Fußball-Hammer in Manchester

Rangnick und Ronaldo - passt das?!

Cristiano Ronaldo und Ralf Rangnick - bald vereint.
Cristiano Ronaldo und Ralf Rangnick - bald vereint.
© RTL Collage

26. November 2021 - 14:45 Uhr

Rangnick bald der Ronaldo-Boss

Ralf Rangnick ist reif für die Insel. Er machte einst Hoffenheim und Leipzig groß, zuletzt war er sportlicher Leiter in Russland. Jetzt wird er bald der neue Boss von Cristiano Ronaldo. Kann das funktionieren?

Er folgt Tuchel und Kloppo

Made in Germany: Das Gütesiegel zieht auch im Fußball. Ralf Rangnick wird, so berichten es mehrere Medien übereinstimmend, Interimstrainer von Manchester United und der dritte deutsche Coach in England. Nach Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, die schon beeindruckende Arbeit geleistet haben – samt Meistertitel und Champions-League-Krone. Und Rangnick? Kann er einen Mega-Star wie Ronaldo einfangen oder gar zähmen?

Die großen Stars oder Diven musste der 63-Jährige bei seinen vielen Stationen zwischen Reutlingen und Moskau bislang nicht dirigieren. Anders als beispielsweise Thomas Tuchel, der bei Paris Saint-Germain schon als Star-Dompteur auftrat.

Am ehesten war Rangnick in dieser Rolle vielleicht auf Schalke, als er vor zehn Jahren Spanien-Legende Raul und Klaas-Jan Huntelaar unter seinen Fittichen hatte. Dort feierte er auch seinen größten Erfolg in Deutschland. 2011 holte er mit den Königsblauen den DFB-Pokal. Im darauf folgenden Herbst trat er nach Burnout-Symptomen zurück.

Der Mann der Aufstiege

Rangnick ist ein Mann der Aufbauarbeit. Er stieg mit vier Teams auf, in Ulm marschierte er direkt von der Regionalliga (damals dritte Spielklasse) in die Bundesliga, trat aber vorher zurück. Auch in Hannover half er beim Aufstieg. Er war der Mann hinter dem sportlichen Erfolg der TSG Hoffenheim und bei RB Leipzig. Was ihm für viele Hardcore-Fans und Fußball-Romantiker zu einer Art Feindbild machte. Im Rangnick-Fokus standen immer: das Entwickeln junger Spieler. Dabei hatte Rangnick meist das Glück, mit viel Geld gepudert zu sein. Daran mangelte es in Hoffenheim und Leipzig nicht.

England reizte Rangnick schon lange, jetzt erfüllt sich sein Traum. Als Amateurspieler kickte er bereits auf der Insel, machte während des Studiums ein Auslandsaufenthalt in Südengland. Er spricht die Sprache fließend.

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Ein legendärer Auftritt bescherte ihm seinen Spitznamen

Der Schwabe war in den 1990er Jahren einer der großen Vordenker der deutschen Trainerschule. Und stammt aus dem Dunstkreis der "Stuttgarter Schule" – wie auch Klopp und Tuchel. Letzteren lotste er sogar zum VfB, trieb seine Karriere voran. Unvergessen ist sein Auftritt beim Sportstudio im Jahr 1998. Etwas kauzig erklärte der junge Rangnick, wie eine Viererkette funktioniert und hantierte an einer Tafel herum – damals war das noch Taktik-Neuland in Deutschland. Das brachte ihm den Spitznamen "Fußball-Professor" ein. Viererkette, Gegenpressing, ballorientiertes Verteidigen. Rangnick hatte seinen Anteil an der Taktik-Revolution der Bundesliga.

In Hoffenheim und Leipzig perfektionierten sie das aggressive Anrennen und den Überfallfußball, den auch schon Jürgen Klopp in Dortmund und Liverpool installierte. Die Frage ist: Was passiert, wenn ein Ronaldo nicht wie gewünscht anrennt? Das laufintensive Rangnick-System wird auch CR7 fordern.

Hat Ronaldo Bock auf Gegenpressing?

Rangnick eckte in seiner Karriere immer wieder an. Als nach dem Löw-Rücktritt ein neuer Bundestrainer gesucht wurde, fiel immer wieder sein Name. Er brachte sich auch selbst ins Spiel. Die Vorbehalte, so hieß es damals, seien beim DFB aber groß gewesen. Rangnick hat gerne das alleinige sportliche Sagen bei seinen Teams.

Bei United ist er nun nur für sechs Monate im Traineramt. Der Club sucht noch eine Dauerlösung. Anschließend soll Rangnick in die zweite Reihe treten und als Berater fungieren. Das ist wohl auch der Grund, warum er die Interimslösung überhaupt annimmt. Eigentlich sieht er sich nicht als Interimstrainer. Mit dieser Begründung hatte er damals den freien Chelsea-Job abgelehnt.

In England haben sie nach den aktuellen Meldungen fix ein altes Rangnick-Zitat ausgegraben. Messi und Ronaldo seien beide "zu alt" (damals 31) für sein Team (RB Leipzig), hatte Rangnick 2016 gesagt. Der Hintergrund: Bei seinen Mannschaften setzte er damals konsequent auf junge und entwickelbare Spieler.

Am Sonntag trifft United auf Chelsea und Rangnicks Ex-Weggefährten Tuchel. Das Spiel kommt aber noch zu früh für den 63-Jährigen. Letzte Details müssen noch geklärt werden. Das erste Spiel auf der Insel ist dann wohl gegen Arsenal am kommenden Donnerstag. Dann wird auch die Frage geklärt, ob Ronaldo auch in Manchester zu alt ist. (msc)