Freiburg ist DAS Überraschungsteam

Plötzlich Bayern-Jäger

Christian Streich
Christian Streich
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31. Oktober 2021 - 12:29 Uhr

Freiburg heiß auf Spitzenspiel gegen Bayern

Am kommenden Wochenende steigt das wohl ungewöhnlichste Bundesliga-Spitzenspiel seit Langem. Denn wenn der SC Freiburg zum großen FC Bayern reist, spielt der Erste gegen den Dritten. Gewinnt Freiburg, sind sie sogar punktgleich mit dem Meister. Was ist da los im Breisgau?

Wie ein Spitzenteam

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Gute Laune beim SC Freiburg.
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Sie sind und bleiben die "Unbezwingbaren" der Bundesliga. Auch am 10. Spieltag war das Team von Trainer Christian Streich wieder mal nicht zu schlagen. Beim 3:1 gegen Greuther Fürth sah es zu keiner Zeit danach aus, als käme der SCF ins Wanken.

"Im Stile einer Spitzenmannschaft" wäre die passende Phrase. Nun haben die Freiburger in dieser Saison nicht "nur" gegen Aufsteiger Fürth gewonnen, sondern unter anderem schon gegen Dortmund und Wolfsburg. Die Südbadener sind die große Überraschung der Liga und ja: eine Spitzenmannschaft.

Klar, höchste Fußballkunst lieferte der SCF gegen Fürth nicht gerade, und unter der Woche zitterte sich das Streich-Team erst im Elferschießen gegen Drittligist Osnabrück im Pokal weiter. "Wir sind am Dienstag bis an die Kante gegangen", sagte Coach Streich zum Elfmeter-Krimi am Mittwoch. "Osnabrück war…puh. Und dass die Mannschaft dann heute das Spiel gewinnt, das ist toll."

So lief es gegen Fürth deutlich entspannter. Zweites Spiel im neuen Stadion, der erste Sieg. Freiburg liefert in dieser Spielzeit oft Entertainment wie die Attraktionen des Namensgebers für das neue Stadion.

Freiburger Betonwerke

Die Stärke der Freiburger ist wie so oft das Kollektiv, zusammengestellt von Streich. Dennoch ragen auch Einzelkönner heraus. Die Defensive mit nur sieben Gegentoren ist die stabilste der Liga. Abwehrmann Nico Schlotterbeck hält den Laden zusammen, im Mittelfeld zieht Routinier Vincenzo Grifo die Fäden und behält wie gegen Fürth vom Punkt die Nerven. "Wir erkämpfen uns die Siege und der liebe Gott schaut zu und belohnt uns", lautete sein simples und zugleich übernatürliches Fazit in der ARD zur Erfolgsgeschichte. In der Offensive wirbeln Lucas Höler und Woo-yeong Jeong, immer wieder gefüttert von Nationalspieler und Linksaußen Christian Günter.

Und siehe da: Nach zehn Spielen ist Freiburg immer noch ungeschlagen. In den europäischen Top-Ligen sind das ansonsten nur Liverpool, Neapel und AC Mailand. Was für eine Liste, in die sich das Team aus dem Breisgau einreiht. Die 22 Punkte bedeuten Rang drei und auch: Spitzenspiel-Alarm am kommenden Samstag.

Denn dann geht es gegen die Bayern. Ein Topspiel, klar. Das kann auch Streich trotz traditionellem Understatement nicht die Augen vor verschließen: "Es ist ein Spitzenspiel, das kann ich nicht leugnen."

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"Zieht den Bayern die Lederhosen aus"

Die Marschroute: genießen! "Schauen wir mal, wie viele Spitzenspiele wir danach noch haben. Aber dass wir jetzt eines haben, ist schön." Dass es nach einer Klatsche gegen die Bayern schnell wieder runtergehen kann auf der Bundesliga-Achterbahn, erlebt in gefühlter Regelmäßigkeit Bayer Leverkusen. Vorsicht ist also durchaus angebracht. Freiburgs Sportvorstand Jochen Saier sprach von einer "besonderen Situation" für seinen Club, weil "es ein Spitzenspiel nicht nur wegen der Bayern ist - sondern auch wegen uns".

Ein Sieg fehlt Freiburg noch, um den Vereinsrekord zu brechen. Zehn Spiele ohne Pleite in Serie schafften sie bislang auch 2001 und 2012. Der Vorsprung auf einen Champions-League-Platz beträgt immerhin schon sechs Zähler. So scheint über dem Breisgau wie so oft die Sonne.

"Ich bin nicht unzufrieden. Es geht einem gut, wenn man nicht verliert", sagte der gut gelaunte Streich nach der Partie am Samstag. "Unsere derzeitige Situation führt schon zu einer gewissen Gelassenheit, ich fühle weniger Druck. Viele Sachen funktionieren sehr gut. Die Mannschaft präsentiert sich sehr stabil und sehr hungrig."

Gut fühlen sich auch die Anhänger der Freiburger. Deren Ansage fürs kommende Wochenende ist schon mal klar: "Zieht den Bayern die Lederhosen aus", hallte es am Samstag durchs Europa-Park-Stadion. (msc)