"Klima der Angst" im Hamburger Tierpark

Streik bei Hagenbeck: Jetzt fletschen die Mitarbeiter mit den Zähnen

Sie wollen einen Tarifvertrag. Angestellte des Tierparks Hagenbeck am Mittwochmorgen im Warnstreik.
Sie wollen einen Tarifvertrag. Angestellte des Tierparks Hagenbeck im Warnstreik.
RTL Nord

Es gäbe immer wieder Streit zwischen Hagenbecks Mitarbeitern und der Geschäftsführung. Für bessere Bezahlung und Urlaubsregelungen gehen am Mittwoch ab 10 Uhr die Zoo-Beschäftigten in Hamburg in den Warnstreik.

Einschränkungen für Besucher

Pascal Lechner, Gewerkschaftssekretär der IG BAU Nord, spricht für die Streikenden.
Pascal Lechner, Gewerkschaftssekretär der IG BAU Nord, spricht für die Streikenden.
RTL Nord

Hagenbeck-Besucher müssen an diesem Ferientag Geduld mitbringen, denn an den Kassen und auch bei den Tierpflegern wird teilweise die Arbeit niedergelegt. Das heißt zwischen 10 und 12 Uhr muss mit Wartezeiten am Eingang und eingeschränktem Betrieb im Tierpark gerechnet werden. Auch Schau-Fütterungen können ausfallen. „Die notwendige Versorgung der Tiere werde durch den Stunden-Streik allerdings nicht beeinträchtigt“, heißt es dazu in einer Mitteilung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

Gewerkschaft fühlt sich ignoriert

Die Gewerkschaft will Druck auf den Arbeitgeber und Geschäftsführer Dirk Albrecht machen. „Wir werden ignoriert, da der Geschäftsführer sich bisher zum vorgeschlagenen Tarifvertragsentwurf seit drei Monaten nicht meldet“, erklärt Gewerkschaftssekretär Pascal Lechner auf Anfrage von RTL Nord am Mittwoch.

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Misstrauen gegen Gewerkschaft

Hagenbecks Geschäftsführer will aber zunächst von Juristen prüfen lassen, ob die Gewerkschaft überhaupt für den Tierpark zuständig ist und ob der Tierpark verpflichtet ist, auf die Forderungen der Gewerkschaft einzugehen und die Verhandlungen aufzunehmen. „Wir sehen das einfach als Verzögerungstaktik, denn über die Hälfte der Hagenbeck-Mitarbeiter sind Mitglied bei uns“, so Lechner zu RTL Nord. Der Geschäftsführung zufolge arbeiten im Tierpark derzeit etwa 160 Menschen in Voll- oder Teilzeit - von der Kasse über die Verwaltung bis zu den Tierpflegern.

Mitarbeiter eingeschüchtert

Auseinandersetzungen zwischen der Belegschaft Hagenbecks und der Arbeitgeberseite rund um Geschäftsführer Dirk Albrecht sind schon seit längerem bekannt. Im vergangenen Jahr sei neun Mitarbeitern kurz vor Weihnachten gekündigt worden – offenbar, um „unliebsame Kritiker mundtot zu machen“, berichtet Lechner und seit Albrechts Start als Geschäftsführer im April 2020 berichteten Beschäftigte immer wieder von Einschüchterungsversuchen und einem „Klima der Angst“. „Die Beschäftigten bei Hagenbeck haben noch nie einen Arbeitskampf gemacht, der Warnstreik soll jetzt zeigen, dass das hier überhaupt möglich ist“, sagt Lechner im Interview. Und wenn sich der Geschäftsführer weiterhin nicht bewege, könne es auch zu längeren und weiteren Streiks kommen. (dpa/ide)