Schuldenfallen: Von Jobverlust bis Scheidung

Schuldnerberater wie Peter Zwegat versuchen, die Schulden in den Griff zu bekommen. Mit einem Haushaltsplan werden Einnahmen und Ausgaben gegenüber gestellt.

23. Februar 2016 - 13:25 Uhr

Aufgepasst bei Geldfragen

Jeder zehnte Erwachsene hat mit Schulden zu kämpfen - insgesamt fast zehn Millionen Deutsche. Alarmierend ist vor allem, dass mehr als ein Viertel der Verschuldeten jünger als 30 Jahre alt sind.

Und es sind nicht nur ein paar Euro, um die es da geht. Wer in den Roten Zahlen steckt, der hat im Bundesdurchschnitt gleich zirka 34.000 Euro Schulden. Ein satter Batzen. Wir decken die größten Schuldenfallen auf - und zeigen Wege aus der persönlichen Finanzkrise.

Schuldenfalle 1: Der Jobverlust.

Häufig der Hauptgrund für Schulden. Selbst bei Zahlung der Arbeitslosenversicherung brechen Betroffenen bis zu 40 Prozent des Einkommens weg. Die laufenden Kosten aber bleiben bestehen.

Empfehlung: Legen Sie sich ein Geldpolster an, wenn die finanziellen Möglichkeiten vorhanden sind. So sind Sie für den Jobverlust gerüstet. Außerdem gilt: Mit aller Kraft neue Arbeit suchen und nicht in der Wohnung herumlungern. Außerdem: Kosten minimieren. Brauchen Sie wirklich ein Auto? Gibt es einen günstigeren Handy-Vertrag?

Schuldenfalle 2: Scheidung/Trennung

Wenn eine Beziehung in die Brüche geht, fliegen oft die Fetzen. So ein Rosenkrieg kann teuer werden: Durch eine Auszug entstehen Kosten - durch die Hilfe von Rechtsanwälten ebenfalls.

Empfehlung: Gemeinsame Konten mit dem Ex-Partner am besten sofort stilllegen. Als Frau nie auf Unterhalt verzichten, zur Not erst mal das Jugendamt um Vorschuss bitten. Väter sollten Unterhalt vorrangig zahlen, weil sonst verschärfte Pfändung droht. Und: Vergessen Sie trotz persönlicher Krise das Wohl der Kinder nicht.

Auf Dispo-Kredit achten

Schuldenfalle 3: Dispo-Kredit

Wer sein Konto überzieht, muss mit hohen Dispokosten rechnen. 13 Prozent für einen Dispo-Kredit sind keine Seltenheit. Wer den individuellen Disporahmen übersteigt, kann sogar mit bis zu 20 Prozent belastet werden.

Empfehlung: Wenn irgendwie möglich, den Dispo nur kurz und in geringem Ausmaß nutzen. Noch besser: Den Kredit in einen günstigeren Ratenkredit umwandeln. Eine solche Maßnahme sollten Sie mit Ihrem Bankberater besprechen. Außerdem sinnvoll: Das Dispolimit begrenzen lassen.

Schuldenfalle 4: Immobilien-Finanzierung

Auch, wenn die Schulden für Bau-Kredite derzeit recht niedrig sind und entsprechend überall beworben werden - Kredit- und Nebenkosten werden unterschätzt, die eigene Finanzkraft wird meist überschätzt! Oft ist eine Nachfinanzierung nötig, damit steigt jedoch die Belastung und der Schuldenberg wächst schneller.

Empfehlung: Zur Sicherheit sollten Sie Ihren Finanzierungsplan vorher mit der Verbraucherzentrale oder einem kompetenten Partner durchspielen. Außerdem mindestens 25 Prozent Eigenkapital mitbringen. Mehrere Baugeldangebote vergleichen, öffentliche Förderung prüfen. Und: Überschätzen Sie die Eigenleistung auf keinen Fall.

Schuldenfallen: Von Jobverlust bis Scheidung
© dpa, C3295 Uwe Zucchi

Schuldenfalle 5: Kauf auf Pump

Zu leicht lässt man sich von verlockenden Angeboten zum Kauf reizen. Und plötzlich merken Sie dann, dass der Ratenkauf Sie überfordert. Oder mehrere Ratenkäufe Ihr Finanzniveau übersteigen.

Empfehlung: Raten können ein unterschätzter Einstieg in die Schuldenfalle sein. Lassen Sie sich vor einem Kauf die wahren Kosten vorrechnen. Außerdem sollten Sie die Zinsen vergleichen. Wenn Portemonnaie und Konto leer sind, auf unnötige Ratenkäufe verzichten. Ganz einfach.

Schuldenfalle 6: Handy

Es gibt Sachen, an denen man äußerst ungern spart. Dazu gehört leider auch das Handy, das wir als unseren treuesten Begleiter stets mit uns führen. Gerade jüngere Menschen benutzen ihr Mobiltelefon häufig gedankenlos und telefonieren, als wäre es kostenlos. Das böse Erwachen kommt meist am Monatsende mit der Rechnung.

Empfehlung: Verlangen Sie von ihrem Mobilfunkanbieter einen Einzelverbindungsnachweis. Dann sehen Sie schwarz auf weiß, welches Telefonierverhalten Sie haben. Dann können Sie entsprechend planen, wo Sie sich möglicherweise einschränken können. Ob bei den SMS, langen Auslandsgesprächen oder wo auch immer. Wer erreichbar sein will und wenig telefoniert, sollte Prepaidkarten nutzen. Da hat man auch gleich eine Finanzkontrolle.

Für Krankheit vorsorgen

Schuldenfalle 7: Krankheit

Meist erwischt es einen, wenn man es gar nicht gebrauchen kann. Doch wann ist schon der richtige Zeitpunkt, um krank zu werden? Den gibt es nicht! Besonders schuldengefährdet sind Arbeitnehmer, die kein Krankengeld von ihrer Firma bekommen, also insbesondere Selbstständige und Freiberufler. In diesem Fall sollte man sich zusätzlich versichern, um einen Verdienstausfall zu kompensieren. Bei längerer Krankheit gibt es dann ohnehin nur noch Krankengeld (in der Regel zehn bis 20 Prozent vom letzten Nettogehalt.), in ernsten Fällen droht auf Dauer Erwerbsunfähigkeit mit noch höheren Verlusten.

Empfehlung: Kostenübernahmen durch Krankenkasse ausschöpfen, ggf. Kasse wechseln. Möglichst kleine Finanzreserve für Krankheit oder medizinische Sonderausgaben ansparen.

Schuldenfalle 8: Unkontrollierter Kaufrausch

Hört sich etwas realitätsfern an, aber es gibt tatsächlich Menschen, die zeitweise in einen echten Kaufrausch verfallen. Dann gibt es unkontrollierte Lustkäufe, häufig auch im Internet oder im Laden mit der gern gezückten Kreditkarte.

Empfehlung: Wenn bei Ihnen die Gefahr von Lustkäufen besteht, hinterfragen Sie kritisch, was Sie sich wirklich leisten können und was Sie wirklich brauchen. Übrigens: Wer Kreditkartenschulden nicht sofort begleicht, zahlt bis zu 18 Prozent Zinsen.