Aus Frust über Stadtwerke

Siebenköpfige Familie aus Rendsburg zapft Allgemeinstrom an

Der private Stromzähler der Familie wurde nach mehreren Mahnungen abgebaut.
Der private Stromzähler der Familie wurde nach mehreren Mahnungen abgebaut.
deutsche presse agentur

von Henrik Zinn

Ein kurioser Diebstahl beschäftigt derzeit die Bewohner der Stadt Rendsburg. Nachdem einer siebenköpfigen Familie der Strom abgestellt wurde, greift diese zu ungewohnten Mitteln und zapft kurzerhand den Allgemeinstrom des Hauses an. Die Energie, die normalerweise den Flur und den Keller des Mietobjektes beleuchtet, bringt nun Licht in die dunkle Privatwohnung. Doch es gibt jemanden, der für die Maßnahme sogar ein bisschen Verständnis hat, obwohl er der Leidtragende ist.

Rendsburg: Mieter soll meterlanges Stromkabel durchs Treppenhaus verlegt haben

Eines steht fest: Der Stromdieb muss handwerkliches Geschick mitbringen. Nachdem die Stadtwerke seinen Stromzähler abgebaut und somit den Energiefluss prompt gestoppt hat, bedient sich dieser am allgemeinen Verteiler. Zuerst hatte die SHZ von dem Vorfall berichtet. Vermieter Peter Teuber erzählte auf RTL-Anfrage, dass der betroffene Mieter ein Kabel an den Verteiler angeschlossen und dieses quer durch das Treppenhaus in seine Wohnung verlegt hat. Unser RTL-Reporter vor Ort und eine Nachbarin haben jedoch kein verlegtes Kabel gesehen. Durch diesen externen Leiter gelangt der Allgemeinstrom in seine private Leitung. Der Hintergrund der bizarren Entwendung wird derweil heiß diskutiert.

Lesetipp: Nachbarin erzählt im RTL-Interview, warum sie sogar Verständnis für ihre Nachbarn hat

Stadtwerke bauen privaten Stromzähler ab

Ein Kabel durch dieses Treppenhaus soll die Privatwohnung mit Strom versorgen.
Ein Kabel durch dieses Treppenhaus soll die Privatwohnung mit Strom versorgen, sagt der Vermieter.
RTL Nord

Die Stadtwerke SH haben der Familie in der Friedrich-Voß-Straße in Rendsburg den Strom abgedreht, weil diese ihre Rechnungen angeblich über ein Jahr hinweg nicht bezahlt hat. Gegenüber RTL äußerten die Stadtwerke, dass Zahlungserinnerungen und Mahnungen ignoriert wurden. Als Reaktion hierauf habe man den Zähler gesperrt. Daraufhin wären die Betroffenen in die Initiative gegangen und hätten den Zähler eigenhändig und illegalerweise wieder in Betrieb genommen. Diese Aneinanderreihung von Geschehnissen führte im Endeffekt dazu, dass der Zähler final abgebaut wurde. Dank des abgezapften Allgemeinstroms, welcher ebenfalls von den Stadtwerken zur Verfügung gestellt wird, sitzt die Familie dann aber doch nicht im Dunkeln.

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Familie muss angebliche Schulden von 8.000 Euro bezahlen

Bei all dem Hickhack schaut vor allem einer in die Röhre: Vermieter Peter Teuber. Der Eigentümer ist stocksauer, bezieht aber klar Stellung: „Aus Hauseigentümerseite bemängele ich das Handeln der Stadtwerke. Ich als Vermieter wurde nicht informiert und habe das Ganze erst durch die Eigenkontrolle der Allgemeinzähler erfahren“, berichtet Teuber im Gespräch mit RTL. Als er gemerkt hat, dass der Zählerstand für den Allgemeinstrom ungewöhnlich hoch ist, hat er die privaten Stromzähler kontrolliert und erst dann gesehen, dass die betroffene Familie gar keinen Zähler mehr hat. Von den Stadtwerken SH hörte er nach seiner Aussage nichts. Für die bisher entstandenen Mehrkosten kommt Teuber gezwungenermaßen selbst auf.

Doch damit noch nicht genug. Viel schwerwiegender sind für Teuber die Forderungen der Stadtwerke, die an die Familie jetzt gestellt werden. Angeblich hätten die Betroffenen Schulden in Höhe von 8.000 Euro bei dem Netzbetreiber. Diese Summe müsse zurückgezahlt werden, ehe die Verhältnisse wieder gerade gerückt werden können. „Ich wusste von den Schulden nichts, aber 8.000 Euro sind eigentlich unmöglich. Wo sollen die in einer so kurzen Spanne herkommen? Das ist ein Ding der Unmöglichkeit, eine Familie so unter Druck zu setzen“, sagt der Vermieter. Ein Ende der Posse um die Stromversorgung in der Friedrich-Voß-Straße in Rendsburg ist also noch nicht in Sicht. Peter Teuber will seine Mieter aber weiterhin unterstützen.