17. Juni 2019 - 16:35 Uhr

Über 1.000 Röntgenbilder ausgewertet

Smartphones verändern das menschliche Skelett – das haben jetzt Forscher der University of The Sunshine Coast in Australien anhand von über 1.000 Röntgenbildern herausgefunden. Menschen würden so viel Zeit heruntergebeugt vor Handy-Bildschirmen verbringen, dass ihnen zunehmend Knochenstücke an der Schädel-Rückseite wachsen, so das Ergebnis.

Besonders häufig bei Menschen zwischen 18 und 30

Ein Bild, das einem tagtäglich begegnet: Menschen mit heruntergeneigtem Kopf, mit Blick aufs Smartphone.
Ein Bild, das einem tagtäglich begegnet: Menschen mit heruntergeneigtem Kopf, mit Blick aufs Smartphone.
© iStock

Wissenschaftler haben mehr als 1.000 Skelette im Alter von 18 bis 86 geröntgt, wie BBC Future berichtet. Dabei entdeckten sie häufig eine knochige Spitze an der Schädelbasis. "Ich bin seit 20 Jahren Krankenhausarzt. Aber erst in den letzten zehn Jahren habe ich bei meinen Patienten entdeckt, dass sie diese knöcherne Auswucherungen am Schädelknochen haben", erklärt Studienleiter Dr. David Shahar. Besonders häufig sei dieses Phänomen bei Menschen im Alter zwischen 18 und 30 aufgetreten.

Wie kommt es zu diesen knöchernen Auswüchsen?

Dr. Shahar vermutet als Grund für die Auswüchse das ständige Hinunterschauen aufs Smartphone.
Die im Laufe der Menschheit eher weniger genutzten Muskeln, die den Nacken mit dem Hinterkopf verbinden, werden inzwischen so stark belastet, dass sie sich tatsächlich verändern. Durch stundenlanges Scrollen auf Smartphones, Tablets und Laptops kommt es zum typischen "Handy-Nacken".
Der entsteht, weil die Muskeln im Nacken in der herunterblickenden Position schwer zu tragen haben: Ein durchschnittlicher erwachsener Kopf kann etwa 5 Kilogramm wiegen. Dr. Shahar vermutet, dass der Nackenmuskel durch die hinabgebeugte Haltung des Kopfes immer mehr trainiert und größer wird, sodass das Skelett neue Knochenschichten zur Unterstützung bildet, um den Bereich zu stärken und zu verbreitern. Die Forscher kamen zu dem Entschluss, dass "wiederholende und anhaltende mechanische Belastung" zur Anpassung der Sehnen und des Bindegewebes führe.

Wie BBC Future berichtet, war die größte Auswucherung bei den Untersuchungen 30 Millimeter lang. Er prognostiziert, dass die knöchernen Stacheln dazu tendieren, größer zu werden. "Stellen Sie sich vor, Sie haben Stalaktite und Stalagmite; wenn sie niemand stört, werden sie immer größer."

Im Video: Orthopäde warnt vor Selfie-Handgelenk

Aber: Gibt's den "Handy-Nacken" nicht schon seit dem Bücherlesen?

Doch warum ist ausgerechnet der Handy-Nacken so schädlich? Früher haben Menschen ihre Köpfe ja ebenso in Bücher oder Zeitungen gesteckt. Dr. Shahar weiß: Wir verbringen heutzutage insgesamt einfach mehr Zeit in dieser gesenkten Kopfhaltung. Während Amerikaner 1973 noch täglich etwa zwei Stunden mit Lesen verbrachten, hat sich die Zeit vor dem Smartphone auf etwa vier Stunden pro Tag verdoppelt.