Mutter ruft im Netz verzweifelt nach Hilfe

Seit er ein Jahr alt ist: Paul will fast nur Äpfel und trockenes Brot essen

16. Mai 2019 - 16:21 Uhr

Diagnose: Psychosomatische hochselektive Essstörung

Es fing bereits an, als der jetzt 5-jährige Paul noch ein Baby war: Als seine Mutter Peggy ihn mit dem ersten Brei füttern wollte, wehrte er sich. Doch was bei anderen Kindern nur eine Phase im Kleinkindalter ist, zieht sich bei Paul bis heute hin. Trotz aller Bemühungen seiner Mama isst der Junge extrem einseitig: rote Äpfel, rote Weintrauben, Banane, Paprika, trockenes Brot, Schokopudding und ganz manchmal Eierkuchen kommen für ihn in Frage.

Wir haben Paul und seine Mutter Peggy zu Hause besucht. Wie der Alltag für sie aussieht, zeigen wir im Video.

Peggy sammelt Geld für eine Esslernschule

Peggy und ihr Mann suchen Hilfe beim Arzt. Die Diagnose lautet: Psychosomatische hochselektive Essstörung. Die Ärzte empfehlen den Eltern eine Therapie in einer Esslernschule. In einem zweiwöchigen Intensivtraining soll Paul seine Ängste überwinden und für ihn neue Lebensmittel akzeptieren lernen. Das ist auch dringend nötig, denn Pauls Blutbild zeigt wie bei anderen betroffenen Kindern massive Mangelerscheinigungen. Die werden zur Zeit mit Medikamenten ausgeglichen. Doch das kann kein Dauerzustand sein.

Krankenkasse will Kosten nicht übernehmen

Paul
Paul mit dem, was er am liebsten isst: Ein Apfel. Aber es muss unbedingt ein roter Apfel sein. Selektive Essstörung ist kein Fimmel - selektive Essstörung ist eine ernst zu nehmende Krankheit.
© Peggy Lux, RTL

Eine Einrichtung in Graz bietet eine spezielle Therapie für Kinder wie Paul an. Doch die Kosten von 8.640 € will die Krankenkasse nicht übernehmen. Deswegen hat Peggy einen Spendenaufruf auf der Seite "Gofundme" ins Leben gerufen. "Diese Zeilen fallen mir als Mama unheimlich schwer, andere um Hilfe bitten um so mehr", schreibt sie dort. "Dennoch sehe ich keine Alternative, um meinen Sohn zu helfen."

Auf den ersten Blick, beschreibt sie ihren Sohn dort, sei Paul ein ganz normaler Junge: Er spielt gerne Lego, hört gerne Hörspiele, mag Fahrrad fahren oder ärgert seinen kleinen Bruder Till. Aber die Krankheit führt eben auch zu großen seelischen Belastungen: "Er wird geärgert und ausgegrenzt aufgrund seines Essverhaltens und seiner Wahrnehmung", bescheibt Peggy die Situation. "Was das auf Dauer mit einer Kinderseele macht, brauche ich nicht zu erwähnen." 

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Spendenaufruf macht Hoffnung

Trotz der schwierigen Situation gibt es inzwischen auch Erfolge zu feiern: 2.247 € haben großherzige Menschen bisher schon für Paul gespendet, und der Kleine ist seit einen Jahr in ergotherapeutischer Behandlung. Durch Rollenspiele mit Plüschtieren lernt er dort, neue Lebensmittel anzufassen und zu probieren. Aber das lasse sich leider bisher nicht in die Alltagssituation umzusetzen. Alle Hoffnungen liegen also jetzt auf der Therapie in Graz.

Daran erkennen Sie eine selektive Essstörung

Dass die Kinder nichts oder nur das Eine essen wollen, liegt oft daran, dass sie Angst vor dem Neuem haben. Das nennt sich Neophobie - oder auch Essens-Neophobie. Dann wünschen sie sich tagelang nur die bekannten und geliebten Nudeln und lassen Erbsen und Möhren auf dem Teller liegen. Diese Phase ist normal und kein Grund zur Sorge. In der Regel mögen die Kleinen nach mehrmaligem Probieren das Gemüse - auch wenn sie es vorher verschmäht haben.

Problematisch wird es, wenn das Kind diese Phase nicht verlässt und sich sein Verhalten auch noch nach dem sechsten Lebensjahr nicht verbessert. Spätestens wenn das Kleine an Gewicht verliert, weil es zu wenig isst, sollten die Alarmglocken läuten.

Viele Eltern geben sich die Schuld für das Verhalten ihrer Kinder. Doch das ist in den meisten Fällen unbegründet. Denn eine selektive Essstörung ist eine Krankheit. Hilfe erhalten sie bei Einrichtungen und Vereinen wie ANAD, die sich auf Esstörungen insbesondere bei Kindern spezialisiert haben.

Im Video: Chantal litt an Orthorexie - wenn gesundes Essen zum Zwang wird

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