Stalking: So wehren Sie sich richtig

Phänomen Stalking: Opfer von Stalkern wissen oft nicht mehr weiter.
Phänomen Stalking: Opfer von Stalkern wissen oft nicht mehr weiter.
© picture-alliance/ dpa, Frank Kleefeldt

20. August 2015 - 15:22 Uhr

Psychoterror Stalking - das können Sie dagegen tun

Opfer von Stalkern wissen oft nicht mehr weiter. Das Nachstellen durch eine gestörte Person kann zum regelrechten Psychoterror werden und Betroffene krank machen.

Stalking (zu deutsch "Nachstellen") bedeutet im übertragenen Sinne die andauernde Verfolgung oder Belästigung einer Person. Der Begriff "Stalking" kommt aus der Jägersprache und bedeutet etwa Pirschen oder Einkreisen der Beute.

Wie Jäger sammeln Stalker präzise Informationen über ihre Opfer und beobachten sie an verschiedenen Orten. Manche Stalker bleiben im Hintergrund, andere nehmen auf verschiedene Arten Kontakt zu ihrem Opfer auf.

Einer der Hauptgründe für das Stalken ist eine unerwiderte Liebe beziehungsweise eine missglückte Beziehung. Aber auch Personen aus Berufsgruppen mit Kundenverkehr, Patienten oder Klienten können Opfer eines Stalkers werden. Vor allem dann, wenn der Stalker sich selbst als Opfer einer vermeintlich falschen Beratung, Behandlung oder eines Rechtsstreits sieht. Oft sind Stalker auch Konkurrenten in einer speziellen Sparte oder Rivalen, die eine Niederlage nicht verkraften.

Übrigens: Studien belegen, dass mehr als 80 Prozent der Stalking-Opfer Frauen sind.

Die Attacken der Stalker

Mögliche Stalking-Handlungen sind vielfältig. Dazu gehören unter anderem

Telefonanrufe/SMS (zu jeder Tages- und Nachtzeit), häufiger Schriftkontakt per Brief oder E-Mail, Aufenthalt in der Nähe oder Verfolgen des Opfers, unerwünschtes Zusenden von Geschenken, Blumen oder Verbreitung von Diffamierungen und Unwahrheiten auf jegliche Art.

Viele Stalking-Opfer leiden unter Unruhe, Schreckhaftigkeit, Kopfschmerzen, diversen Angstsymptomen, Schlafstörungen und Magenbeschwerden und der daraus resultierenden geistigen und körperlichen Erschöpfung.

Die Kriminalpolizei gibt folgende Tipps, wie Sie sich Stalkern gegenüber verhalten sollten, wenn Sie betroffen sind.

1. Machen Sie dem Stalker unmissverständlich klar, dass jeder Kontakt von ihm, in welcher Form auch immer, unerwünscht und sinnlos ist. Eine Ermahnung reicht, lassen Sie sich nicht auf eine Diskussion ein.

Für eine gute Dokumentation und für eventuelle zukünftige Verfahren wäre es gut, einen Zeugen zu haben, der bei dieser Mitteilung anwesend war. Nach einer Ermahnung gilt: Vermeiden Sie jeglichen Kontakt zum Stalker, beantworten Sie keine SMS, keine Telefongespräche und keine E-Mails.

2. Wenn der Stalker Sie direkt kontaktiert, sollten Sie ihm ausweichen und ihn ignorieren. Wenn er Sie bedroht, rufen Sie sofort die Polizei und bitten, soweit es möglich ist, andere Personen um Hilfe. Ziel ist es, durch die ständige und konsequente Ignoranz dem Täter zu signalisieren, dass seine Bemühungen vergeblich sind. Halten Sie diese Strategie konsequent durch, ist die Chance recht gut, dass der Stalker sein Interesse verliert.

3. Dokumentieren Sie konsequent die Taten des Stalkers. Alle E-Mails, SMS, alle Mobilboxnachrichten sollten Sie sammeln, abspeichern oder aufzeichnen. Die Anzahl der versuchten Kontaktaufnahmen, sowohl der mittels Kommunikationsmedien als auch der persönlichen, müssen in einer Art Tagebuch vermerkt werden. Geschenke und Briefe sowie Gegenstände des Stalkers, sie sich bei ihnen befinden, sollten Sie wieder zurückschicken. So gibt es keine Verbindlichkeiten mehr.

4. Wenn Sie das Gefühl haben, auch in den eigenen vier Wänden nicht sicher zu sein, sollten Sie moderne Sicherheitsschlösser oder sogar Sicherheitstüren einbauen lassen. Von den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen werden auch sicherheitstechnische Beratungen durchgeführt.

5. Wie bei jeder Bedrohung gilt auch bei Stalkern: Holen Sie sich Hilfe bei Ihrer Familie, bei Freunden, Bekannten, Nachbarn oder Kollegen. Sie sollten erfahren, was der Stalker im Sinn hat und dass es unerwünscht ist.

6. Informieren Sie die Polizei über die Lage und die Geschehnisse. Verfolgt der Stalker Sie beispielsweise mit seinem Fahrzeug, so sollten Sie direkt zur nächsten Polizeiinspektion fahren und die Beamten der Dienststelle über die Verfolgung und eventuelle andere bereits getätigte Stalkinghandlungen des Stalkers in Kenntnis setzen. Zumindest sollten Sie den Vorfall melden, um eine optimale Dokumentation des Geschehenen zu ermöglichen.

7. Hat der Stalker Ihre Festnetznummer, so ist die Anschaffung eines Anrufbeantworters ratsam, um die Anrufe und Mitteilungen des Stalkers zu aufzunehmen. Bei unbekannten Stalkern wird die Anschaffung einer Fangschaltung des Telekommunikationsbetreibers angeraten. Auch eine zweite Leitung für ungestörtes Telefonieren ist empfehlenswert. Besitzt der Stalker Ihre Handynummer, so ist es am besten, diese Nummer zu behalten und sich ein zweites Handy mit einer anderen Nummer zu besorgen. Damit ist es möglich, sich von den Anrufen abzuschirmen, sie aber trotzdem, einschließlich der eingelangten SMS, gut dokumentieren.