Kein Vorteil für die Umwelt

Stiftung Warentest rät von Bambusbechern ab: zu hohe Schadstoffmengen

© deutsche presse agentur

23. Juli 2019 - 13:11 Uhr

Bambusbecher sind keine Alternative zum Pappbecher

Dass der Kaffee zum Mitnehmen besser nicht im Pappbecher mit Plastikdeckel getrunken werden sollte, hat sich herumgesprochen - der Umwelt zuliebe. Zur Mehrwegalternative aus Bambus sollte aber auch nicht gegriffen werden - sich selbst zuliebe. Denn über die Hälfte der geprüften Bambusbecher weisen eine hohe Schadstoffmenge auf, hat die Stiftung Warentest festgestellt.

Formaldehyd und Melamin in Bambusbechern nachgewiesen

Bei einer aktuellen Untersuchung der Stiftung Warentest wurden 7 von 12 Bambusbechern hinsichtlich der Schadstoffbelastung als "mangelhaft" bewertet. Nutzer der portablen Trinkgefäße sind zwar der Meinung, sie schonen mit einem reinen Naturprodukt die Umwelt und tun auch sich somit etwas Gutes, doch dem ist meist nicht so. Denn in den Behältern lässt sich neben zermahlenen Bambusfasern auch Melaminharz nachweisen. Ein Kunststoff, der als Bindemittel genutzt wird und sich aus den Schadstoffen Formaldehyd und Melamin zusammensetzt.

Ist der Kunststoff ordentlich verarbeitet und werden bestimmte Bedingungen beim Gebrauch eingehalten, etwa Temperaturen unter 70 Grad Celsius, gehen auch nur geringe Schadstoffmengen in ­­­Lebens­mittel über. Ist dem nicht so, tut sich der Nutzer mit den Bambusbechern keinen Gefallen. Denn dann werden zum Teil hohe Schadstoffmengen abgegeben. Melamin steht im Verdacht, Erkrankungen im Blasen- und Nierensystem zu verursachen. Formaldehyd kann Haut, Atemwege oder Augen reizen sowie beim Einatmen Krebs im Nasen-Rachenraum verursachen.

Bambusbecher dürfen auf keinen Fall in die Mikrowelle

In der Untersuchung gaben insgesamt sieben Produkten zu viele Schadstoffe ab. Konsequenterweise wurden die Becher von Aldi Nord, Escoffee Cup, der "Premium Cup Bamboo to go" von der Grafik Werkstatt, der Ikea "Mugg" und der La Vida "Anti Stress" mit "mangelhaft" bewertet. Die gleiche Beurteilung bekamen auch die Produkte "Bamboo Travel Mug" von Rex London und der "Crusing Travel Mug" von Zuperzozial. Hier wurde allerdings auch die Deklaration für nicht ausreichend befunden.

Bei der Schadstoffanalyse wurden bereits nach der dritten Befüllung mit einem Heißgetränk in vier der zwölf Becher sehr hohe Gehalte von Melamin in der Flüssigkeit, in drei weiteren nach der siebten Befüllung festgestellt. Hier waren die Werte teilweise sogar noch höher als nach der dritten Befüllung. Auch Formaldehyd wurde festgestellt - teils hohen Mengen. Zudem gelangen die Schadstoffe auch nach längerer Nutzung noch in die Getränke.

Außerdem sollten die Bambusbecher nicht in der Mikrowelle erwärmt werden. Denn bei hohen Temperaturen zersetzt sich das Bechermaterial und die Oberfläche wird zerstört. Entsprechend mehr Melamin und Form­aldehyd gelangen ins Getränk. Deswegen ist der Warnhin­weis vor Benutzung der Mikrowelle so wichtig. Dieser fehlt am "Zuperzozial"-Becher komplett.

Recycling bei Bambusbechern kaum möglich

Des Weiteren kritisierten die Tester eine irreführende Bewerbung einiger Bambusbecher als umweltfreundliche Alternative. So wird beispielsweise das Produkt "Morgenheld" (Deklaration "mangelhaft", Schadstoffe "gut") ­als biologisch abbaubar bezeichnet. Pandoo (Deklaration "ausreichend", Schadstoffe "gut") schreibt auf der Verpackung: "Bambus ist ein natürlicher Rohstoff, der keinen nicht abbaubaren Abfall verursacht." Für reinen Bambus ist dies zwar zutreffend, der dick­wandige kunstoffhaltige­­ Becher wird aber auch nach Jahren nicht auf dem Kompost verrottet sein.

Grundsätzlich gestaltet sich das Recycling bei den Produkten schwierig, da sich der Bambus-Kunststoff-Mix nicht wieder in seine Komponenten aufteilen lässt. Hier bleibt dann nur die Müllbeseitigung via Verbrennen.

Aber immerhin, ein Bambusbecher überstand den Test ohne Auffälligkeiten. Beim Chicmic "Bamboo Cup"* müssen Nutzer weder Schadstoffe fürchten ("gut") noch eine unzutreffende Deklaration ("befriedigend").

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