Startrainer mit einem ehrlichen Brief

Zinedine Zidane vermisst den Respekt und zieht sich zurück

31. Mai 2021 - 10:43 Uhr

Nach einer Saison ohne Titel

"Man hat vergessen, was ich alles täglich aufgebaut habe." So wird Zinedine Zidane in einem Zeitungsbericht nach seinem Abschied von Real Madrid zitiert. Es steckt Verzweiflung in diesen Worten und auch Wut. Es ist nicht nur die zurückliegende Saison ohne einen Titel für die Königlichen, die Zidane zum Abschied bewogen hat. Der erfolgreichste Trainer der Vereinsgeschichte hat den Respekt vermisst.

Zidane vermisst die Unterstützung

Der französische Startrainer Zinedine Zidane hat sich der Sportzeitung "AS" zufolge in einem bitteren Abschiedsbrief an seinen bisherigen Herzensclub Real Madrid gewandt. "Ich gehe, weil ich das Gefühl habe, dass der Verein mir nicht mehr das nötige Vertrauen entgegenbringt und die Unterstützung gewährt, um mittel- oder langfristig etwas aufzubauen", wird sein offener Brief zitiert. Zidane ist bitter enttäuscht: "Man hat vergessen, was ich alles täglich aufgebaut habe", schrieb der 48-Jährige demnach. Vergangenen Donnerstag hatte Real mitgeteilt, dass Zidane Real Madrid nach drei Jahren zum zweiten Mal verlassen werde - nach einer Saison ohne Titelgewinn.

"Ich verlange keine Privilegien"

"Ich hätte mir gewünscht, dass mein Verhältnis zum Club und zum Präsidenten in den letzten Monaten etwas anders gewesen wäre als das anderer Trainer. Ich verlange keine Privilegien, natürlich nicht, aber ein bisschen mehr Erinnerung", schrieb Zidane der "AS" zufolge. "Deshalb tat es sehr weh, als ich nach einer Niederlage in der Presse las, dass sie mich rausschmeißen würden, wenn ich das nächste Spiel nicht gewinnen würde. Es hat mich und das gesamte Team verletzt."

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Die Verabschiedung der Königlichen: recht nüchtern

"Zidane ist eine der großen Mythen"

(180528) -- MADRID, May 28, 2018 -- Real Madrid s head coach Zidane is thrown into the air by players during the celebration at Santiago Bernabeu Stadium in Madrid, Spain, on May 27, 2018. Real Madrid claimed the title of UEFA champions league in Kie
Königsklassen-Party 2018
© imago/Xinhua, Guo Qiuda, imago sportfotodienst

Für Real Madrid geht eine Zeit großer Erfolge und auch bitterer Niederlagen zu Ende. "Zidane ist eine der großen Mythen von Real Madrid, und seine Legende geht über das hinaus, was er als Trainer und Spieler unseres Vereins war. Er weiß, dass er im Herzen von Real Madrid ist und dass Real Madrid sein Zuhause ist und immer sein wird", schrieb der Verein auf seiner Webseite.

Ende Mai 2018 war Zidane überraschend schon einmal zurückgetreten - um dann im Frühjahr 2019 zurückzukehren. Der nun zweite Abschied des Franzosen, dessen Vertrag eigentlich noch bis Ende Juni 2022 gültig war, hatte sich zuletzt aber schon angedeutet. So soll er seinen Spielern bereits Mitte Mai vor dem letzten Spieltag mitgeteilt haben, dass er Real nach dieser Saison verlasse. Damit zog er wohl auch die Konsequenzen aus der Tatsache, dass die Königlichen in dieser Spielzeit erstmals seit elf Jahren keinen Titel eroberten.

Real äußerte sich nicht zu den Gründen für den vorzeitigen Abgang. "Jetzt ist es an der Zeit, seine Entscheidung zu respektieren und unsere Wertschätzung für seine Professionalität, sein Engagement und seine Leidenschaft in all den Jahren und für das, was seine Figur für Real Madrid darstellt, zu zeigen", würdigte der traditionsreiche Club.

Nachfolge von "Zizou" noch offen

Der Abschied Zidanes markiert tatsächlich das Ende einer erfolgreichen Ära bei Real: Gleich dreimal in Serie (2016, 2017, 2018) gewann der 1972 in Marseille geborene Starcoach mit Real die Champions League. Real verliere mit Zidane den "erfolgreichsten Trainer seiner Geschichte", schrieb die Sportzeitung "Marca" vergangene Woche. Mit Real feierte "Zizou", wie ihn seine Fans nennen, auch seinen einzigen Königsklassen-Triumph als Profi: Im Finale gegen Bayer Leverkusen erzielte Zidane am 15. Mai 2002 das spektakuläre 2:1-Siegtor.

Seine mögliche Zukunft ließ Zidane offen. Nur soviel: "Ich gehe, aber ich springe nicht aus dem Boot und habe es auch nicht satt, Trainer zu sein." In Medien war spekuliert worden, er könne Trainer von Juventus Turin werden oder französischer Nationaltrainer - und vielleicht auch einfach mal ein Jahr Pause machen. Wer Zidanes Nachfolge antreten soll, ist noch offen. Einige Kandidaten, wie der Italiener Massimiliano Allegri, sind vom Tisch. Und auch vom bisherigen Bundestrainer Joachim Löw ist nicht mehr die Rede. (lgr/ dpa)