"Silicon Saxony" in Dresden

Bosch eröffnet modernste Chipfabrik in Europa

07. Juni 2021 - 12:06 Uhr

Größte Investition der Firmengeschichte

Der Technologiekonzern Bosch eröffnet heute seine neue Halbleiterfabrik in Dresden. In Sachsen werden künftig auf 300-Millimeter-Wafern Chips gefertigt. Der Zeitpunkt für die Eröffnung könnte nicht besser sein, denn vor allem in der Autoindustrie fehlt es derzeit an Halbleiter-Chips. Schon mehrmals in diesem Jahr standen bei fast allen Autoherstellern wegen Lieferengpässen tagelang die Produktionsbänder still.

Weitere Top-Unternehmen entscheiden sich für Standort Dresden

Auf einer Gesamtfläche von rund 72.000 Quadratmetern werden ab Juli 2021 Halbleiter gefertigt. Allein der Reinraum, in dem in rund 100 Maschinen und Anlagen die Chips hergestellt werden, ist 10.000 Quadratmeter groß.

Neues Bosch Halbleiterwerk in Dresden
Neues Bosch Halbleiterwerk in Dresden.
© Bosch, Baldauf & Baldauf

"Aus Dresden kommen schon bald Chips für die Mobilität der Zukunft und mehr Sicherheit im Straßenverkehr", sagte Bosch-Geschäftsführer Harald Kröger. Mit einer mit Milliarden Euro ist die Chipfabrik für Bosch die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte. Auch der Bund und der Freistaat Sachsen beteiligen sich finanziell, um den als "Silicon Saxony" bezeichneten Standort etlicher Forscher und Hersteller von Halbleitern auszubauen. Bis zu 700 Arbeitsplätze sollen im Bosch-Werk die Anlagen steuern, überwachen und warten.

Der Branchenverband Silicon Saxony sieht darin auch eine Signalwirkung für andere Unternehmen: So hatte jüngst der Telekommunikationskonzern Vodafone angekündigt, in Dresden ein Mobilfunk-Entwicklungszentrum zu errichten. Die sächsische Landeshauptstadt konnte sich gegen mehrere europäische Mitbewerber durchsetzen. Auch Jenoptik will im nächsten Jahr mit dem Bau einer Fabrik für Optiken und Sensoren am Standort beginnen, Anfang 2025 soll die Produktion starten.

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Bosch sucht noch qualifiziertes Personal für seine neue Chipfabrik

Für die neue Halbleiterfabrik sucht Bosch noch Experten aus der Halbleiterindustrie,wie Prozess-, Produktions- oder Instandhaltungsingenieure, Mathematiker, Softwareentwickler sowie Berufserfahrene aus Studienrichtungen wie Physik, Chemie und Mikrosystemtechnik.

Für die Autoindustrie kann der Produktionsbeginn nicht früh genug starten. Angesichts weltweiter Lieferengpässe von wichtigen elektronischen Bauteilen mussten mehrere Autohersteller ihre Belegschaft bereits in Kurzarbeit schicken. So waren Ende April Tausende Mitarbeiter der Mercedes-Werke in Rastatt und Bremen betroffen. Auch bei Ford standen die Produktionsbänder still, weil elektronische Bauteile fehlten. Und auch bei Volkswagenführte führte der Halbleitermangel zu Produktionsausfällen.

Grund für die weltweite Chipkrise ist die hohe Nachfrage nach Computern und Spielekonsolen während der Corona-Krise. Viele Autohersteller hatten ihre Chip-Bestellungen zu Beginn der Pandemie dagegen stark heruntergefahren. Jetzt müssen sie sich wieder hinten anstellen und auf die Auslieferung der Chips warten. Die neue Chipfabrik von Bosch in Dresden könnte der Retter in der Not werden. (dpa/aze)

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