Frauen weiterhin unterrepräsentiert

Studie: Noch immer wenige Frauen in Chefetagen

Frauen in der Chefetage? In deutschen Unternehmen sind sie nach wie vor unterrepräsentiert.
Frauen in der Chefetage? In deutschen Unternehmen sind sie nach wie vor unterrepräsentiert.
© dpa, Tobias Kleinschmidt

04. August 2021 - 8:29 Uhr

Studienergebnis wenig überraschend - dennoch erschreckend

Die Zeppelin-Universität in Friedrichshafen hat eine Studie veröffentlicht, in der sie die Führungsetagen öffentlicher Unternehmen in deutschen Städten untersucht und miteinander verglichen haben. Ziel der Studie war es, eine aktuelle Bestandsaufnahme zu machen und herauszufinden, ob Frauen in besseren Positionen noch immer unterrepräsentiert sind. Einiges hat sich zwar gebessert – dennoch gibt es noch deutlichen Handlungsbedarf.

Nur jede 20. Führungskraft in Meck-Pomm ist weiblich

Die Macher der Studie haben sich in erster Linie öffentliche Unternehmen in Deutschland angesehen, da ihrer Meinung nach gerade ihnen in der Debatte um Gleichberechtigung eine besondere Vorbildfunktion zugeschrieben wird. Umso erschreckender sind die teils gravierenden Unterschiede in den einzelnen Bundesländern.

Obwohl bundesweit öffentliche Arbeitgeber untersucht wurden, gibt es ein extremes Gefälle. Absoluter Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt: Immerhin 35 Prozent der Positionen der Top-Managementorgane öffentlicher Unternehmen sind von Frauen besetzt. Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern. Gerade einmal fünf Prozent – also jede 20. Stelle – ist hier in weiblicher Hand.

Selbst Top-Unternehmen schafft keine 50:50-Quote

Besonders hervorgetan haben sich in der Studie die Offenbacher Stadtwerke: Wie aus der Auswertung der Zeppelin-Universität Friedrichshafen hervorgeht, erreichen die Stadtwerke Offenbach mit einem Frauenanteil von 47,8 Prozent in den Top-Managementpositionen öffentlicher Unternehmen bundesweit, den ersten Platz. Auf Rang zwei folgt mit deutlichem Abstand Rostock (37,1). Der Schnitt in den 69 ausgewerteten größeren deutschen Städten lag bei 19,5 – in Frankfurt sind es nur 11,3, in Mainz 7,1 und in Heidelberg oder Osnabrück sogar 0 Prozent.

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Frauen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert

Young woman in office working on desktop
Gerade einmal 13,8 Prozent der Stellen, die zuvor männlich besetzt waren, wurden nach einem Wechsel an eine Frau gegeben.
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"Insgesamt zeigen die Zahlen, dass etwas getan werden muss, wenn die Politik, die von ihr formulierten Ziele zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern ernst nimmt", sagt Professor Dr. Ulf Papenfuß von der Zeppelin-Universität. Im bundesweiten Schnitt gebe es erstmals seit 2018 einen Rückschritt von 0,2 Prozent bei Frauen in Top-Managementpositionen öffentlicher Unternehmen. Hinzu kommt die Tatsache, dass diese Stellen häufiger mit Männern neu besetzt wurden; nur bei 13,8 Prozent kam es bei einer zuvor männlich besetzten Position zu einem Wechsel zu einer Frau.

Hintergrund der Studie

Im März und April hat das Forscherteam in allen 16 Bundesländern die Daten von 69 Städten und 1466 Unternehmen mit 2165 Führungskräften auf Frauen in leitenden Organen wie Geschäftsführung, Geschäftsleitung und Vorstand durchleuchtet. Einbezogen waren neben den Landeshauptstädten und den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen auch die jeweils vier größten Städte der Länder. Das Forscherteam richtete dabei den Blick auf insgesamt 20 Branchen, an denen die öffentliche Hand beteiligt ist, wie etwa Abfallwirtschaft, Krankenhäuser, Messen, öffentlicher Personennahverkehr, Sozialeinrichtungen oder Stadtwerke. Erstmalig werden auch öffentliche Unternehmen der Bundes-/Landesebene in die Studie einbezogen. (kmü/pm)

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