Neue Studie aus Belgien

Feinstaub gelangt bis in die Plazenta von Schwangeren

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17. September 2019 - 17:20 Uhr

Kohlenstoffpartikel gelangen über Blutkreislauf in den Mutterkuchen

Sind werdende Mütter dauerhaft einer hohen Belastung durch Feinstaub ausgesetzt, kann dieser über ihre Lungen und den Blutkreislauf bis in ihre Gebärmutter gelangen – und womöglich auch zum ungeborenen Baby. Belgische Forscher der Universität in Hasselt konnten nun Kohlenstoffpartikel auf der Seite der Plazenta (Mutterkuchen), die dem Kind zugewandt ist, nachweisen. Welchen Einfluss das auf den Fötus haben kann, ist jedoch nach wie vor nicht eindeutig.

Feinstaub schon ab der 12. Schwangerschaftswoche nachweisbar

Für die Studie, die im Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlicht wurde, untersuchten Prof. Dr. Tim Nawrot und sein Team die Plazentas von zehn Frauen, die kürzlich entbunden hatten und in einer Umgebung mit hoher Luftverschmutzung leben. Diese verglichen sie mit Plazenta-Proben von zehn Müttern aus einem Wohngebiet, in dem die Luft weniger belastet ist. Die Menge an Kohlenstoffpartikeln, also Feinstaub, die die Forscher in dem Gewebe fanden, war bei den Frauen aus besonders luftverschmutzten Gebieten entsprechend höher.

Bei Proben aus Plazenten von Fehlgeburten konnte außerdem festgestellt werden: Die Feinstaubpartikel waren bereits in der zwölften Schwangerschaftswoche nachweisbar.

Was bedeutet das für die Gesundheit des Babys?

Mit der neuen Studie aus Belgien erweitere sich die Liste der Schadstoffe, die das Ungeborene möglicherweise schädigen können, so Dr. Torsten Plösch von der Uni-Frauenklinik im niederländischen Groningen: "Wir wissen seit langem, dass Umwelteinflüsse wie zum Beispiel Luftverschmutzung oder natürlich auch Zigarettenrauch einen Einfluss auf das Wachstum des Fötus haben. Wir wissen auch, dass dies Langzeiteffekte haben kann, die bis ins Erwachsenenalter nachweisbar sind. Die Studie zeigt nun erstmals, dass Kohlenstoffpartikel aus der Umwelt auch im realen Leben die Plazenta erreichen können – nicht nur in Laborversuchen."

Eine frühere Studie der John Hopkins University in Baltimore (USA) belegte bereits, dass Schwangere, die besonders hoher Luftverschmutzung ausgesetzt sind, ein zweimal so hohes Risiko für Entzündungen in der Gebärmutter haben wie solche, die in vergleichsweise sauberer Luft leben. Solche Entzündungen gelten als einer der Hauptgründe für Frühgeburten, die wiederum für das Baby lebenslange Gesundheitsprobleme mit Nerven und Atemwegen bedeuten können.

Negative Folgen können nicht eindeutig Feinstaub zugeordnet werden

Dr. Plösch gibt allerdings zu bedenken, dass die neue Studie nicht umfassend genug ist, um eine Schädigung des ungeborenen Kindes eindeutig zu belegen: "Die Autoren haben zum Beispiel nicht im Nabelschnurblut gemessen, ob dort Partikel angekommen sind. Es wurde auch nicht untersucht, ob die Partikel von Immunzellen der Plazenta erkannt werden oder irgendwelche Reaktionen auslösen."

Auch die Vielzahl anderer Umwelteinflüsse, die auf Schwangere wirken, dürfe nicht ignoriert werden: "In der Praxis wird niemand einer Luftverschmutzung aus nur einem Schadstoff ausgesetzt. Insofern kann diese Studie keinen direkten Beweis erbringen, dass die Kohlenstoffpartikel Ursache für negative Langzeitfolgen sind." Trotzdem sieht der Expert darin ein potenzielles Risiko, das in der Zukunft genauer untersucht werden sollte.