In diesem Jahr gibt es besonders viele

Quallenalarm an der Ostsee: So wird der Strandbesuch nicht zur Glibber-Partie

Die meisten Quallen an der Ostsee sind harmlos.
Die meisten Quallen an der Ostsee sind harmlos.
© dpa, Axel Heimken, wst

15. Juli 2021 - 10:51 Uhr

Planschen ohne Quallen?

Weißer Strand, blaues Meer – und glibberige Quallen: Die Meeresbewohner können den Sprung ins Wasser ganz schön vermiesen. An der Ostsee wird es von ihnen in diesem Jahr wohl besonders viele geben. Die Tierchen sind aber nicht nur eklig, einige Arten können für Schwimmer auch gefährlich werden. Doch wer sich vorher informiert, muss auf einen entspannten Strandurlaub trotzdem nicht verzichten.

Quallenvorkommen ist abhängig vom Wetter

Die schlechte Nachricht vorweg: Die Population der Quallen an der westlichen Ostsee nimmt zu, und das schon seit 20 Jahren. Das Jahr 2021 könnte sogar ein besonders quallenreiches werden. So zumindest lautet die Prognose der Quallenforscherin Jamileh Javid Pour. Zusammen mit ihren Kollegen untersucht sie das Gebiet schon seit 17 Jahren. In der Kieler Bucht sind die ersten Quallen bereits da und das früher als sonst. "Das Quallenvorkommen ist abhängig von Winterbedingung und Temperaturen. Wenn man einen milden Winter hat, dann erwartet man mehr Quallen", erklärt die Forscherin. Auch der kalte Frühling sorgt für mehr Quallen in der westlichen Ostsee. Der Wind spielt hier ebenfalls eine Rolle. So können sich hunderte Quallen an einem Strand ballen, während anderere Abschnitte nahezu quallenfrei sind.

Eine App soll bei der Vorhersage helfen

Badegäste müssen sich mit den glibberigen Tierchen in Zukunft also wohl arrangieren. Um eine bessere Vorhersage über das Vorkommen der Quallen zu treffen, arbeitet Javid Pour zusammen mit ihren Kollegen an einer Karte. "Es soll wie eine Wettervorhersagekarte aussehen, wo man eine Karte öffnet und man hat die Stellen wo man am meisten Quallen hat. (...) Also heute Feuerqualle, kann ich schwimmen gehen oder nicht."

Bevor die Karte genutzt werden kann, ist aber der Einsatz der Strandbesucher gefragt. Mit der App 'Jelly Spotter' - Quallenfinder – lassen sich Quallen einfach melden. "Wir als Forscher werden nie in der Lage sein, so viele Infos auf einmal zu sammeln. Je mehr die Badegäste die App benutzen, desto mehr Daten bekommen wir", erklärt Jamileh Javid Pour. Wer eine Qualle entdeckt, kann ein Bild davon hochladen und die Quallenart mithilfe einer Vorschlags-Liste bestimmen.

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In einigen Ländern wie Mallorca gibt es am Strand spezielle Flaggen, die vor Quallen warnen. In Deutschland ist das nicht der Fall. Die meisten Quallen in Nord- und Ostsee sind aber vollkommen harmlos. Dazu zählt die weit verbreitete Ohrenqualle. Ihr Körper ist durchsichtig mit vier weißen, rosa- oder lilafarbenen Ringen auf der Oberseite. Sie kann so groß wie ein Teller werden und ihre Berührung ist ungefährlich.

Anders ist es bei gelben Haar- oder Nesselqualle. Aufgrund ihres Aussehens wird sie auch als 'Feuerqualle' bezeichnet. Feuerquallen sind dunkelrot bis gelb und haben einen kompakt aussehenden Quallen­körper. Ihr Schirm kann ebenfalls etwa tellergroß werden. Für gesunde Menschen ist auch diese Qualle ungefährlich, Strandgäste sollten ihr aber aus dem Weg gehen. An den Tentakeln der Tiere sitzen Nessel­zellen, die bei Berührung das haut­reizende Nesselgift freisetzen. Das brennt auf der Haut wie eine Berührung mit Brennnesseln. Bei empfindlichen Menschen kann der Hautkontakt im schlimmsten Fall sogar für Magen- und Darmbeschwerden und Atem-, Herz-Kreislauf- oder Bewusstseinsstörungen sorgen. Auch tote Exemplare können übrigens Reaktionen auslösen.

Was tun bei Hautkontakt mit einer Qualle?

Wer eine Qualle berührt hat, sollte die Haut mit Meerwasser abspülen, um verbliebene Nesselzellen zu entfernen. Eine Brandsalbe lindert das Brennen und die Rötung. Alternativ eignet sich dafür auch ein einfaches Haushaltsmittel: Rasierschaum. Er sollte dick auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden, dann etwas eintrocknen und mit einer Plastikkarte oder einem Holzspatel abgeschabt werden. An bewachten Stränden helfen auch Rettungsschwimmer bei der Linderung der Symptome. Bei akuten Allergiereaktionen wie Atemnot oder Kreislaufproblemen sollten die Betroffenen oder Helfer dagegen schnell den Notarzt rufen. (lzi)