Australische Studie zu sexueller Orientierung

Sind Heteros gar nicht so hetero, wie sie glauben?

Forscher haben herausgefunden: Je mehr wir uns mit dem Thema Sexualität beschäftigen, desto offener sind wir für die Möglichkeit, nicht nur heterosexuelle Neigungen zu haben.
Forscher haben herausgefunden: Je mehr wir uns mit dem Thema Sexualität beschäftigen, desto offener sind wir für die Möglichkeit, nicht nur heterosexuelle Neigungen zu haben.
© iStockphoto, Finn Hafemann

30. August 2021 - 17:44 Uhr

Wie gut wissen wir über unsere sexuelle Orientierung Bescheid?

Die Sexualität eines Menschen ist nach jetzigem Forschungsstand biologisch angelegt. Heißt: Ob wir hetero-, homo-, bi- oder pansexuell sind, wird von unseren Genen beeinflusst. Doch heißt das auch, dass wir unsere sexuelle Orientierung selbst immer richtig einordnen können? Forscher der Universität Sydney wollen nun zumindest herausgefunden haben: Heteros sind manchmal gar nicht so hetero, wie sie glauben.

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Je mehr wir über Sexualität wissen, desto offener sind wir

Dafür führten die Wissenschaftler zwei Versuchsstudien mit zwei unterschiedlichen Teilnehmer-Gruppen durch. In Studie 1 lasen die die 180 Teilnehmer einen Artikel über wissenschaftliche Untersuchungen. Darin hieß es: Es gebe viele Abstufungen der sexuellen Orientierung, Menschen also nicht nur hetero-, homo- oder bisexuell sein können. In Studie 2 bekamen 460 Teilnehmer einen Artikel vorgelegt, der beschreibt, dass sich die sexuelle Orientierung im Laufe des Lebens ändern könne. Zusätzlich gab es eine Kontrollgruppe, der die Wissenschaftler einen Artikel über den Klimawandel zu lesen gaben.

Alle Teilnehmer hatten zuvor in einem Fragebogen angegeben, heterosexuell zu sein. Nach dem Lesen der jeweiligen Artikel bekamen die Teilnehmer einen weiteren Fragebogen, in dem sie Fragen zu ihrer sexuellen Orientierung beantworten sollten. Dabei zeigte sich: Nach dem Lesen der Artikel waren sich die Teilnehmer beider Gruppen im Vergleich zur Kontrollgruppe plötzlich weniger sicher, ob sie sich wirklich als ausschließlich heterosexuell beschreiben sollten. Studiengruppe 2 zeigte sich zudem offener dafür, zukünftig auch gleichgeschlechtliche Erfahrungen zu machen.

Ist sexuelle Orientierung also manipulierbar?

Soll das also heißen, dass sich die sexuelle Orientierung eines Menschen verändern kann, nur weil er oder sie einen Artikel über sexuelle Orientierungen liest? "Sicher nicht", stellt Studienleiter Dr. James Morandini in einer Pressemitteilung klar. Dennoch habe die Studie die Probanden möglicherweise dazu angeregt, ihre zugrunde liegenden sexuellen Gefühle neu zu interpretierten. "Das heißt, dass zwei Menschen mit identischer sexueller Orientierung diese jeweils ganz unterschiedlich beschreiben können, je nachdem, ob sie einem fließenden oder kontinuierlichen Verständnis von Sexualität ausgesetzt waren", so Dr. Morandini weiter. Mit anderen Worten: Wer darüber informiert ist, wie unterschiedlich sexuelle Orientierung sein kann, der verfügt auch über mehr Möglichkeiten, seine sexuelle Orientierung zu beschreiben. (dhe)