„Vier Brüste für ein Halleluja!“

Nur eine dieser Zwillingsmütter war schwanger – doch beide stillen

19. April 2021 - 14:29 Uhr

Bisexuelles Ehepaar stillt im Doppelpack

Für Katharina und Noëmi Obst wurde der Traum des Familienglücks war: Dank Samenspende und künstlicher Befruchtung bekam Katharina die Zwillinge Paul und Flora. Doch damit nicht genug – denn ihre Milch bekommen die Babys nicht nur aus zwei, sondern aus vier Brüsten! Noëmi stillt ihre Kinder nämlich ebenfalls, obwohl sie gar nicht schwanger war. Wie genau das geht und was das für die frischgebackene Familie bedeutet, sehen Sie im Video!

Medikament sorgt für Milchbildung

"Über vier Brüste ist man megahappy, also: vier Brüste für ein Halleluja!", erklärt Noëmi lachend. "Je mehr Brüste, desto zufriedener seien die Kinder und desto entspannter die Mamis. Eine Win-Win-Situation also. Auch Katharina ist dankbar für den Still-Support: "Die Menge an Zeit, die wir zum Stillen aufbringen – das nur mit zwei Brüsten, das ist tatsächlich ein großer Unterschied", vergleicht sie.

Aber warum kann Noëmi überhaupt Muttermilch produzieren? Möglich wurde das durch ihre Stillberaterin Katrin Bautsch – und Medikamente. Denn Noëmi nimmt Domperidon ein, eigentlich ein Wirkstoff gegen Übelkeit und Erbrechen. In Kombination mit der Antibabypille wird es im sogenannten Off-Label-Use, also außerhalb des Zulassungsgebiets, auch eingesetzt, um Frauen wie Noëmi das Stillen zu ermöglichen.

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Gynäkologin erklärt: Nicht schädlich für Kinder

Das Medikament gehe nur in einem ganz geringen Teil in die Muttermilch über und habe deshalb keine Relevanz für das Kind, erklärt Gynäkologin Susanne Klinge. "Es ist nicht schädlich für das Kind. Die medikamentös erzeugte Muttermilch hat genau dieselben Bestandteile wie die praktisch normal gebildete Muttermilch."

2014 wurde von einem Pharmaunternehmen vor Nebenwirkungen wie Herz-Rhythmusstörungen bei Domperidon gewarnt. "Wir haben allerdings die Daten hauptsächlich von älteren Menschen", so Stillberaterin Katrin Bautsch im sternTV-Interview. "Bei jungen Frauen haben wir diese Probleme noch nicht gesehen."

Laut Frauenärztin Nora Imlau funktioniert die induzierte Laktation – also das Stillen ohne vorherige Schwangerschaft – auch ohne Medikamente. Wie, erklärt sie hier. Noëmi und Katharina sind in jedem Fall mit dem Weg, den sie gewählt haben, überglücklich. Jetzt muss nur noch die Adoption von Paul und Flora durch Noëmi reibungslos über die Bühne gehen, damit die 39-Jährige auch rechtlich genauso Mama sein kann wie ihre Frau.

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