Daten von acht Millionen Babys ausgewertet

Studie meint: Luftverschmutzung soll das Sterberisiko von Babys erhöhen

30. September 2019 - 10:21 Uhr

Hohe Luftverschmutzung = hohes Sterberisiko?

Erst vor Kurzem hat eine Studie nachgewiesen, dass Feinstaub, den die Mutter während der Schwangerschaft einatmet, über die Lunge und den Blutkreislauf bis in die Gebärmutter gelangt. Dort hatten belgische Forscher Kohlenstoffpartikel nachgewiesen.

Mit den Auswirkungen, die Schadstoffe in der Luft auf Babys haben, haben sich jetzt Forscher aus Großbritannien beschäftigt. Ihre Erkenntnis: Babys, die in Gebieten mit starker Luftverschmutzung aufwachsen, haben ein höheres Sterberisiko als Babys in Gebieten, in denen die Luft sauber ist. Die Studie wird demnächst auf dem internationalen Kongress der European Respiratory Society in Madrid vorgestellt. Sie sorgt allerdings für Kritik - denn einen eindeutigen Zusammenhang von Luftverschmutzung und erhöhtem Sterberisiko konnte die Studie nicht nachweisen.

Daten von fast acht Millionen Babys ausgewertet

Wie der "Guardian" berichtet, wurden für die Analyse die Daten von fast acht Millionen Babys in England und Wales ausgewertet, die zwischen 2001 und 2012 lebend zur Welt kamen. Dazu haben die Forscher die untersuchten Gebiete in 35.000 Bereiche mit jeweils rund 1.500 Einwohnern aufgeteilt.

In den einzelnen Bereichen wurde dann sowohl die durchschnittlichen jährlichen Werte für Feinstaub, Schwefeldioxid und Stickstoffdioxid als auch die jährliche Sterblichkeitsrate von Babys im ersten Lebensjahr analysiert. Betrachtet wurden auch das Geburtsgewicht der Babys, das Alter der Mutter und die Lebenssituation in dem jeweiligen Gebiet.

Das Ergebnis der Forscher der Universität Cardiff: In den Gebieten mit der stärksten Luftverschmutzung starben Babys im ersten Lebensjahr häufiger als solche, die in Gebieten mit der saubersten Luft aufwuchsen. Allerdings konnte die Studie nicht nachweisen, ob die Luftverschmutzung letztlich auch wirklich die Ursache für das höhere Sterberisiko ist.

Kritik an der Vorgehensweise der Forscher

Frau mit Babybauch
Ob in der Schwangerschaft geraucht wurde, wurde in der Studie nicht einbezogen.
© dpa, Maurizio Gambarini, gam cul rho his

Die Ergebnisse der Studie zeigten zwar, "dass durch Luftverschmutzung ein gewisses zusätzliches Risiko für den Kindstod besteht - aber die Art und Weise, wie das herausgefunden wurde, ist eine ziemlich unausgearbeitete Analyse", sagte Mireille Toledano, Kindergesundheitsexpertin am Imperial College London, zum "Guardian".

Denn: Die durchschnittlichen Verschmutzungsgrade wurden für relativ große Gebiete ermittelt - innerhalb dieser Gebiete könnten die tatsächlichen Werte aber stark variieren. Etwa abhängig davon, ob Babys unmittelbar an einer stark befahrenen Straße wohnen. Nicht einbezogen wurden auch Faktoren wie die Jahreszeit oder ob zum Beispiel die Mutter während der Schwangerschaft geraucht hat.

Wie kann man sich vor Luftverschmutzung schützen?

Schon länger zählen Forscher Luftverschmutzung neben Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen und Übergewicht zu den bedeutendsten Gesundheitsrisiken. Gegen das Rauchen etwa kann man sich bewusst entscheiden - der Luftverschmutzung auszuweichen ist allerdings nicht möglich. Wer etwa in einer Großstadt an einer stark befahreren Straße lebt, kann den Schadstoffen - außer durch einen Umzug aufs Land - also nur schwer dauerhaft entgehen.

Was können (werdende) Eltern dennoch tun, um ihre Babys möglichst wenig Luftschadstoffen auszusetzen?

  • als Fußgänger stark befahrene Straßen meiden und ruhigere Nebenstraßen nutzen
  • die Wohnung zu verkehrsarmen Zeiten lüften
  • persönlichen Beitrag zu einer saubereren Luft leisten: Möglichst oft aufs Auto verzichten, bei Strom und Wasser Energie sparen und möglichst viel alternative Energien nutzen

Forscher: Luftverschmutzung kostet uns Lebenszeit

Wie sehr die Luftverschmutzung in den Städten unsere Gesundheit tatsächlich beeinflusst, wird mit neuen Studien immer stärker untermauert. Laut Mainzer Forschern etwa führt Luftverschmutzung zu mehr vorzeitigen Todesfällen als das Rauchen und kostet Europäer durchschnittlich zwei Jahre Lebenszeit.