestete Hund das Streicheln des Fake-Hundes nicht mehr sehen konnte, wurde er auf den unechten Hund eifersüchtig.

Interaktion löst Eifersucht aus

Ob Bellen, Winseln oder Ziehen an der Leine: Bei den Vierbeinern wurden viele Reaktionen beobachtet. Die Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass Hunde eine der wenigen Spezies sind, deren Reaktionen mit denen von Kindern vergleichbar sind – nämlich dann, wenn ihre Mütter anderen Kindern Zuneigung zeigen.

Bei dem Versuch mit dem Kissen, waren die Schützlinge weniger stark am Geschehen interessiert. Sie zogen schwächer an ihrer Leine, als bei den Situationen mit dem Fake-Hund. Erst wenn ihre Besitzer das Hundemodell streichelten oder hinter dem Sichtschutz so taten als ob, wurden ihre Lieblinge aktiv, zogen und versuchten fieberhaft, zu ihrem Herrchen oder Frauchen zu gelangen.

Mehr Verständnis für vier Pfoten

Für viele Hundehalter kommt das Ergebnis wohl nicht überraschend. Laut einem Bericht auf der "Association for Psychological Science" gaben mehr als 80 Prozent der Hundehalter in vergangenen Umfragen an, dass sie ihre vierbeinigen Lieblinge bereits eifersüchtig erlebt hätten. Die Studie zeigt, dass Hunde menschenähnliches Verhalten aufweisen können. Bei der Anwesenheit eines Rivalen, der mit dem eigenen Herrchen oder Frauchen interagiert, reicht der bloße Gedanke daran aus. Die direkte Sicht braucht der Hund hingegen nicht.

Ob unsere vierbeinigen Freunde dieses Verhalten so empfinden wie Menschen, ist bloße Spekulation. Doch mit der Studie gibt es nun einen ersten Eindruck davon, was in den Köpfen der Vierbeiner vor sich geht - und vielleicht können auch Sie Ihren Liebling nun ein kleines Stückchen besser verstehen.

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