"Ich fühle mich sehr, sehr gut"

Rückblick nach Rücktritt: Warum Katja Suding (44, FDP) mit der Politik Schluss macht

Katja Suding möchte sich aus der Politik zurückziehen.
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17. September 2020 - 9:31 Uhr

"Ich habe mir das immer so gewünscht"

Gut ein halbes Jahr nach der Wahlschlappe der FDP in Hamburg hat die Landesvorsitzende Katja Suding überraschend ihren Rückzug aus der Politik angekündigt. Das war vor gut einer Woche. Wir treffen die 44-Jährige an der Hamburger Alster und fragen sie, was ihre Pläne für die Zukunft sind:

Frau Suding, wie war denn die erste Woche, nachdem die Neuigkeit raus ist?
 
"Ich bin froh und erleichtert. Das ist ja ein Schritt, den ich mir sehr gut überlegt habe, hinter dem ich auch voll stehe. Ich bin auch ganz happy über die Reaktion. Da war ganz viel Anerkennung und Respekt für diesen Schritt dabei, auch viel Dankbarkeit. Ich habe viele schöne Rückmeldungen bekommen und fühle mich einfach sehr, sehr gut."

Sie werden das ja auch gerade oft gefragt, weil sich auch viele wundern. Das ist ja auch nicht häufig, dass jemand aus so einer Spitzenposition freiwillig ausscheidet und mittendrin sagt: Ich gehe. Dann kommt ja doch häufig die Frage: Da muss doch etwas hinterstecken.

"Ich bin schon fast verwundert, wie oft ich diese Frage bekomme, weil offenbar ist es wirklich besonders. Für mich war es immer ein konsequenter, logischer Schritt. Ich bin damals ganz plötzlich und selbstbestimmend in die Politik gekommen, das war mir dann auch immer klar, dass ich auch so rausgehe. Ich habe mir das immer so gewünscht und jetzt kommt es auch so und das finde ich super."

Was sind denn – wenn wir jetzt schon beim Rückblick sind - was werden denn Ihre ganz besonderen Meilensteine sein? Woran werden Sie sich besonders erinnern?

"Ich werde mich natürlich an die Hamburg-Wahlen erinnern: 2011 und 2015. 2011 als ich komplett neu in die Politik kam und überhaupt nicht wusste, was da eigentlich passiert und wir ja nach dem Koalitionsbruch vorgezogene Neuwahlen hatten. Ein kurzer knackiger Wahlkampf. Und wir es dann geschafft haben, obwohl jeder geglaubt hat, dass wir es nicht schaffen werden. Das war schon eine besondere Zeit. Dann das erste Jahr in der Hamburgischen Bürgerschaft, wo ich gleich Fraktionsvorsitzende war und keine Ahnung hatte von den Abläufen im Parlament und nicht wusste, was da eigentlich passiert. Wir uns da auch als neue Fraktion neu finden mussten. Das erste Jahr war schon echt eine harte Zeit sich da reinzufinden, aber auch unglaublich spannend. Das werde ich nicht vergessen. Und natürlich auch den Wahlkampf 2015: Das war es ja wieder Spitz auf Knopf, da hat wieder keiner geglaubt, dass wir es schaffen. Wir haben es dann aber geschafft, das war auch wieder ein wichtiger Baustein für die Bundes-FDP. Wir waren ja 2013 aus dem Bundestag geflogen."

Warum sie ihren Sohn auf den Fluren im Deutschen Bundestag trifft

Was werden Sie denn nicht vermissen?

"Die langen Sitzungen. Das viele Gerede. Mit den Gremiensitzungen und vieles, was damit verbunden ist, hatte ich schon immer meine Schwierigkeiten. Ich habe immer versucht, wenn ich selber die Sitzung geleitet habe, dass es dann wirklich stringenter und schneller ging und gut vorbereitet wurde. Einfach auch aus Respekt den Teilnehmern gegenüber, die ihre Zeit ja auch opfern."

Jetzt ist ja die Nachricht schon ein paar Tage raus. Kamen da denn schon die ersten Angebote? Frau Suding, wir hätten Sie gerne?

"Ja!"

Und schon was dabei?

"Nein, das ist jetzt auch überhaupt kein Thema für mich. Ich will mich jetzt auch nicht um den Herbst 2021 kümmern, sondern auf das Jahr, was vor uns liegt. Der Bundestagswahlkampf, das ist jetzt das, was ich jetzt im Fokus habe."

Ihr Sohn hat gerade Abitur gemacht, ist 18 Jahre alt. Der macht jetzt ein Praktikum im Bundestag. Wie ist denn das jetzt, findet da der Staffeltausch in Berlin statt?

"Ja, soweit würde ich nicht gehen. Aber es ist schon lustig, dass der Sohn, der inzwischen auch sehr groß ist, jetzt im Deutschen Bundestag ist und ich ihm auf den Fluren begegne und er da seine ersten Erfahrungen in der Politik macht. Ihm gefällt das sehr gut und das finde ich schön und toll, dass er da reinschnuppert und sich seine eigenen Gedanken macht."

Und wenn er sagen würde: Mama, ich gehe in die Politik.

"Dann soll er das tun. Also wenn einer weiß, was das möglicherweise bedeuten könnte, dann natürlich meine Söhne, die ja über viele Jahre miterlebt haben, wie das für mich ist. Sie sind auch oft mit mir in Berlin gewesen, im Hamburger Rathaus, die haben viel mitbekommen. Die kennen Parteitage, die kennen Gremiensitzungen. Die haben viel gesehen und erlebt."

Was würden Sie ihm raten?

"Gar nichts. Das soll er schön selbst entscheiden. Er soll auf sein Herz hören, was er gerne machen möchte. Da braucht er keine Ratschläge von Mami."

"Wir dürfen unseren Kindern das Recht auf Bildung nicht länger vorenthalten"

Ein Jahr haben Sie noch. Wie blicken Sie auf dieses Jahr? Da blickt man ja auch anders drauf.

"Ja, es ist natürlich schon anders, wenn man weiß, dass es das Letzte ist. Ich freue mich, bin total motiviert, mein Team auch. Wir haben noch ganz ganz viele Ideen, was wir machen wollen. Gerade im Bildungsbereich, da haben wir in diesem Jahr wirklich gesehen, wo die Probleme im Bildungssystem liegen – durch Corona, durch das Homeschooling, was nicht funktioniert hat. Und da haben wir so tolle Ideen noch und da werden wir die Bundesbildungsministerin noch ordentlich vor uns hertreiben. Da muss sehr, sehr viel mehr passieren. Wir dürfen unseren Kindern das Recht auf Bildung nicht länger vorenthalten. Das muss viel mehr passieren. Auch für Kinder aus Elternhäusern, wo es ein bisschen schwieriger ist, das muss besser werden. Die Schere zwischen Kindern, denen es gut geht und denen es nicht so gut geht, geht da einfach viel zu stark auseinander."

Sie halten uns auf dem Laufenden, was dann danach kommt.

"Gerne."

Vielen Dank.