Q-Fieber in Niedersachsen Ärztin: "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen"

So einen Ausbruch gab es in Niedersachsen noch nie. Zwölf Menschen haben sich in Amt Neuhaus mit dem seltenen Q-Fieber angesteckt. Alle arbeiten bei einem Schäfer im Ort. Seit Oktober ist das Gesundheitsamt damit beschäftigt, die Infektionsquelle zu beseitigen.
Veterinäramt: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass es die Schafherde ist"
„Ist es ein Einzelfall, oder haben wir eine Infektionsquelle?” Vor dieser Frage stand Marion Wunderlich vom Gesundheitsamt, als der erste Q-Fieber-Fall Ende Oktober 2022 in Amt Neuhaus (Landkreis Lüneburg) bekannt wurde. „Es gab die Erkrankung einer ehemaligen Mitarbeiterin, und dann haben wir Untersuchungen bei den anderen Mitarbeitern gemacht, und es gab positive Befunde”, so Thomas Volksdorf vom zuständigen Veterinärmat. Seitdem sind es zwölf Fälle. Es sei sehr wahrscheinlich, dass der Herd in der Schafherde liege, erklärt der Mitarbeiter des Veterinäramts bei einer Informationsveranstaltung in Amt Neuhaus. Zwar habe die infizierte Mitarbeiterin auch Kontakt zu einer anderen Herde gehabt, "aber von der Inkubationszeit passt es", heißt es weiter.
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Alle Infizierten sind Mitarbeiter

Der betroffene Schäfer hat etwa 4.600 Schafe, 200 Ziegen und knapp 900 Rinder. Alle infizierten Personen arbeiten auf seinem Hof: „Das sind keine Leute, die hier geboren sind, sondern das sind Leute, die hier leben und arbeiten und zum Teil auch aus dem Ausland kommen“, so das Gesundheitsamt.
Dr. Tamara Nordmann vom Universitätsklinikum Eppendorf hat alle zwölf Personen gezielt untersucht. Niemand habe behandelt werden müssen, und es sei auch niemand identifiziert worden, der für ein chronisches Q-Fieber, also dem schwereren und langwierigerem Verlauf, in Frage käme, so die Ärztin. „Wir sind also mit einem blauen Auge davon gekommen.“
Das Gesundheitsamt arbeitet seit dem ersten Fall im Oktober an der Beseitigung der Infektionsquelle. Der Schäfer selbst sei dabei eine große Hilfe gewesen, so Wunderlich. Er habe super mitgearbeitet, seine Herde und Ställe saniert. Äußern wollte sich der Schäfer auf Anfrage von RTL aber nicht.
Infoveranstaltung soll Ängste nehmen

Nachdem Gesundheits- und Veterinäramt sich um Hof und Infizierte gekümmert haben, sollte jetzt die Öffentlichkeit mit einbezogen werden. Dafür gab es Mittwochabend (9. März) eine Infoveranstaltung in Amt Neuhaus. Der kleine Saal im Haus des Gastes war bis auf den letzten Platz gefüllt. Neben mehreren Experten sind auch knapp 100 Anwohner gekommen. Darunter besorgte Bürger, auch andere Landwirte und Hausärzte aus dem Ort. Viele wollten wissen: Sind wir jetzt sicher?
Rüdiger Hansen, der im Ort eine pädagogische Einrichtung mit Schafen betreibt, kann die Sorgen nachvollziehen: „Das ist noch auf Corona zurückzuführen, dass die Menschen sensibilisiert sind und jede neue Geschichte, da werden die Leute nervös.“
Erstmal kann das Gesundheitsamt Entwarnung geben, denn Q-Fieber sei behandelbar, so Wunderlich. „Neben den Fällen von Q-Fieber gibt es auch zwölf Personen, die mit den Tieren gearbeitet haben und negativ sind. Die Infektion ist also noch nicht weit ausgebreitet.”
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Es kann nochmal kritisch werden
Trotzdem könnte es jetzt nochmal kritisch werden, denn in wenigen Wochen werden wieder viele Lämmer geboren: „Eine reelle Gefahr ist die Lammzeit, dafür wollen wir die Menschen fit machen”, so Wunderlich. Denn der Erreger wird bei der Geburt der Tiere in großen Mengen ausgeschieden. „Er ist extrem widerstandsfähig - ein wahrer Überlebenskünstler“, erklärt Dr. Martin Runge vom niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz. Deswegen darf das Ablammen nicht mehr in Ortsnähe passieren, und Anwohner sollten in der Zeit mehr Distanz wahren oder eine Maske tragen.
Am wahrscheinlichsten sei eine Ansteckung, wenn man die staubähnlichen Partikel einatmet, erklärt Tamara Nordmann vom UKE. Ein erhöhtes Risiko sehen die Experten für Amt Neuhaus aber nicht: “Die Staubübertragung findet innerhalb eines Radius von zwei Kilometer statt. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion ist also nicht so hoch”, so Thomas Volksdorf vom Veterinäramt.
Eine wirkliche Gefahr sieht keiner der Experten, denn auch die Grundimmunisierung der Herde sei bereits abgeschlossen, so Volksdorf. „Wir machen jetzt schon die Nachimpfungen. Außerdem wird die Herde auch weiterhin eng kontrolliert.” Die Menschen in Amt Neuhaus können also wieder richtig tief durchatmen.
Akut oder chronisch?
Bei Q-Fieber wird zwischen akutem und chronischem Q-Fieber unterschieden. Das akute Q-Fieber bekommen 95-98 Prozent der Infizierten. Es sei mit einem grippalen Infekt zu vergleichen und habe einen milden Verlauf mit Fieber, Muskel- und Gliederschmerzen, erklärt Tamara Nordmann vom Universitätsklinikum Eppendorf. „Das hält ein bis zwei Wochen, und dann ist das weg.“ Nur unter zwei Prozent sollen einen schweren Verlauf bekommen, so die Ärztin weiter. „Das geht mit einer Lungenentzündung einher.“
Wovor die Ärztin warnt, ist das chronische Fieber. „Ein bis fünf Prozent aller, die ein akutes Q-Fieber durchgemacht haben, entwickeln das chronische Q-Fieber.“ Zu den Risikogruppen eines chronischen Verlaufs gehören Immungeschwächte und Schwangere. „Bei einer Infektion besteht ein Risiko für Früh- oder Totgeburten.” Chronische Infektion sein schwierig zu behandeln, so die Ärztin. Das könne bis zu drei Jahren dauern, bis man wieder ganz gesund ist.





























