Ärzte warnen vor lockerem Umgang

Lieber nicht: Periode im Sommer mit Antibaby-Pille verschieben

Gerade im Sommer ist die Periode oft störend
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18. Juli 2020 - 11:25 Uhr

Menstruation stört häufig beim Strandbesuch

Sie kommt immer dann, wenn Frau sie am wenigsten gebrauchen kann und gerade im Urlaub ist sie ziemlich nervig: Die Periode. Denn wer will sich schon während eines sonnigen Tages am Meer die ganze Zeit um seine Monatshygiene kümmern? Viele Frauen, die die Antibaby-Pille nehmen, greifen daher in die Trickkiste und nehmen die Pille einfach durch, um die Periode zu verschieben. Experten halten das aber für riskant und nicht ungefährlich.

Pille sollte nicht als Lifestyle-Medikament betrachtet werden

"Auch wenn schwere Komplikationen selten sind, können sie das Leben einer jungen Frau zerstören", sagt die Vorsitzende des Arbeitskreises Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft, Ingrid Mühlhauser. "Als Lifestyle-Behandlung ist die Pille daher ungeeignet, und dafür ist sie auch nicht zugelassen."

Die Pille beispielsweise nur im Sommer und dann durchgehend zu nehmen, damit die Blutung nicht im Urlaub oder am Strand stört, hält auch die Kieler Frauenärztin und Buchautorin Dorothee Struck für "blöd". "Man muss wissen, dass im ersten Halbjahr der Einnahme immer das allerhöchste Risiko für Thrombosen, Embolien oder Schlaganfälle besteht. Und gerade im Sommer muss man häufig bei Urlaubsreisen viel und beengt sitzen - das verstärkt das Risiko noch." Die Pille an sich sei nicht schlecht, so die Ärztin, die sich in ihren Büchern auch mit anderen Verhütungsmethoden beschäftigt. "Schlecht ist nur der total lockere Umgang damit."

Pille verhindert das Heranreifen der Eizelle

Die Antibabypille verhindert das monatliche Heranreifen einer Eizelle und somit auch den Eisprung. Sie wird klassischerweise 21 Tage lang genommen. In einer siebentägigen Pause kommt es zu einer Abbruchblutung. Frauen nehmen die Pille jedoch mitunter länger und verschieben damit ihre Blutung auf einen Zeitpunkt, der für sie günstiger ist. 

Ein solcher Langzeitzyklus sei auch mit jeder anderen Einphasenpille möglich, sagte die Hamburger Frauenärztin und Expertin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Anneliese Schwenkhagen. Das Verschieben des Zyklus an sich sei unproblematisch: "Es ist eigentlich egal, ob die Abbruchblutung nach 21, 28, 32 Tagen oder auch einige Wochen später einsetzt." Die Erfinder der Pille hätten den Einnahmezyklus an den natürlichen Zyklus der Frau angepasst - medizinisch sei dies aber nicht zwingend nötig.

Langzeiteinnahme kann Beschwerden lindern

Die durchgehende Einnahme sei keine Idee der Pharmaindustrie, um mehr Pillen zu verkaufen, sondern etwas, was Gynäkologen manchen Patientinnen schon seit vielen Jahren empfehlen, so Schwenkhagen, deren Praxis auf hormonelle Störungen spezialisiert ist. Migräne, extrem starke Regelschmerzen oder die Erkrankung Endometriose seien häufige medizinische Gründe. "Da kann man durch die durchgehende Einnahme der Pille sehr viel Gutes bewirken.