Plus-Size-Trainerin gründet Studio

"In meinem Fitnessstudio soll jeder Körper willkommen sein"

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05. Mai 2021 - 15:35 Uhr

"Fitness for every body" – Fitness für jeden Körper

Elisabeth Axmann-Marcinkowski (33) findet: Viel zu oft ist Fitness mit einem sichtbaren Ergebnis verbunden. Wenn man nicht durch das Training abnimmt, war scheinbar alles umsonst. Und fiese Blicke gibt's im Fitnessstudio oft noch dazu. Durch diese Einstellung hatte sie selbst die Liebe zum Sport verloren. In ihrem Studio "Elly Magpie" in Wien soll sich jeder Mensch mit seinem Körper wohlfühlen. Sie als Fitnesstrainerin trägt ebenfalls Plus Size und ist dadurch ein Vorbild für die Teilnehmer.

Doch es ist ausdrücklich kein Studio nur für Mehrgewichtige. Die 33-Jährige lacht bei dem Gedanken. So würde man ja nur wieder anfangen, andere Menschen für ihren Körper auszuschließen, eklärt sie uns am Telefon.

"Meine Beziehung zu Sport war sehr gestört"

Elisabeth Axmann-Marcinkowski sagt heute, dass es Jahre gedauert hat, bis sie die Freude an Bewegung wiedergefunden hat. In der Schule wurde sie häufig beim Sport für ihren Körper gehänselt. Oder sie bekam den Vorschlag, es doch mal mit mehr Sport zu versuchen, um abzunehmen. Heute sagt sie über diese Zeit: "Sport war für mich auch nichts, was ich einfach machen kann, weil's Spaß macht, sondern hatte sozusagen immer ein Ziel. Und dieses Ziel war Abnehmen. Aber wenn man dieses Ziel dann nicht erreicht, kann es auch nie im Leben ein gutes Gefühl mit sich bringen und deswegen war meine Beziehung zu Sport und zu Bewegung an sich sehr lange sehr gestört und hat eher so ein Hassgefühl erweckt."

Irgendwann gibt sie dem Sport trotzdem nochmal eine Chance. Sie trainiert mit einem Personal Trainer, um sich vor Kommentaren und Blicken anderer zu schützen. Doch mit dem neu gefundenen Spaß am Sport, will sie sich nicht mehr verstecken und schmiedet den Plan zum eigenen Studio. "Ich möchte diesen safe space kreieren, wo Leute einfach genau wissen, dass sie sich wohlfühlen können. (…) und dass wir die Formung des Körpers nicht in den Vordergrund stellen, sondern das Wohlbefinden."

„Ich würde es mir nie anmaßen jemandem aufgrund des Körpers etwas zuzutrauen oder nicht.“

Plus-Size-Trainerin Elisabeth Axmann-Marcinkowski, "Elly Magpie"
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So gründet sie im April 2020 "Elly Magpie". Die Kurse finden wegen der Pandemie erstmal nur online statt. Bald kann es dann endlich auch vor Ort losgehen.

"Elly Magpie" will mit ihrer Geschichte ein Vorbild für andere sein, auch weil ihr bewusst ist, dass sie sich durch ihre eigenen Kurven besser in Mehrgewichtige reinversetzen und Übungen individuell an Kursteilnehmer anpassen kann. Trotzdem sagt sie: "Ich würde es mir nie anmaßen, jemandem aufgrund des Körpers etwas zuzutrauen oder nicht." Stattdessen zeigt sie von jeder Übung verschiedene Variationen und animiert jeden auszuprobieren, was für ihn am besten funktioniert. Wer zum Beispiel aufgrund seines Gewichtes nicht springen will, um die Gelenke zu schonen, macht eben eine abgewandelte Übung. Kein Grund aufzugeben, findet Elly.

Und die 33-Jährige bemerkt, wie Kursteilnehmer sich genau das abgucken. "Es ist eine unglaublich coole Community, also die unterstützt sich auch untereinander. Und was man einfach auch merkt ist, dass sich die Leute immer mehr trauen. Also auch in der Kommunikation, auch zu sagen: Elli, das hat nicht funktioniert, was kann ich denn anders machen, wie kann ich die Übung an mich besser anpassen?"

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Nach einem Jahr kann sie endlich Kurse mit Präsenz anbieten

Ab Mitte Mai hofft sie, Kurse vor Ort anbieten zu können. Erstmal für vier bis fünf Personen. Mit der Zeit will sie dann ganz unterschiedliche Kurse anbieten. "Auch Zumba oder Kampfsport, sodass für jeden etwas dabei ist."

Online wird es aber auch weiterhin Kurse geben, denn auch Kursteilnehmer außerhalb von Wien schalten regelmäßig ein. Es scheint, als sei Ellys Plan, einfach Freude an Bewegung zu vermitteln, aufgegangen. Ihr ist bewusst, dass es Menschen hilft, wenn sie sich in ihrem Körper wiedererkennen. Trotzdem hofft sie, dass irgendwann ganz normal ist, dass Körper eben unterschiedlich aussehen. Und dass es bei Sport nicht um sichtbare Ergebnisse geht, sondern um Freude an der Bewegung.

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