Anwältin klärt auf

Satte Preiserhöhungen bei McFit: Das sollten Bestandskunden jetzt tun!

Fitness-Studios drängten während der Pandemie auf Vertragseinhaltung - doch jetzt gibt's von McFit eine Preiserhöhung, auch für Bestandskunden.
Fitness-Studios drängten während der Pandemie auf Vertragseinhaltung - doch jetzt gibt's von McFit eine Preiserhöhung, auch für Bestandskunden. (Foto: Archiv)
Fotostand / Reuhl, picture alliance, dpa

von Ingo Jacobs

Bei der großen und beliebten Fitness-Studio-Kette McFit werden die Preise drastisch erhöht. Betroffen: Neu- und Bestandskunden! Die sind jetzt mächtig sauer. Wir haben bei McFit nachgefragt, bei wem genau und warum die Preise so drastisch erhöht werden und eine Rechtsanwältin gibt Auskunft, ob ein Sonderkündigungsrecht besteht und was Bestandskunden jetzt tun sollten.

Ein Plus von satten 25 Prozent

Viele McFit-Kunden sind aktuell stinksauer. Denn die Fitnesskette kündigte an: „Verträge mit einem monatlichen Beitrag von bis zu 19,90 Euro (Basic), sowohl Flex- als auch Laufzeitverträge, werden auf 24,90 Euro angepasst“. Das ist ein Plus von satten 25 Prozent! Diese neue Preis-Regelung gilt damit bereits in anderthalb Wochen. Wir haben bei McFit nachgefragt: Wie kommt es zu einer so massiven Preissteigerung? „Durch die monatelange Schließung der Studios, den nachhaltigen Rückgang an Neuverträgen, die Zunahme an Kündigungen und die im Gegenzug für uns als Unternehmen immer teurer werdenden Kosten für den operativen Betrieb unserer Anlagen, müssen auch wir reagieren“, sagt uns Pierre Geisensetter, ehemaliger TV-Star und jetzt Kommunikationsleiter der Studiomarken RSG Group.

Betroffene Kunden erhalten alle Vorteile aus dem Premiumtarif

Moderator und Kommunikationsleiter der Studiomarken RSG Group, Pierre Geisensetter
Moderator und Kommunikationsleiter der Studiomarken RSG Group, Pierre Geisensetter: "Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Monaten leider rapide geändert." (Foto vom 03.04.2019)
Annette Riedl, picture alliance, dpa

Es ist wohl nicht falsch zu mutmaßen: Pandemie, steigende Energiekosten und Ukraine-Krieg spielen hier eine tragende Rolle. Allerdings betont das Unternehmen: "Bestandskunden erhalten gleichzeitig alle Vorteile aus dem aktuellen Premiumtarif und damit mehr Leistung als bisher."
Trotzdem: Wie sieht es in diesem Fall mit einem Sonderkündigungsrecht aus? "Grundsätzlich sind bestehende Verträge so einzuhalten, wie sie abgeschlossen werden, also auch über die gesamte Laufzeit", sagt Rechtsanwältin Nicole Mutschke auf RTL-Nachfrage. Das ist allerdings anders, wenn Preisänderungsvorbehalte in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgehalten sind.

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Rechtsanwältin stellt klar: Preiserhöhung ist nicht gerechtfertigt

Nach Durchsicht eines betroffenen McFit-Vertrages stellt Mutschke aber fest: Die Preisanpassung ist nicht gerechtfertigt. Man könne juristisch eine „Störung der Geschäftsgrundlage“ aufgrund der Pandemie erkennen, nach der Vertragsanpassungen durchgeführt werden können, wenn sich die Vertragsumstände nach Vertragsschluss schwerwiegend verändert haben. „Das sind aber echt Ausnahmefälle, die ich hier nicht sehe“, so die Rechtsanwältin. Auch die Stellungnahme von McFit reiche da als Begründung nicht aus.

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Anwältin Nicole Mutschke
Anwältin Nicole Mutschke erklärt, wie es bei einer Preissteigerung für Bestandskunden mit einem Sonderkündigungsrecht aussieht.
RTL

Fitness-Studios drängten während Pandemie auf Vertragseinhaltung

„Mir scheint eher, dass McFit hofft, dass die Kunden sich nicht wehren“, erklärt sie. Oder dass die Kunden zunächst nichts von der Preiserhöhung merken, weiter zahlen und später Geld zurückverlangen. Dabei seien es die Fitness-Studios gewesen, die während der Pandemie immer auf die Einhaltung der Verträge durch die Kunden gedrängt haben. „Nun muss sich eben auch McFit an den Verträgen festhalten lassen“, so Mutschke.

Was müssen betroffene Kunden jetzt tun?

Eigentlich nichts – vor allem nicht die erhöhten Gebühren bezahlen! „Natürlich fallen weiter die ursprünglich vereinbarten Gebühren an und diese müssen auch pünktlich gezahlt werden, mehr aber nicht“, erklärt Mutschke uns. „Wenn Kunden gerne reagieren möchten, dann können diese sich natürlich – am besten schriftlich – an McFit wenden, darauf hinweisen, dass hier ein Vertrag besteht, wonach sie als Kunde für eine bestimmte Gebühr die Angebote von McFit nutzen dürfen, daher keine Rechtsgrundlage für die Gebührenerhöhung erkennbar ist und sie somit McFit auffordern, den einmal geschlossenen Vertrag ordnungsgemäß zu den vereinbarten Gebühren zu erfüllen.“

Vorsicht bei Lastschrifteinzug!

Wirklich etwas falsch machen Kunden nur dann, wenn ihnen bewusst ist, dass sie die Erhöhung eigentlich nicht zahlen müssen, das aber trotzdem tun. Dann wird man dieses Geld nicht mehr zurückfordern können. Daher gilt es bei Lastschrifteinzug: Sofort schriftlich und per Einschreiben widerrufen und stattdessen einen Dauerauftrag über die ursprüngliche Vertragssumme einrichten.