Dreifachmordprozess gegen Hartmut F. in Kiel

Nach Bluttat von Dänischenhagen: "Ich glaube, ich habe etwas Dummes gemacht"

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Der Angeklagte Hartmut F. am Mittwochmorgen im Gerichtssaal. Foto: RTL Nord
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Staatsanwaltschaft: Tat war geplant

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Ein Absperrzaun umgibt das Haus in Dänischenhagen, in dem am 19.05.2021 zwei Tote gefunden wurden. Foto: Frank Molter/dpa/Archivbild
deutsche presse agentur

Ruhig und gefasst betritt Hartmut F. am Mittwochmorgen den Gerichtssaal. Laut Gericht verfolgte er am 19. Mai 2021 in einem Leihwagen unbemerkt seine getrennt von ihm lebende Ehefrau auf dem Weg zu ihrem neuen Partner. Im Eingangsbereich von dessen Haus in Dänischenhagen soll er beide mit Salven aus einer Maschinenpistole getötet haben. Anschließend soll er in Kiel einen gemeinsamen Bekannten des Ehepaares mit einer anderen Pistole erschossen haben. „Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte seine Tat geplant hat und sich bei seiner Frau für die Trennung rächen wollte“, so Gerichtssprecher Markus Richter gegenüber RTL Nord am Mittwochmorgen.

Harmut F. soll Zeichen zur Festnahme gegeben haben

Am Abend der Tat stellte der 48-Jährige sich dann in Hamburg der Polizei, in Schleswig-Holstein hätten ihn seinen Aussagen nach „zu viele Menschen gekannt.“ Ein Polizeibeamte, der ihn nach der Tat an der Sicherheitsschleuse in Empfang genommen hatte, sagt im Prozess am Mittwoch als erster Zeuge aus. „Er war freundlich, legte seinen Ausweis vor. Er sagte: Haben Sie keine Angst. Ich hole jetzt die Waffe raus.“ Hartmut F. nahm offenbar sogar von sich aus seinen Gürtel ab und machte ein Zeichen, dass er festgenommen werden wolle. Der Polizeibeamte weiter: „Er sagte ungefähr so etwas wie: Ich glaube, ich habe etwas Dummes gemacht.“

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Zeuge: "Er hat seine Frau geschlagen!"

Ein weiterer Zeuge sagt vor Gericht aus, dass der Angeklagte ihn am Tattag angerufen habe. Hartmut F. soll gesagt haben: „Du glaubst es nicht. Meine Frau betrügt mich.“ Dabei sei er ganz normal, ganz ruhig und nicht nervös gewesen. Der Zeuge weiter über Hartmut F. und seine Ehe: „Er hat seine Frau geschlagen. Für mich war er ein Arschloch, was er gemacht hat. Jetzt verstehe ich, was seine Frau meinte, als sie sagte, „mein Mann hat zwei Gesichter.““ Auch habe der Angeklagte Nazi-Embleme wie einen Nazi-Aschenbecher gehabt.

Vorwurf: Morde aus Heimtücke

Als Tatmotiv nimmt die Staatsanwaltschaft Rache und Vergeltung an. Der Angeklagte habe seine 43-jährige Ehefrau, mit der er vier gemeinsame Kinder hat, wegen der Trennung und den Mann wegen einer Beziehung zu ihr erschossen. Mit der Tat habe er sie bestrafen wollen. Das dritte Opfer habe der Zahnarzt für das Scheitern der Ehe verantwortlich gemacht.

Die Strafkammer verhandelt aus Platzgründen erstmals in einer zum Schwurgerichtssaal ausgebauten Leichtbauhalle nahe der Kieler Förde. Hartmut F. ist bislang nicht vorbestraft. Er besaß offenbar legal Waffen. Die Waffenbesitzerlaubnis sei ihm jedoch entzogen worden, sodass er alle Waffen hätte abgeben müssen.

Urteil wahrscheinlich Ende März

Für das Verfahren hat das Schwurgericht elf Verhandlungstage terminiert. Insgesamt 30 Zeugen, Vertreter der Gerichtsmedizin und ein psychiatrischer Sachverständiger sollen zur Aufklärung von genauem Tathergang, Motiven und Schuldfähigkeit des 48-Jährigen gehört werden. Das Urteil könnte Ende März fallen. „Wenn die Kammer zum Ergebnis kommt, dass Mordmerkmale vorliegen und dass ein Mord gegeben ist, dann käme nach dem Gesetz nur eine lebenslange Freiheitsstrafe in Betracht“, so Gerichtssprecher Markus Richter. (dpa/tsj/kst)