Schalke-Stürmer Terodde stellt Tor-Rekord für die Ewigkeit ein

Er ist jetzt offiziell der "Zweitliga-Gott"

 Paderborn, Benteler Arena, 12.09.21, GER, Herren, 2.Bundesliga, Saison 2021-2022, SC Paderborn 07 - FC Schalke 04 Bild: Simon Terodde Schalke jubelt nach seinem Tor zum 0:1 Nur fuer journalistische Zwecke Only for editorial use Gemaess den Vorgaben
Simon Terodde mit seinem "Signature"-Jubel.
www.imago-images.de, imago images/Ulrich Hufnagel, Ulrich Hufnagel via www.imago-images.de

Tor-Phänomen funktioniert auch auf Schalke

Von Emmanuel Schneider

Nun ist auch offiziell, was viele Fußball-Fans schon seit Jahren sagen: Simon Terodde ist „Mister 2. Liga“ und der beste Zweitliga-Torschütze der Geschichte. Der Schalke-Stürmer traf am Sonntag beim 3:0-Sieg gegen den FC Ingolstadt zum 153. Mal im Bundesliga-Unterhaus. Seit 15.05 Uhr ist der 33-Jährige damit jetzt Rekordhalter der 2. Bundesliga – zusammen mit Dieter Schatzschneider, der die scheinbar ewige Bestmarke 34 Jahre allein hielt. Terodde bleibt ein unglaubliches Tor-Phänomen.

Startschuss in Berlin

Simon Terodde trifft
Wie alles begann ...
Imago Sportfotodienst

Es begann alles mit einem Spiel in der Alten Försterei. Am 10. Dezember 2011 empfing Union Berlin den FSV Frankfurt. In der 74. Minute betrat ein gewisser Simon Terodde, zur Saison vom 1. FC Köln gekommen, das Berliner Spielfeld. Acht Minuten später bejubelte er seinen Premierentreffer in der Liga. Der war gleich mal Terodde-haft. Der Stürmer nahm den Ball gekonnt mit und grätschte ihn rein. Ein klassischer Terodde. Technik gepaart mit Instinkt – und natürlich im Strafraum vollendet.

Seitdem ist viel passiert. Union spielt in der Conference League, der FSV Frankfurt kickt und dümpelt in der Regionalliga herum. Terodde aber spielt immer noch in der 2. Liga und trifft wie eh und je. Auch bei seinem neuen Club FC Schalke, es ist sein siebter Profiverein.

Nach elf Partien in Königsblau kommt Terodde schon auf X Treffer. Der Plan mit dem Angreifer aus Bocholt scheint aufzugehen. Weit vor Ende der vergangenen Saison hatte sich der komplett in die Krise abgestürzte FC Schalke die Dienste des Routiniers gesichert. Die Rechnung war klar: Kommt Terodde, kommen viele Tore.

Da steckte dieser eigentlich noch mitten im Aufstiegskampf mit dem Hamburger SV. Am Ende machte der HSV aber mal wieder HSV-Sachen und verpasste die Rückkehr in die Bundesliga. Terodde kam zwar auf 24 Tore, doch gegen Ende der Saison und nach einer Corona-Erkrankung traf auch er nicht mehr so oft wie gewohnt.

Schalke ist abhängig von seinen Toren

Nun also der nächste Anlauf mit dem Ruhrpott-Club. Einmal mehr soll Terodde einen abgestürzten Traditionsverein retten. Köln, Stuttgart und Hamburg lassen grüßen. Dort sammelte er neben seinen Stationen bei Union und Bochum eifrig Treffer, nun in Ingolstadt seinen vorläufig 153. Damit zog er mit Zweitliga-Legende Dieter Schatzschneider (von 1978 bis 1987 bei Hannover und Fortuna Köln) gleich. Dessen Marke galt lange als „ewiger Rekord“. Dann startete 2011 in Berlin der Terodde-Lauf. Zehn Jahre später ist noch kein Ende in Sicht.

