Mutter (41) und Sohn (8) im Watt vermisst

Profiler Axel Petermann: Sie will Sohn unbedingt bei sich haben - das ist egoistisch

21. Oktober 2019 - 15:51 Uhr

Polizei geht davon aus, dass sie untergetaucht ist

Schwierig soll sie gewesen sein, eine Nachbarin, die es anderen schwer machte, gut mit ihr auszukommen. Am 13. Oktober verschwand die 41-jährige Mutter spurlos mit ihrem Sohn (8) im Watt von Brunsbüttel. Später kam heraus: Die Frau ist untergetaucht. Profiler Axel Petermann hat sich den Fall angeschaut. Für ihn hat das Verschwinden der Mutter egoistische Züge.

Nachbarn beschreiben sie als schwierig

Sonntag, 13. Oktober 2019: Bei der Feuerwehr geht ein Notruf ein. Es ist die 19-jährige Tochter der Vermissten. Ihre Mutter und ihr Bruder seien verschwunden, sagt sie. Daraufhin durchsuchen Einsatzkräfte in Brunsbüttel das Watt der Elbe. Hier sollen die beiden ins Wasser gegangen sein. Erst sieht alles nach einem erweiterten Suizid aus. Doch alles deutet darauf hin, dass die Mutter mit ihrem Kind weggelaufen sein könnte. Der Grund: Der 41-Jährigen hätte eine Haftstrafe wegen Betrugs gedroht. Außerdem habe sie sich im Sorgerechtsstreit mit dem Vater ihres Sohnes befunden.

Auch die Leute in ihrem Wohnort Brunsbüttel beschreiben sie als schwierig. So sagte ein Geschäftsinhaber, sie sei eine "sehr gewöhnungsbedürftige" Kundin gewesen, die oft Extrawünsche gehabt hätte und auch gern schnell nach dem Chef gefragt habe, wenn ihr etwas nicht passte. Auch ihre direkten Nachbarn fühlten sich oft gestört. Immer wieder habe sie Pakete bestellt, die andere für sie annehmen sollten, aber keinen Namen angegeben.

So denkt Profiler Axel Petermann über die Frau

Wie tickt diese Frau, die offenbar mit ihrem 8-jährigen Sohn untergetaucht ist? Wir haben Profiler Axel Petermann gefragt. Er sieht die 41-jährige Mutter als egoistischen Menschen.

"Ihr Verhalten spricht sehr gegen den Charakter der Frau. Dass sie ihre Strafe nicht antreten will, nur um des eigenen Vorteils willen", sagte der Ermittler. "Sie ist nicht zum Strafantritt ins Gefängnis gegangen." Stattdessen habe sie mit ihrem inszenierten Tod bewirken wollen, dass gar nicht erst nach ihr gesucht werde. Allerdings alles zu Lasten ihres Sohnes.

"Offensichtlich war ihr das Zusammensein mit ihrem Sohn sehr wichtig. Aber sie nimmt in Kauf, dass es eine völlig neue Lebensgeschichte geben muss, in die das Kind auch hineinwachen muss. Und sie muss damit rechnen, dass der Junge damit gar nicht einverstanden und zufrieden ist", so der Experte. Doch offenbar sei es ihr sehr wichtig gewesen, mit ihrem Sohn zusammen zu sein. Ansonsten, so Petermann, hätte die Mutter auch untertauchen und ihren Sohn zurücklassen können.

Interpol ermittelt

Mutter und Sohn aus Brunsbüttel seit Sonntag vermisst.
Mutter und Sohn aus Brunsbüttel seit Sonntag vermisst.
© Polizei

Wie die Polizei am Donnerstag bekannt gab, räumte die Mutter vor ihrem Verschwinden auch alle Konten leer und verkaufte ihr Auto. Bei der Polizei meldete sich nach dem Zeugenaufruf zudem ein Mann, dem die Frau weitere Sachen verkaufen wollte. Ihm gegenüber habe sie erwähnt, dass sie sich nach Spanien absetzen wolle, so der Zeuge nach Polizeiangaben. Die Ermittler haben Interpol eingeschaltet, um spanische Behörden zu informieren.

Hinweise zum Aufenthaltsort von Mutter und Sohn nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 0481-940 entgegen.