Neue Forschungen bringen Licht ins Grüne

Pflanzen mögen Berührungen so gar nicht

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21. Mai 2019 - 12:01 Uhr

Pflanzen reagieren auf Berührungen

Grüner Daumen hin oder her: Neue Forschungen der Universität La Trobe in Melbourne ergeben, dass Pflanzen es so gar nicht mögen, wenn sie berührt werden. Ob zärtliche Streicheleinheiten, sachte Pflege mit einem Staublappen oder sogar die eigenen Artgenossen. Ganz nach dem Motto: "Lass die Pfoten von mir!" Die sind aber auch empfindlich, diese Pflanzen.

Pflanzen gehen in Abwehrhaltung

Selbst bei der kleinsten Berührung reagieren Pflanzen mit einer genetisch bedingten Abwehrreaktion. "Innerhalb von 30 Minuten nach der Berührung werden 10 Prozent des Genoms der Pflanze verändert", erklärt Jim Whelan, Professor und Foschungsdirektor. Und dafür benötigt die Pflanze viel Energie. Diese zieht sie aus dem Wachstum. Wird eine Pflanze oft berührt, kann dies ihren Wachstum um bis zu 30 Prozent verringern. Dies geht aus dem Forschungsergebnis heraus, das im "The Plant Journal" veröffentlicht wurde.

Eigentlich ganz schlau, diese Pflanzen

Diese genetische Reaktion ist jedoch wichtig. Landet beispielsweise ein Insekt auf der Pflanze, schützt sie sich dadurch vor dem Gefressen werden. Doch wieso reagieren sie auch auf Berührungen von Artgenossen?

Sonnenlicht ist für Pflanzen essentiell. Stehen sie nun so dicht beieinander, dass sie sich berühren, könnten sie zu wenig Strahlen abbekomen. Denn: Je größer eine Pflanze wird, desto mehr Schatten wirft sie und desto weniger Licht erhalten die umstehenden. Aus diesem Grund verringert die Pflanze ihren Wachstum.

Auch wenn es unseren grünen Daumen schwerfällt, die Finger von den Blättern zu lassen: Unsere Pflanzen werden es uns danken. Vielleicht sogar mit einem neuen Trieb oder einer Blüte.

Was das für die Forschung bedeutet

Das Berührungsempfinden von Pflanzen wird weiter untersucht, da es noch viele offene Fragen gibt. Eine davon ist zum Beispiel: Wie können Pflanzen zwischen für sie guten und schlechten Insekten unterscheiden? Diese können nämlich auch einige Vorteile für sie haben.

Forscher möchten Zuchtpflanzen entwickeln, die weniger empfindlich auf Berührungen reagieren. Die Schwierigkeit besteht derzeit noch darin, dass den Pflanzen gleichzeitig aber nicht die Empfindlichkeit gegenüber Hitze und Kälte genommen wird. Doch dafür muss die Forschung erst einmal verstehen, wieso die Pflanzen so extrem auf Berührungen reagieren.