Auf Schalke ist der 1,92-Meter-Mann die zentrale Figur im Angriff. Von insgesamt 16 Treffern der Schalker in bislang neun Ligaspielen gingen 11 auf sein Konto. Vor dem Spiel gegen Ingolstadt gingen 10 von 13 Schalke-Treffern in den acht Ligaspielen auf sein Konto. Coach Dimitrios Grammozis ist das schon zu viel Abhängigkeit von der Nummer neun. Er ist händeringend auf der Suche nach weiteren Torschützen. Nur Terodde allein reiche nicht, verkündete der Deutsch-Grieche.

Terodde aber ist und bleibt nunmal ein Zweitliga-Phänomen. In der Etage tiefer lieferte er zuverlässig rund 25 Tore, seine Teams kämpften stets ganz oben mit. In der Bundesliga aber reichte es nie so richtig – weder mit Köln oder Stuttgart.

Wer sich mit Personen unterhält, die Terodde kennen oder mit ihm gespielt bzw. gearbeitet haben, wird klar, warum das so gewesen sein könnte. Die gängige These ist: Bei den Zweitligateams traf Terodde als Stoßstürmer nach Belieben, das System war auf ihn ausgerichtet und offensiv. Doch in der 1. Liga ändern sich dann die Spielstrukturen. Es liege also am System, nicht am Spieler. Terodde, der klassische Strafraumstürmer muss eben auch im Sechzehner gefüttert werden – als Umschaltspieler ist er eher eine Fehlbesetzung.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Simon Terodde – „ein guter Junge“

Fußball 2. Bundesliga 7. Spieltag FC Schalke 04 - Karlsruher SC am 17.09.2021 in der Veltins Arena in Gelsenkirchen Simon Terodde  Schalke  DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. *** Fußball 2 Bundeslig
Simon Terodde ist bisher die Schalker Lebensversicherung.
www.imago-images.de, imago images/Revierfoto, Revierfoto via www.imago-images.de

Sein Ex-Trainer Peter Neururer schwärmt von den Stärken seines früheren Schützlings in Bochum. „Simon Terodde in der gegnerischen Hälfte, Simon Terodde im gegnerischen Sechzehner ist einer der besten Stürmer der letzten 20 Jahre in Deutschland.“ Schalke-Urgestein Klaus Fischer schlug Terodde jüngst sogar für die Nationalelf vor. In der Tat: So viele deutsche Mittelstürmer mit diesem Torinstinkt gibt es nicht. Den Vorschlag wird Hansi Flick ziemlich sicher ausschlagen – trotz der starken Quote in der 2. Liga (er traf in 58 Prozent der Fälle) von 153 Toren in 262 Partien. 2016, 2017 und 2019 knallte er sich zum Torschützenkönig, ohne Zweifel ist er auch in dieser Saison der Topfavorit auf diesen Titel. Der Rekord von Schatzschneider ist auf diesem Weg ein weiterer Meilenstein. Für Schalke geht es freilich einzig und allein um den Wiederaufstieg.

Schatzschneider, der seinen alleinigen Rekord nun los ist, outete sich bereits als Terodde-Supporter. Für das Wochenende hatte er sogar die Daumen gedrückt. „Am Wochenende bin ich Terodde-Fan", sagte der Torjäger-Veteran. „Simon ist ein guter Junge.“

Wie viel Terodde-Tore sind noch drin? 200 wäre wohl etwas hochgegriffen (wobei dafür nur noch zwei typische Terodde-Zweitliga-Saisons nötig wären,) aber die 160- und 170-Marke dürften schon bald fallen. Dafür ist der Schalker auch mit seinen 33 noch viel zu sehr in Torlaune und in Topform. Er kann nun an seinem eigenen „Rekord für die Ewigkeit“ schrauben. Diesen könnte dann wohl nur noch ein Aufstieg des FC Schalke einbremsen. Oder aber Terodde bliebe auch dann in Liga 2. Seiner Liga.