22. Februar 2019 - 11:07 Uhr

von Lauren Ramoser

Im Alter lässt Kraft und Ausdauer nach, aber das muss nicht so sein! Sportwissenschaftler Professor Dr. Stephan Geisler von der IST-Hochschule in Düsseldorf lässt das Lebensalter nicht als Fitness-Ausrede gelten. Im Interview mit RTL.de erklärt Geisler, wie wir alle fit im Alter bleiben. Eine gute Nachricht vorweg: Es ist nie zu spät, mit Sport anzufangen.

Im Alter kann man keinen Sport mehr machen? Von wegen

Mit fortschreitendem Alter steigt für viele Menschen die Hemmschwelle, sich wirklich fit zu halten. Macht der Körper ein anstrengendes Krafttraining noch mit? Kann ich mit über 50 Jahren überhaupt noch Muskeln aufbauen?

Zu diesen negativen Gedanken kann der Professor für Sportwissenschaften Dr. Stephan Geisler nur den Kopf schütteln. "Ich halte es für einen weit verbreiteten Irrglauben, dass die Leistungsfähigkeit mit dem Alter abnehmen muss." Wichtig sei, das richtige Training zu finden. Der Sportwissenschaftler empfiehlt Krafttraining - und das unabhängig von der Altersgruppe. "Gestärkte Muskeln erleichtern den Alltag und verringern das Verletzungsrisiko. Denn es geht hauptsächlich darum, Unabhängigkeit und Agilität auch im hohen Alter zu behalten", erklärt Fitnessprofessor Geisler.

Fitter werden oder Zustand halten?

Generell sei niemand zu alt für Sport, ganz im Gegenteil, denn regelmäßige Bewegung kann den Körper stärken.

Geisler verweist auf seinen Kollegen Professor Wildor Hollmann, der sicher ist: "Wenn Sie 40 Jahre alt sind und anfangen sich zu bewegen, können Sie noch 20 Jahre lang 40 bleiben." Diese Rechnung gilt für jedes Alter und zeigt: Man kann sich vielleicht nicht viel jünger sporteln, aber lange fit für sein Alter bleiben. Das macht doch sogar Sportmuffeln Mut, oder?

Und Professor Geisler ergänzt: "Auch wenn ich mit 70 Jahren anfange, kann ich fitter werden."

Diese Sportübungen eignen sich für den Einstieg

Anfangen können Menschen also in jedem Alter. Wichtig sei zunächst die Frage: Wo stehe ich sportlich? "Ich würde sagen, dass zwei Mal Sport in der Woche ein guter Anfang sind", erklärt Geisler. "Und das gilt übrigens für jede Altersgruppe."

Insbesondere ältere Menschen sollten auf Krafttraining setzen und müssen dafür gar nicht viel Aufwand betreiben. "Um beispielsweise besser aus dem Sessel herauszukommen, brauchen die Muskeln Kraft", erklärt der Sportwissenschaftler. "Da sind Kniebeugen eine gute Übung, bei der man sich auch an der Fensterbank festhalten und so für Stabilität sorgen kann." Widerstandsbänder aus Gummi sind gut als Trainings-Tool für die Arm- und Rumpfmuskulatur geeignet.

Ein Vorbild ist auch Musiker Peter Orloff, der im Dschungelcamp mit seiner Fitness überzeugte. Wie sich der 74-Jährige täglich fit hält, zeigen wir im Video.

Sport und Ernährung sind ein Team

Im Alter lässt häufig das natürliche Hungergefühl nach, da kann es schnell zu einer Mangelsituation kommen. Proteine sind wichtig für die Muskulatur und ausreichend Kohlenhydrate sichern eine konstante Versorgung.

Um langfristig und nachhaltig Muskeln und damit Kraft aufzubauen, empfiehlt der Experte ein regelmäßiges Training, etwa zwei bis drei Mal pro Woche. Wer diese Tipps im Alltag umsetzt, kann in jedem Alltag seine Fitness verbessern und sich insbesondere im Alter wertvolle Lebensqualität beibehalten.