Im Kampf gegen SteuerhinterziehungShisha-Krise: Neue Steuer treibt Tabak-Hersteller in die Pleite

Junge Menschen rauchen Shisha
Die Shisha-Umsätze sind eingebrochen.
iStockphoto

Der Ehrliche ist der Dumme – das gilt offenbar vor allem in der Shisha-Branche.
Unternehmen, die sich an an die gesetzlichen Vorgaben halten, müssen Insolvenz anmelden. Und gleichzeitig brummt der Schwarzmarkt. Wie der Staat am wirklichen Leben vorbeiregelt.
RTL.de ist jetzt auch bei WhatsApp - HIER direkt ausprobieren!

Neue Verpackungsvorschrift lässt Shisha-Geschäft einbrechen

Noch vor wenigen Jahren brummte das Geschäft mit Shisha-Tabak in Deutschland. Doch inzwischen geht es bergab, eine erste Firma ist insolvent.

Die Shisha Cloud GmbH aus Lonsee bei Ulm hatte 2021 noch gut 30 Beschäftigte und einen Umsatz von 5,5 Millionen Euro, jetzt wird sie abgewickelt. „Das Geschäft lief damals gut, die Perspektiven waren blendend“, sagt Firmenchef Dennis Quintenz.

Doch 2022 ging es bergab: Eine Steuererhöhung verteuerte die Ware und die Verpackungsvorschrift trat in Kraft.

Mit der neuen Vorschrift wollte der Bund gegen Steuerhinterziehung vorgehen, die in Shisha-Bars gang und gäbe war. Üblicherweise kauften die Bars große Dosen, aus denen sie dann kleine Portionen entnahmen und sie in Shisha-Köpfe füllten. Das allerdings war in den allermeisten Fällen Steuerhinterziehung, denn beim Verkauf in Portionen führten sie weniger Steuern ab als sie es hätten tun müssen. Der Zoll ging immer wieder dagegen vor, die Bußgelder nahmen die Barbesitzer aber in Kauf - ihr Geschäft lohnte sich trotzdem.

Die neue Vorschrift verbannte die üblichen 200- und 1000-Gramm-Packungen vom Markt, nur noch Größen von maximal 25 Gramm sind erlaubt. Deren Inhalt reicht nur für einen Shisha-Kopf.

Kosten für legalen Shisha-Tabak explodieren

Unternehmer Quintenz erinnert sich an den Beginn der Talfahrt. Die Steuererhöhung 2022 habe die Ware verteuert. „Die Kunden waren nicht begeistert, aber das war verkraftbar.“

Die Vorschrift zur Verpackung habe die Lage verschärft. Kaum jemand habe die neuen Packungen kaufen wollen, sagt der 30-Jährige. „Das Lager war voll und der Laden leer.“

Bei Stammkunden habe man nachgefragt. Die hätten auf die Preise verwiesen: Für ein Kilo Shisha-Tabak müssten sie nun - aufgeteilt auf 40 Kleinpackungen - 160 Euro zahlen, etwa doppelt so viel wie 2021.

Auf dem Schwarzmarkt gebe es ein Kilo hingegen für 40 bis 70 Euro. Für die Bars und auch private Kunden offenbar der bessere Deal.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Schwarzmarkt für Shisha-Tabak läuft weiter auf Hochtouren

Der Shisha-Verband spricht von Umsatzeinbußen von etwa 90 Prozent seit dem Rekordjahr 2021.

Für Folke Rega, Geschäftsführer vom Bundesverband Wasserpfeifentabak, erfüllen sich die schlimmsten Befürchtungen. „Wir haben vor einer Zunahme des Schwarzmarktes gewarnt, der Bund hat das ignoriert - und jetzt geht der Schwarzmarkt durch die Decke.“

In sozialen Medien würden illegale Produkte beworben, die Übergabe laufe häufig in Hinterhöfen oder an einer Straße aus einem Transporter heraus.

Als weiteren Beleg für einen Schwarzmarkt-Boom führt Rega an, dass Importeure von Shisha-Kohle gleich viel Geschäfte machen wie früher - obwohl deutlich weniger legaler Tabak verkauft wird. Er schätzt, dass 2023 mehr als 4.000 Tonnen illegal verkauft werden und nur knapp 800 Tonnen legal.

Auch Geschäftsmann Quintenz berichtet, dass der Umsatz mit Zubehör - ob Tabakköpfen, Schläuchen, Mundstücken oder Shisha-Geräten - in den Monaten vor der Insolvenz konstant geblieben sei. „Daran sieht man, dass die Leute weiter Shisha rauchen - aber eben Schwarzmarkt-Tabak.“

Video-Tipp: Wie gefährlich sind E-Zigaretten?

Finanzministerium verschätzt sich ordentlich

Und der Staat hat sich mit seinen Maßnahmen offensichtlich deutlich verkalkuliert: Eigentlich wollte der Gesetzgeber mit den neuen Regelungen der Steuerhinterziehung vorbeugen und mehr Geld einnehmen. Schließlich fallen bei den kleinen Dosen proportional mehr Tabaksteuern an als bei den großen.

Im Zuge der Reform des Tabaksteuergesetzes 2021 schätzte das Bundesfinanzministerium, dass es 2023 rund 155 Millionen Euro an Steuermehreinnahmen geben werde. Tatsächlich sind es in diesem Jahr laut Statistischem Bundesamt bisher nur rund 39 Millionen Euro - und zwar als steuerliche Gesamteinnahmen bei Wasserpfeifentabak und nicht als Mehreinnahmen, wie es in der Prognose des Ministeriums heißt.

Von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kommt Kritik. Es gebe zu wenig Kontrollen, sagt Gewerkschafter Frank Buckenhofer. „Es fehlt an Personal, Einsatzmitteln und der nötigen strategischen Ausrichtung auf diese polizeiliche Arbeit.“

Die Dummen sind jetzt die legalen Händler, die sich an die Vorschriften halten. Für sie lohnt sich der Betrieb kaum noch. (dpa/aze)