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Scharfstoff aus Pfeffer gelangt in die Muttermilch: Babys mögen später, was Mama jetzt isst

Mögen Sie gerne scharfes Essen?

Scharfstoff aus Pfeffer gelangt in die Muttermilch: Babys mögen später, was Mama jetzt isst

Mutter stillt ihr Baby
Isst Mama gerne scharf, könnte ihr Kind das später auch besser vertragen.
Getty Images/iStockphoto, evgenyatamanenko

Pfeffer auch fürs Baby

Was wir gerne essen, entscheidet sich offenbar schon im Säuglingsalter – und zwar über die Muttermilch. Wie Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) herausfanden, gelangt der Scharfstoff Piperin nach dem Essen eines pfefferhaltigen Currygerichts auch in die Milch stillender Frauen. Laut der Forscher könnte das dazu beitragen, dass wir später eher scharfes Essen essen können.

Aroma- und Geschmacksstoffe teilweise in Muttermilch

Verschiedene Studien lassen darauf schließen, dass das frühkindliche „Geschmackserlebnis“ auch das Ernährungsverhalten im Erwachsenenalter beeinflusst. Kein Wunder, ist die Muttermilch doch in der Regel die erste Nahrung, die Babys zu sich nehmen. Je nachdem, was die Mutter isst, schmeckt und riecht die natürliche Muttermilch jeden Tag etwas anders – im Gegensatz zu standardisierter Säuglingsnahrung.

Der Geschmack der von der Mutter gegessenen Nahrung überträgt sich allerdings nicht eins zu eins auf den Geschmack der Milch, heißt es in der von der Technischen Universität München (TUM) und dem Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der TUM (LSB) herausgegebenen Pressemitteilung. Zwar wisse man, dass geruchs- oder geschmacksaktive Stoffe aus Knoblauch oder Kaffee in die Muttermilch gelangen können. Aromastoffe aus Fischöl oder Stilltee fielen hingegen kaum oder gar nicht ins Gewicht.

Was ist mit Schärfe?

Doch was ist mit Schärfe? Das wollte auch das Wissenschaftler-Team der TUM wissen und untersuchte, inwieweit sich scharf schmeckende Substanzen aus Chili, Ingwer oder Pfeffer in der Muttermilch wiederfinden. Wie die Forscher herausfanden, war der Scharfstoff aus Pfeffer, Piperin, bereits eine Stunde nach dem Verzehr eines standardisierten Currygerichts für mehrere Stunden in der Milch nachweisbar, während die Scharfstoffe aus Ingwer oder Chili sowie der ebenfalls reichlich im Curry enthaltene sekundäre Pflanzenstoff Curcumin nicht in die Milch gelangten.

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Schmecken Scharfstoffe für Babys auch scharf?

Stellt sich die Frage: Schmeckt die Piperin-haltige Muttermilch auch scharf für das Baby? Vermutlich nicht, erklärt Roman Lang, der zunächst als Wissenschaftler an der TUM und später am Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie (LSB) an der Studie beteiligt war, in der Pressemitteilung: „Dass die Säuglinge, die Schärfe bewusst wahrnehmen, erscheint uns eher unwahrscheinlich zu sein. Dennoch wäre es denkbar, dass eine regelmäßige, niederschwellige Aktivierung des ‚Scharfstoff-Rezeptors‘ TRPV1 dazu beitragen könnte, die spätere Toleranzgrenze für solche Stoffe zu erhöhen.“

Heißt konkret: Bekommen wir als Babys öfter den in Pfeffer enthaltenen Scharfstoff Piperin über die Muttermilch, empfinden wir später Scharfes vermutlich als nicht ganz so scharf – und mögen scharfes Essen darum möglicherweise lieber. (akr)