RTL News>Rtl Hessen>

Recherchenetzwerk untersucht Hanau-Anschlag: „Was wir sehen ist komplette Polizeiinkompetenz."

Funkfehler, Hubschrauber ohne Ziel & ein schlecht bewachtes Täterhaus

Recherchenetzwerk untersucht Hanau-Anschlag: „Was wir sehen ist komplette Polizeiinkompetenz."

„Was wir sehen ist komplette Polizeiinkompetenz." Recherchenetzwerk untersucht Hanau-Anschlag
02:42 min
Recherchenetzwerk untersucht Hanau-Anschlag
„Was wir sehen ist komplette Polizeiinkompetenz."

30 weitere Videos

Am Abend des 19. Februar 2020 erschießt Tobias R. neun Menschen in Hanau – aus rassistischen Motiven. Auch zwei Jahre nach der Tat sind für die Angehörigen der Verstorbenen noch viele Fragen offen. So war beispielsweise der Notruf der Polizei nicht erreichbar. Die Opferinitiative „19. Februar“ hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Tatnacht rekonstruiert. Und dieses Gutachten soll vor allem eines zeigen: Fehler über Fehler. Mehr im Video.

"Wir sehen Fehler, Fehler, Fehler!"

„Was wir sehen ist komplette Polizeiinkompetenz. Wir sehen Fehler, Fehler, Fehler. Und dann fragen wir uns: Gehören diese Fehler zu einem systematischen Problem?“, so Eyal Weizmann vom Rechercheteam „Forensic Architecture“. Dieses hat sich auf räumliches Denken spezialisiert und die Tatnacht rekonstruiert. So soll es Fehler beim Funk gegeben haben und die Besatzung des Polizeihelikopters hatte wohl keine Ahnung, wohin sie fliegen sollen. Auch das Haus des Täters soll schlecht bewacht worden sein. Nach den Rechercheergebnisse hätte Tobias R. zwei Stunden Zeit gehabt, sein Haus wieder zu verlassen und seine Mordserie fortzusetzen. „Der Täter war in dieser Nacht die gefährlichste Person in Deutschland und die Polizei hat die Menschen nicht vor ihm geschützt“, so Weizmann.

Kundgebung in Hanau
Auf der Kundgebung in Hanau wurde sechs Monate nach dem Anschlag der Opfer gedacht. Foto: Boris Roessler/dpa
deutsche presse agentur

Das Team zeigt seine Rechercheergebnisse unter dem Titel „Three Doors“ aktuell im Frankfurter Kunstverein. Die Ausstellung soll die Schreckensnacht von Hanau begreifbar machen und die laufenden Untersuchungen zum Hanau-Attentat weiter vorantreiben. Armin Kurtovic hat seinen Sohn Hamza am 19. Februar verloren. Er will endlich eine Erklärung dafür, was in der Schreckensnacht wirklich passiert ist: „Man kann es nicht ändern, aber wenigstens, dass einer kommt und sagt: Es tut uns leid, wir waren überfordert – irgendeine Entschuldigung und wir werden daraus Lehren ziehen, dass es in Zukunft nicht mehr passiert. Stattdessen hört man: Exzellente Polizeiarbeit, ich gratuliere.“

Bis zum 11. September ist die Ausstellung noch geöffnet – die Angehörigen der Verstorbenen hoffen, dass sie bis dahin endlich Antworten auf ihre Fragen bekommen werden. (tri/apo/dgö)